Katie Kitamura

Intimitäten

Roman
Cover: Intimitäten
Carl Hanser Verlag, München 2022
ISBN 9783446274044
Gebunden, 224 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Kathrin Razum. Was braucht ein Ort, um zu einem Zuhause zu werden? Die heimatlose Erzählerin verlässt New York, um am Gerichtshof in Den Haag als Dolmetscherin zu arbeiten. Als sie Adriaan kennenlernt, scheint die Stadt zur Antwort ihrer Sehnsüchte zu werden. Doch dann verschwindet er zu seiner Noch-Ehefrau und hinterlässt nichts als Fragen. Fragen, die sich zu einem existenziellen Abgrund auftun, als sie für einen angeklagten westafrikanischen Kriegsverbrecher dolmetschen muss und zweifelt: Was ist kalkulierte Lüge, was Wahrheit? Glauben nur noch die Naiven an Gerechtigkeit? Wer kann über wen richten?

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.01.2023

Mit verschiedenen Formen gewollter und nicht gewollter Intimität muss sich die Protagonistin aus Katie Kitamuras "Intimitäten" herumschlagen, wie Rezensentin Carola Ebeling erklärt. Als Dolmetscherin am Den Haager internationalen Gerichtshof ist sie einem westafrikanischen Despoten zugeteilt, der sich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten muss, dabei fällt es ihr immer schwerer, Distanz zum Angeklagten zu wahren, das Übersetzen wird für sie aufgrund ihrer Empathie zunehmend zu einer Belastung, erzählt Ebeling. Dazu kommt, erklärt die Kritikerin weiter, die Beziehung zu Adriaan, deren Enge und Intimität im Laufe der Geschichte immer mehr von seiner Nähe zu seiner Noch-Ehefrau durchschossen wird. Für Ebeling dreht sich dieses Buch um Fragen von Macht und um die Verbindung zwischen Politik und Privatleben. Die Präzision, mit der die Autorin nicht nur von diesen Themen erzählt, sondern auch von der Herausforderung, die die Arbeit am Internationalen Gerichtshof darstellen kann, beeindruckt sie sehr.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.10.2022

Mit viel Lob bespricht Rezensentin Meike Feßmann den sechsten Roman von Katie Kitamura, der die Geschichte einer Dolmetscherin erzählt, die dem Prozess gegen einen westafrikanischen Ex-Diktator beiwohnt. Schon wie Kitamura hier Privates und Gesellschaftspolitisches miteinander verknüpft, findet Fessmann beeindruckend: Jene Dolmetscherin, ein eher unsichtbarer Typ, hat eine Affäre mit Adriaan, der ebenfalls in den Prozess eingebunden ist - und zu dem sie in ein "demütigendes Unterordnungsverhältnis" gerät, resümiert die Rezensentin. Vor allem bewundert sie, wie Kitamura die sprachlichen Suchbewegungen der Dolmetscherin insbesondere während des Prozesses anlegt. Feßmann fühlt sich an Rachel Cusk erinnert, an Siri Hustvedt, aber auch an Hannah Arendts "Banalität des Bösen" - für sie ist dieser Roman offenbar ein Ereignis.

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