Eckart Conze

Schatten des Kaiserreichs

Die Reichsgründung von 1871 und ihr schwieriges Erbe
Cover: Schatten des Kaiserreichs
dtv, München 2020
ISBN 9783423282567
Gebunden, 288 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Am 18. Januar 1871 wurde im Spiegelsaal von Versailles das Deutsche Kaiserreich proklamiert. Deutung und Erbe des damals gegründeten Nationalstaats sind heute umstritten. In welchem Verhältnis steht die Berliner Republik zum Reich Bismarcks und Wilhelms II.? Wie demokratisch war der nationale Staat? Hat sich Deutschland damals auf einen "Sonderweg" in die Moderne begeben? War in der Reichsgründung der Weg zum Ersten Weltkrieg bereits angelegt. Was verbindet 1871 und 1933, was Versailles und Auschwitz? Die Debatten über "Die Schlafwandler" und die Hohenzollern zeigen, dass der Schatten des Kaiserreichs bis in die Gegenwart reicht. Ein neuer Nationalismus taucht das vergangene Reich in ein rosiges Licht und versucht, ein kritisches Bild seiner Geschichte zu entsorgen. Doch die Reichsgründung war eine Revolution von oben, das Kaiserreich ein autoritärer nationaler Machtstaat. Die Bundesrepublik steht nicht in seiner Tradition. 150 Jahre nach der Reichsgründung verbindet das Buch Geschichte und Gegenwart, historische Analyse und geschichtspolitische Intervention.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.01.2021

Für die hier rezensierende Geschichtsprofessorin Birgit Aschmann rennt der Kollege Eckart Conze einerseits offene Türen ein, wenn er in seiner Studie, auch mit Blick auf aktuelle Entwicklungen, auf die dunklen Seiten des Kaiserreichs verweist. Andererseits aber findet sie Conzes Blick auf die Geschichte apodiktisch, wenn der Autor die Auseinandersetzung mit dem Nationalstaat nur unter der Frageperspektive des Nationalsozialismus zulässt. Dass der Autor daraus keine neuen Erkenntnisse entwickelt, scheint Aschmann die eigentliche Crux des Buches zu sein. Die Missachtung internationaler Studienergebnisse zu diesem Komplex durch Conze hält die Rezensentin für ein weiteres Manko des Buches.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 14.12.2020

Unter all den Büchern zum 150. Jubiläum der deutschen Reichsgründung sticht Eckart Conzes "Schatten des Kaiserreiches" hervor, findet Rezensent Hans von Trotha. Nicht nur zeichnet es sich durch Fundiertheit und sprachliche Präzision aus, sondern vor allem durch den interessanten Gegenwartsbezug, so der Rezensent. Conze ist daran gelegen, aktuelle Diskurse in einen größeren historischen Kontext zu setzen und dabei die nationalsozialistische Historiografie in Frage zu stellen. So betont er beispielsweise, dass die Einigung, wie sie vor rund 150 Jahren getroffen wurde, keinesfalls "alternativlos" war, wie so oft behauptet wurde. Aktuell beunruhigt den Autor vor allem eine Tendenz zur "Renationalisierung", die er in vielen gegenwärtigen Debatten beobachtet und vor der er mit dem vorliegenden Buch warnen möchte. Trotha glaubt, dass dies dem Autor auf eindrückliche Weise gelingt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2020

In einer Sammelbesprechung widmet sich Rezensent Gustav Seibt vier neuen Titeln zum Thema der Reichsgründung, insbesondere bestimmten Einzelaspekten und Motiven, da das meiste an dieser Geschichte von 1870/71 "auserzählt" sei: Christoph Jahrs "Blut und Eisen", Christoph Nonns "12 Tage und ein halbes Jahrhundert", "Der Bruderkrieg" von Hermann Pölking und Linn Sackarnd und Erich Conzes "Schatten des Kaiserreichs". Letzteres bezeichnet Seibt als "Streitschrift", die sich offenbar der Lektüre von Christopher Clarks "Schlafwandler" verdanke. Clark gegenüber zähle Conze noch einmal alles auf, was nach wohl bekannter Historiker-Meinung zur Reichsgründung beigetragen hat - und der Kritiker lobt die "Übersichtlichkeit" all dieser wichtigen Elemente. Was ihn jedoch stört ist der Verzicht auf "kontrafaktisches Denken" und "Ambiguität", wie sie der von ihm favorisierte Historiker Nipperdey beherrschte, und auch von Vergleichen mit anderen Nationalbewegungen des 19. Jahrhunderts. Der Kritiker traut sich selbst in Richtung abschließender Gewichtung mehr zu und zieht eine historische Parallele vom Deutschen Bund bis zur Zwei-plus-vier-Regelung von 1990 als Argument für die in jedem Fall notwendige internationale Vertragsabsicherung Deutschlands nach allen Seiten.

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