Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Afghanistan und Libyen sind der Öffentlichkeit maßgeblich als (Bürger-)Kriegsländer in Erinnerung. Untrennbar verbunden sind damit aber auch jene militärischen Interventionen des Nordatlantikbündnisses, die für eine Entwicklung der Nato vom Verteidigungsbündnis hin zur transatlantischen Interventionsstreitmacht stehen. Gleichermaßen markieren sie prototypisch die Fortentwicklung eines völkerrechtlichen Vertrages in seiner Handhabung fernab des Vertragstextes. Losgelöst vom Gründungsvertrag ist die Nato neuen Zwecken dienstbar gemacht worden, ohne dass sich diese "Umwidmung" in einer förmlichen Vertragsänderung niedergeschlagen hätte. Ausgehend von diesem Befund widmet sich die Arbeit der zentralen Fragestellung, in welchem Rahmen und unter welchen Voraussetzungen militärische Maßnahmen eines Verteidigungsbündnisses wie der Nato als rechtmäßig i.S.d. Völkerrechts anzusehen sind und wie weit der NATO-Vertrag als ein völkerrechtlicher Vertrag ausgelegt bzw. "fortgebildet" werden darf.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2020
Claus Kreß ist nicht von den Socken angesichts der Arbeit von Lennart Taschenbrecker. Was der Autor in seinem Buch über die Prinzipien der Vereinten Nationen und die diesen laut Taschenbrecker widersprechenden Nato-Einsätze der jüngeren Zeit vorbringt, ist für Kreß weder neu noch bietet der Autor wirklich überzeugende Argumente. Als Zusammenfassung völkerrechtlicher Überlegungen zur Nato-Praxis taugt der Band laut Kreß, "Begründungstiefe" aber lässt der Autor vermissen und bietet eher Behauptungen als diskursive Entfaltung der Argumente, meint er.
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