Christoph Nonn

12 Tage und ein halbes Jahrhundert

Eine Geschichte des deutschen Kaiserreichs 1871-1918
Cover: 12 Tage und ein halbes Jahrhundert
C.H. Beck Verlag, München 2020
ISBN 9783406755699
Gebunden, 687 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

1871 wurde der deutsche Nationalstaat begründet. In den darauf folgenden fünf Jahrzehnten entstand das moderne Deutschland. In seinem anschaulich geschriebenen Buch zeigt Christoph Nonn die Janusköpfigkeit des deutschen Kaiserreiches, das sowohl Wegbereiterin des Dritten Reiches als auch unserer heutigen Demokratie war, und erzählt ausgehend von zwölf Tagen die Geschichte eines halben Jahrhunderts. Versailles, 18. Januar 1871: Im Spiegelsaal des berühmten Schlosses der französischen Könige wird das deutsche Kaiserreich ausgerufen. Seine Entwicklung war geprägt von immenser wirtschaftlicher Dynamik bei weitgehendem politischem Stillstand, demokratischen Lernprozessen und autoritärer Verkrustung, bahnbrechenden Sozialreformen und heftigsten sozialen Konflikten. In zwölf Kapiteln, die jeweils von den Ereignissen eines bestimmten Tages ausgehen, beleuchtet Christoph Nonn diese faszinierend bunte Epoche und lässt die Menschen lebendig werden, die sie gestalteten und durchlebten. So etwa der Künstler Anton von Werner, der die Kaiserproklamation gleich mehrfach malte, Julie Bebel, die selbstbewusst in der Politik wie in der gemeinsamen Drechslerwerkstatt an die Stelle ihres Manns August trat, wenn der wieder einmal im Gefängnis saß, oder der Schuster Wilhelm Voigt, der als "Hauptmann von Köpenick" eine Stadt zum Narren hielt und damit eine Nation zum Lachen brachte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2020

Rezensent Andreas Kilb respektiert den Versuch des Historikers Christoph Nonn, mittels Nahaufnahme Differenzierungen aufzuspüren beim Blick auf das Deutsche Kaiserreich. Über Zeitgenossen wie August Bebel oder ein paar Schülerinnen, Wilhelm Voigt alias Hauptmann von Köpenick oder an dem Juristen Theodor Lohmann konturiert der Autor laut Rezensent die Epoche. Das klappt gut und macht anschaulich, findet Kilb. Auch wie der Autor sich von der "Wehler-Schule" abgrenzt, indem er die Moderne sowohl "dunkel" als auch "hell" zeichnet, scheint Kilb zu überzeugen. Nur dass er die Weimarer Zeit dann zur "hellen" Moderne rechnet, findet der Rezensent fragwürdig
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2020

In einer Sammelbesprechung widmet sich Rezensent Gustav Seibt vier neuen Titeln zum Thema der Reichsgründung, insbesondere bestimmten Einzelaspekten und Motiven, da das meiste an dieser Geschichte von 1870/71 "auserzählt" sei Christoph Jahrs "Blut und Eisen", "Der Bruderkrieg" von Hermann Pölking und Linn Sackarnd, Erich Conzes "Schatten des Kaiserreichs" und Christoph Nonns "12 Tage und ein halbes Jahrhundert". Bei letzterem ist er sehr angetan von der Methode, zwölf Episoden oder Geschichtsbilder auszuwählen, an denen das Wesentliche exemplifiziert werden könne. Anhand von Nonns Analyse des Hauptmanns von Köpenick, die konträr zur üblichen Interpretation laufe, zeigt er auf, was ihn hier überzeugt: "Strukturgeschichte" durch kluge Heranziehung historischer Vignetten.
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