In der Krise von 1989/90 boten die Verhandlungen über den Vertrag von Maastricht beste Voraussetzungen für einen europäischen Verfassungsmoment. Doch die öffentliche Debatte blieb fragmentiert und an nationalen Interessen ausgerichtet - nicht zuletzt wegen des zwischenstaatlichen Verfahrens, das dem diplomatischen Kontext größeren Nachrichtenwert verlieh als dem konstitutionellen Inhalt der Reform. Mit einer detaillierten Untersuchung der deutschen, französischen und britischen Pressedebatte gibt dieses Buch empirische Einblicke in eine Schlüsselphase der EU-Integration. Zudem bietet es eine analytische Neuvermessung der Voraussetzungen europäischer Öffentlichkeit sowie des Verhältnisses zwischen politischen Verfahren und Diskursstrukturen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.05.2021
Rezensent Michael Stabenow liest Manuel Müllers Rückschau auf die Presse und ihre Rolle während des europäischen Einigungsprozesses mit Interesse. Ob die von Müller untersuchten Publikationen von SZ, F.A.Z., Le Monde, Le Figaro, The Times und The Guardian damals einen "Integrationsschub" erkannten oder gar dazu beigetragen haben, erörtert der Autor laut Stabenow akribisch und anschaulich. Auch die Motive von Kohl, Thatcher, Mitterrand und John Major legt er verständlich dar, meint der Rezensent. Gelegentliche Satzungetüme verzeiht er dem Autor großzügig.
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