Karl-Markus Gauß

Schuldhafte Unwissenheit

Essays wider Zeitgeist und Judenhass
Cover: Schuldhafte Unwissenheit
Czernin Verlag, Wien 2025
ISBN 9783707608731
Gebunden, 128 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Karl-Markus Gauß verfasst Texte wider den Zeitgeist, die überzeugend darzulegen vermögen, dass der Antisemitismus von jeher eines anstrebt: eine Welt ohne Juden. Sein neuer Essayband vereint nuancenreiche Porträts wenig bekannter Gestalten der jüdischen Geistesgeschichte in Österreich, Polen, Litauen, Triest mit "ungeordneten Aufzeichnungen", in deren Zentrum der Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und sein Fortdauern stehen. Eine Attacke auf intellektuelle Selbstzufriedenheit und schuldhafte Unwissenheit, eine umfassende und fundierte Kritik an der Geschichtsverleugnung vermeintlich kritischer Geister. Und nicht zuletzt ein leidenschaftliches Plädoyer, die Traditionen der Aufklärung nicht leichtfertig als Erbe der weißen Vorherrschaft über die Welt abzutun, sondern ihren universalen Wert zu erkennen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 18.09.2025

Dieses Buch, so Rezensent Marko Martin, enthält viel Aufschlussreiches über den neuen, insbesondere auch linken Antisemitismus, der sich seit dem 7. Oktober ausbreitet. Karl-Markus Gauß, selbst klar im linken Lager verortet, erinnert darin Martin zufolge unter anderem an einen anderen Linken, Jean Améry, und dessen Enttäuschung über die Judenfeindlichkeit vieler seiner vermeintlichen Verbündeten, auch Verirrungen wie Foucaults Islamismus-Begeisterung kommen zur Sprache. Weiterhin überlegt sich Gauß laut Martin, ob die gegenwärtige Identitätspolitik im Zeichen von "woke" überhaupt links ist oder nicht vielmehr rechte Denkmuster aufgreift. Insgesamt fällt die Besprechung deutlich positiv aus, der Rezensent ist einerseits beeindruckt von der intellektuellen Trittsicherheit des Autors, der sich in der Literatur zum Antisemitismus gut auskennt, andererseits scheint er Gauß' Thesen hinsichtlich der zeitgenössischen antizionistischen Exzesse vollumfänglich zu teilen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2025

Der hier rezensierende jüdische Schriftsteller Doron Rabinovici betont, dass Karl-Markus Gauß mit seinen Essays wider den Hass auf Israel, vor allem auch im linksintellektuellen Lager, keinesfalls die israelische Regierungspolitik verteidigt. Stattdessen beleuchtet er Ereignisse, die im Diskurs um den Nahostkonflikt unterbelichtet bleiben, Geschichtslügen in Polen, die Vita von Theodor Herzl oder ein "Epitaph auf das Schtetl". Inwiefern der Hass auf Juden die Judenverfolgung verstärkt und warum die Sicht auf den Islamismus als eine progressive Kraft einen blinden Fleck hat, vermag Gauß dem Leser ebenfalls auseinanderzusetzen, erklärt Rabinovici.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 04.03.2025

Rezensent Ralph Gerstenberg lobt die stilistische und argumentative Klarheit der Essays von Karl-Markus Gauß, besonders abwägend kann er die Texte aber nicht finden, wenn Gauß "meinungsstark" gegen Antisemitismus gestern und heute anschreibt. Für den Publizisten überschritten die nach dem 7. Oktober gegen Israel und den "Völkermord" in Gaza agitierenden Studenten der Berliner UdK eindeutig eine Grenze, so Gerstenberg. Gauß' Eintreten gegen Geschichtsvergessenheit, sein Erinnern an Jedwabne, an Boris Pahor und Theodor Herzl sind für Gerstenberg auch darum so lesenswert, weil der Autor die Schrecken des Krieges dabei nicht ausblendet.

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