Ein heruntergewirtschaftetes Gehöft und ein heißer, trockener Sommer. Die Geschichte einer Familie, in der es keine Liebe gab. Die Geschichte zweier Geschwister, die sich auf der Suche nach ihr verloren haben. Der Debütroman von Julja Linhof.
Ein eindrückliches Romandebüt voller starker Sätze legt Julja Linhof hier vor, freut sich Rezensent Christoph Vormweg. Die Handlung ist in den 1970ern angesiedelt und dreht sich um den 19-jährigen Jirka, der nach Jahren im Internat auf den Hof seiner Familie zurückkehrt. Jirkas Verhältnis zu seinem brutalen Vater wird thematisiert, erfahren wir, auch seine Schwester Malene und Leander, der Sohn des Gutsverwalters, spielen eine Rolle. Linhof gelingt es, in prägnanter Sprache eine vergangene Epoche des westdeutschen Landlebens zu evozieren und deren innere Spannungen darzustellen, findet Vormweg, der besonders die Dialoge hervorhebt, die von Aggressivität, aber auch von Unausgesprochenem durchsetzt sind.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 09.03.2024
Rezensent Rainer Moritz zollt Julja Linhof Anerkennung dafür, einen Heimkehr-Roman geschrieben zu haben, der aus der langen Reihe dieses aktuell boomenden Genres heraussticht. Denn in Linhofs Roman ist es einmal kein sentimental gestimmter Mann mittleren Alters, der in seine Kindheit zurückreist, sondern der 19-jährige Jirka, der darauf eigentlich keine Lust hat: Fünf Jahre lang hatte er in einem Internat den Kontakt zur Heimat, einem Bauernhof in Westfalen, gezielt vermieden. Wie die Autorin von der dementsprechend wenig herzlichen Wiederaufnahme erzählt, von den veränderten Bedingungen auf dem Bauernhof, den die Jirkas Schwester im Alleingang (die Mutter ist tot, der Vater abwesend und die Großmutter dement) am Laufen zu halten versucht, findet Moritz eindrücklich. Einen klassischen Plot gebe es nicht, vielmehr komme in stetigen Tempuswechseln langsam Jirkas schwere Vergangenheit an die Oberfläche: die Misshandlung durch den Vater, die ersten homoerotischen Annäherungsversuche mit einem Saisonarbeiter. Für den Kritiker bis auf ein paar sprachliche und stilistische Ausrutscher ein "eigensinniges" und gelungenes Romandebüt.
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