Karine Tuil

Menschliche Dinge

Roman
Cover: Menschliche Dinge
Claassen Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783546100021
Gebunden, 384 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Maja Ueberle-Pfaff. Die Farels sind schön und reich, haben Einfluss und Macht: Jean Farel ist ein prominenter Fernsehjournalist, seine Frau Claire eine Intellektuelle, bekannt für ihr feministisches Engagement. Ihr Sohn Alexandre, gutaussehend, sportlich, eloquent, studiert an einer Elite-Uni. Eine Familie wie aus dem Bilderbuch, könnte man meinen. Doch eines Morgens steht die Polizei bei den Farels vor der Tür, eine junge Frau hat Anzeige wegen Vergewaltigung erstattet. Die glanzvolle gesellschaftliche Fassade zeigt gefährliche Risse.
Inspiriert vom "Fall Stanford" und vor dem Hintergrund der #MeToo-Debatte, erzählt Karine Tuil in "Menschliche Dinge" von den Auswüchsen einer Gesellschaft, die auf Leistung und Selbstdarstellung getrimmt ist, in der sich jeder nimmt, was er haben will.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.2020

Rezensentin Lena Bopp hält die Erklärungsversuche, die Karine Tuil in ihrem Roman über einen tatsächlichen Vergewaltigungsfall bemüht, für wenig überzeugend. Da wird auf das jüdisch-orthodoxe Elternhaus des Opfers abgehoben, das sexuelle Erfahrungen verhindert haben soll, und auf den Mangel an Herzensbildung beim Täter, einem Elitestudenten. So gut recherchiert Bopp den Fall in Bezug auf die Gerichtsprotokolle mit Anklageschriften, Zeugenaussagen und Plädoyers findet, so wenig erhalten die Figuren im Text ihrer Meinung nach ein Eigenleben. Dass aus dieser Gemengelage keine lebendigen Dialoge entstehen können, wundert die Rezensentin kaum.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2020

Rezensent Jan Jekal ist enttäuscht: Der Roman der französischen Autorin Karine Tuil, basierend auf einem wahren Fall, fängt so gut an - und fällt dann doch so ab, seufzt der Kritiker. Erzählt wird die Geschichte des Stanford-Studenten Alexandre, der aus gutbürgerlichem Hause stammend - die Mutter feministische Intellektuelle, der Vater bekannter Fernsehmoderator - mit besten Bedingungen ins Leben startet und auf einer Feier die junge betrunkene Mila vergewaltigt, erfahren wir. Es kommt zum Prozess, die Eltern verteidigen den Sohn, verurteilen das Opfer scharf - und der Leser begleitet nicht nur den Prozessverlauf, sondern erhält auch Einblicke in eine Familientragödie, verrät der Rezensent. Genau da liegt für ihn eines der Probleme des Romans: Das Opfer kommt kaum zu Wort, der Täter wird als tragische Figur inszeniert, überhaupt erscheinen Jekal sämtliche ProtagonistInnen ziemlich schablonenhaft. Da kann ihn auch Tuils unterhaltsame, bisweilen "süffisante" Erzählstimme nicht mehr gnädig stimmen.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de