Im Zuge der vor einigen Jahren wieder entbrannten Diskussion um die Willensfreiheit wird oft befürchtet, Verantwortung wäre unmöglich, wenn es keinen freien Willen gäbe. Dabei bleibt in der Regel jedoch ungeklärt, was es eigentlich bedeutet, verantwortlich zu sein. Hier versucht das Buch mit einer Analyse der Konzepte individueller Verantwortung Abhilfe zu schaffen. Es stellt sich heraus, dass nicht die Zuschreibung von Verantwortung, wohl aber die Zurechnung von Schuld von der Unmöglichkeit eines im anspruchsvollen Sinne freien Willens betroffen ist. Mit der Begründbarkeit von Schuld fällt auch die Möglichkeit, Strafe zu rechtfertigen. Weil sich aber jede Gesellschaft vor Normverletzungen schützen muss, wird eine Theorie der Verantwortungsintervention entwickelt, die dem Charakter nach konsequenzialistisch und im Detail aus der Notwehr abgeleitet ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2011
Nein, nein, so geht?s nicht, meint Winfried Hassemer etwas weitschweifig angesichts einer Arbeit von Marco Stier, die sich ausgehend von deterministischen Vorstellungen an Begrifflichkeiten, wie Freiheit, Verantwortung, Recht und Strafe abarbeitet. Dem Rezensenten ist das zu begriffsanalytisch konzentriert, um nicht zu sagen autistisch. Ein bisschen mehr Interesse für die Einzelheiten der Freiheitsphilosophie, bittesehr, und vor allem an der Welt als alltägliche Praxis, so wie es der Autor im letzten Kapitel denn auch vormacht. Das wäre schön gewesen, damit Hassemer nicht nur ungefähr und mehr erschöpft denn überzeugt sein Okay hätte geben können.
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