Affenliebe

Carl Hanser Verlag, München 2026
ISBN
9783446284531
Gebunden, 288 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Sie trauern und sie furzen, sie lachen und sie ärgern sich, sie wollen möglichst viel Lust und Geborgenheit und starren dann wieder vor sich hin: die Menschen - nein, die Menschenaffen. Jahrelang hat die Lyrikerin Lara Rüter in einem Primatenforschungsinstitut gearbeitet. In ihrem Text erzählt sie radikal von den Affen und von sich selbst: von Lebensanfängen und vom Sterben, von Freiheitsdrang und Berührung. Im Alltag mit den Affen drängt sich immer wieder dieselbe Frage auf: Wie fühlt es sich an, ein Mensch zu sein? Schwebend vor Gedichtzitaten, Wissenschaftsfragen und Momenten am Gehege zeigt dieser Essay, wie Schreiben die Welt verändert.
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Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.06.2026
Der Menschenaffe ist uns Menschen so ähnlich und doch gibt es eine entscheidende kommunikative Leerstelle, lernt Rezensent Paul Jandl von Lara Rüter: Affen können keine Zeigegesten machen und "ohne Da!-Sagen" keine bedeutende Sprache schaffen. Rüter ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Leipziger Zoo, weiß Jandl, ihre Arbeit mit den Affen dort verknüpft sie in diesem ansprechenden Essay mit dem Nachdenken über Kommunikation überhaupt. Sie darf die Tiere nicht berühren, lesen wir, das könnte die Forschungsergebnisse verfälschen, das wiederum regt sie an, mit "leichthändiger Subjektivität" über die Unfähigkeit der Menschen nachzudenken, sich wirklich zu berühren, lesen wir. Der Kritiker ist begeistert davon, wie sie Beobachtungen der Affen, zum Beispiel ihres Sozialverhaltens, mit der menschlichen Erfahrung verwebt, mit ihren kommunikativen Hemmungen den Dingen, über die wir nicht reden können, vom Tod ihrer Mutter bis zu ihrer Abtreibung. Diese Mischung aus naturkundlichen, anthropologischen biografischen und literarischen Aspekten, gespickt mit Zitaten von Kafka und Dickinson weiß den Kritiker mit ihrer aufmerksamen, tastenden Sprache zu überzeugen.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 09.05.2026
Die Lyrikerin und Essayistin Lara Rüter hat fünf Jahre lang zu Affen geforscht und ihre Betrachtungen in einen anspielungsreichen, poetischen Text verwandelt, Kritikerin Marielle Kreienborg geht mit ihr der Frage nach, was Mensch und Affe verbindet - und auch trennt. Immer im Verhältnis zu den Affen erzähle Rüter auch von sich, von ihrer sterbenden Mutter, von einem Schwangerschaftsabbruch. Affen und Menschen sind ihrer Ansicht nach Cousinen, "wie Rührung und Berührung", eine Sicht, die Kreienborg sehr überzeugt. Die Autorin erschafft ihr zufolge mit diesem Text einen Raum, in dem verschiedene Ansichten koexistieren können, in dem die "Affenliebe" sprachlich und emotional eingehegt wird und Affen wie Menschen angesprochen werden.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 31.03.2026
Eine "literarische und intellektuelle Glanzleistung" sieht Rezensentin Meike Feßmann in diesem erzählenden Essay der deutschen Lyrikerin. Darin erzählt sie von ihrem fünfjährigen Arbeitsaufenthalt im Leipziger Primatenforschungsinstitut und versucht sich dabei an einer Sprache, die sich den Affen annähert, ohne diese zu vermenschlichen, erklärt die Kritikerin. Es sind Porträts von Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans und Bonobos, von denen Feßmann hier lesen kann. In der überaus gelungenen und eigensinnigen Verwebung von Affenporträts und Überlegungen zur eigenen Biografie sieht die Rezensentin eine Erprobung des Essays als urteilslosen Raum, die sie unter anderem an die Texte von Kate Zambreno, Maggie Nelson und Sheila Heti denken lässt. Ein sagenhaftes Buch, jubelt Feßmann.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.03.2026
Rezensentin Marie Schmidt freut sich besonders über die Debüts einer Saison - vor allem wenn sie so vielversprechend sind wie in diesem Frühjahr. Existenziell und sehr körperlich geht es da zu, die Debütantinnen spielen mit den Genres und Formen und lassen die Gegenwart im Hintergrund anklingen, bemerkt die Kritikerin. Besonders sticht laut Rezensentin das Buch "Affenliebe" von Lara Rüter hervor, die im Leipziger Zoo Primatenforschung betrieb und in ihrem Text immer wieder eigenes Sozialverhalten mit jenem der Tiere spiegelt. So sinniert Rüter in Form eines Essays über Abtreibung, Suche nach dem leiblichen Vater oder die Rolle der Frau in der Gesellschaft, versteigt sich aber nie zu "übergriffigen Analogien", atmet die Kritikerin auf. Mit Blick auf Initimität und Beziehungsreichtum dieses Textes scheut Schmidt den Vergleich mit Maggie Nelson oder Annie Ernaux nicht.