Die politik- und kulturgeschichtliche Studie offenbart hinsichtlich der für Deutsch-Südwestafrika zentralen Beziehungen zwischen staatlicher Obrigkeit und indigener Bevölkerung ein hohes Maß an institutionalisierter Gewalt, resultierend aus der Absicht, einen kolonialen "Musterstaat" zu errichten. Dessen normative Ausgestaltung wird analysiert und ihr anschließend die Herrschaftsrealität gegenübergestellt. Die anhand der erstmals umfassend ausgewerteten Akten der National Archives in Windhuk gewonnene Neuinterpretation erweist die Undurchführbarkeit der Herrschaftsutopie. Die Studie bietet Einsichten in das tatsächliche Funktionieren der deutschen Kolonialherrschaft und in Mentalität und Amtsverständnis des wilhelminischen Beamtentums.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.04.2002
Rezensent Joachim Zeller scheint mit Jürgen Zimmerers Arbeit über die deutsche Kolonialherrschaft in Südwestafrika und die damalige "Eingeborenenpolitik" ganz zufrieden zu sein. Im wesentlichen beschränkt sich Zeller darauf, den Inhalt des Buches wiederzugeben. Zimmerer kann nach Ansicht des Rezensenten zeigen, dass es das oberste Ziel des südwestafrikanischen Kolonialstaates war, eine neue auf "Rassentrennung" basierende Gesellschaftsordnung zu etablieren. Zimmerer charakterisiert diese Gesellschaftsordnung nach Zellers Einschätzung zutreffend als "rassische Privilegiengesellschaft", in der die weißen Kolonialherren den Afrikanern lediglich die Rolle als Billiglohnarbeiter ohne Rechte zustanden. Wie der Rezensent hervorhebt, setzt sich Zimmerer in einigen Punkten von den älteren Standardwerken ab, etwa wenn Zimmerer klarstellt, dass die nach 1907 betriebene auf eine totale Erfassung und Kontrolle der afrikanischen Bevölkerung zielende "Eingeborenenpolitik" keinen grundsätzlichen Neubeginn darstellte, und damit auch eine Neubewertung der Politik vor dem großen Kolonialkrieg vornimmt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.03.2002
Ralph Erbar zeigt sich in seiner Kurzkritik von der Studie über die deutsche Kolonialherrschaft im heutigen Namibia recht angetan. Er skizziert kurz die drei Phasen der Kolonialherrschaft, die der Autor in seinem Buch unterscheidet, und stellt anerkennend fest, dass Zimmerer sich seine Erkenntnisse auf "breiter Quellenbasis" erarbeitet hat. Dadurch ist ihm nach Ansicht des Rezensenten ein "differenziertes Bild" nicht nur von der "Herrschaftsutopie" der Kolonialherren, sondern auch von dem sich mitunter davon unterscheidenden Alltag in der ehemaligen Kolonie gelungen.
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