Die Deutschen stehen seit Jahrhunderten in regem Austausch mit der islamischen Welt. Und doch sind sie hin- und hergerissen zwischen Faszination und Verachtung. Für Joseph Croitoru öffnet sich dieser Zwiespalt schon im Zeitalter der Aufklärung. Bei Staatsmännern wie Friedrich dem Großen, Denkern wie Herder und Autoren wie Lessing finden sich Klischees, die uns noch heute begegnen: Luxus und Reichtum, Falschheit und Faulheit. Die Aufklärung war aber doch mit dem Anspruch angetreten, sich des eigenen Verstandes zu bedienen? Dieses Buch ist ein Appell, in der Auseinandersetzung mit dem islamischen Orient endlich den Maximen der Aufklärung gerecht zu werden - was heute dringender nottut denn je.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.03.2019
Für Moritz Behrendt führt Joseph Croitoru mit der Darlegung von Strategien, Auseinandersetzungen und Stereotypen der Islamdebatte im 18. Jahrhundert direkt in unsere Gegenwart. Dass der Historiker dabei klar und quellensatt die Aufklärung beleuchtet, das Orientbild von Friedrich dem Großen, Lessing, Goethe, Gleim und Gottsched anhand von Dramen, Briefen und Aufsätzen nachzeichnet, Topoi und Interessen der Aufklärer offenlegt und zeigt, inwieweit der Orient bei ihnen vor allem als Wunschvorstellung existierte, macht das Buch für Behrendt lesenswert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.10.2018
Ausführlich und gelehrt bespricht Lothar Müller diese Studie des als
Osteuropa- und Nahostkorrespondent von FAZ und NZZ bekannten Autors Joseph Croitoru. Dessen Hauptthese, so Müller, revidiert die weit verbreitete
Auffassung, eine islamfreundliche Haltung sei in der Folge Lessings ein
Charakteristikum der deutschen Aufklärung. Aber so wirkmächtig Lessing
war - er war nicht repräsentativ. Croitoru zitiere viele sehr
islamkritische Äußerungen von Autoren, die allerdings nicht den
Bekanntheitsgrad Lessings haben. Sie knüpften aber laut Müller weniger
an Voltaires rigide Kritik am Mohammedismus an, sondern bezogen ihre
Energie aus christlicher Konkurrenz zum Islam. Zwar sei auch die
Türkei-Politik Friedrichs II. von Preußen aus Machtkalkül eher
islamfreundlich gewesen, insgesamt aber ergibt die deutsche Aufklärung
ein sehr zwiespältiges Bild, so Müller, der Croitorus Ausführungen nur
stützen kann.
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