Maren Kames

Hasenprosa

Roman
Cover: Hasenprosa
Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783518431689
Gebunden, 182 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

"Wenn das alles gewesen ist, ziehe ich aus!", ruft da eine und macht sich in ihren Meilenstiefeln, ihren Reisesocken davon. Auf der Rückbank: ein Hase. Es geht einmal quer durch die Zeit, die Zeitalter und hinaus, ins knalldunkle All. Im Strichflieger durch den Himmel und die Erinnerung: an zwei Großmütter, eine helle, eine dunkle, eine heile, eine wunde. Einen Großvater, seine furchigen Hände. Einen Bruder und seinen Baum. An rasende Träume, krumme Märchen und einen Purple Rain.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.07.2024

Mit "Hasenprosa" hat Maren Kames ein die Leserinnen mit Absicht vollkommen überforderndes Stück stark lyrischer Prosa geschrieben, befindet Rezensent Carsten Otte. Der titelgebende Hase ist in den abenteuerlichen Szenen, die Kames schildert, meistens dabei. Mehr als an "Alice im Wunderland" erinnere dieses Buch allerdings an die ähnlich antirealistische Literatur Friederike Mayröckers: Auch bei Kames herrschen Otte zufolge Klangmalerei und Neologismus vor, und die Regeln der Grammatik werden zugunsten einer "rätselhaften Kunstsprache" missachtet. Als wiederkehrende inhaltliche Referenz kann der Rezensent einerseits eine biografische Erzählschicht erkennen, bei der es um die Großeltern des "Ich" geht, andererseits Kommentare zu den die europäische Politik derzeit bestimmenden Kriegen. Das ist anstrengend zu lesen, aber die Mühe wert, versichert Otte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.07.2024

Endlich mal wieder etwas Erfrischendes in diesem konsensuellen, nichts wagenden Literaturbetrieb! So freut sich Rezensent Paul Jandl über Maren Kames erstes Suhrkamp-Buch. Musikalität und guter Humor investiert die Autorin laut Jandl in diesen "atemlosen" Roman, eine Coming-of-Age-Geschichte mit unterschwelligen popkulturgeschichtlichen Vibrationen, die den Rezensenten obendrein an "Alice im Wunderland" und die Lyrik Friederike Mayröckers erinnert. Kames erzählt von ihrem Aufwachsen, führt dabei in die Sprach-, Ding- und Kulturwelt der Westrepublik ein, Jandl steigt hinab in mittelhessische Partykeller, den Geschmack von Schichtsalat in der Nase, und hört Prince mit. Besonders gefällt ihm, wie sich hier Privates und künstlerische Erfahrungen "wie von selbst" vermischen. Und er erkennt auch eine übergeordnete Ebene in Kames' Schreiben, die die "Diskursformen der Gegenwart" reflektiert. Die Ich-Erzählerin Maren blickt von außen auf sich selbst und fragt sich, was sie hier denn eigentlich schreibt, ist das jetzt Autofiktion? Jandl ist jedenfalls begeistert.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.04.2024

Rezensent David Hugendick würde am liebsten Maren Kames' gesamtes Buch zitieren, das jede Menge großartige Wortschöpfungen enthält, zum Beispiel "Rumpelpotenz" und "Sowiesobedarf". Eine Geschichte enthält es zwar auch, aber die ist nicht wichtig, versichert er, wichtig ist nur, dass stets etwas los ist mit der Erzählerin, die, zumeist an der Seite eines Hasen, durch Zeit und Raum schlendert, mal hier, mal da anhält, bei der Oma auf dem Sofa oder tief im Meer. Kames lässt sich in erster Linie in der Sprache treiben und immer wieder von einzelnen Worten faszinieren, lobt Hugendick, wenn der an Friederike Mayröcker geschulte Sprachfluss doch mal ins Stocken gerate, brächten ihn Fotografien wieder in Schwung. Eine einzige Freude ist das für den Rezensenten, der sich auch an kleinen linguistischen Durchhängern nicht stört, weil um die nächste Ecke gleich wieder die nächste Sprachidee lauert, oder Lionel Messi oder auch Adorno. Nimm das, lahmer literarischer Realismus dieses Landes, schließt Hugendick, dem dieses Buch zeigt, wie Literatur auch geht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.03.2024

In Maren Kames' neuem Buch braucht es sowas wie eine klassische Romanhandlung gar nicht, findet der begeisterte Rezensent Andreas Platthaus: Die Protagonistin heißt nicht zufällig auch Maren, das Buch bewegt sich, wie Platthaus aus dem Text zitiert, zwischen "Penetranzen und Hyperpräsenzen von Biografie und Autofiktion". Auf experimentell-anregende Art verknüpfe Kames fantastische Elemente wie eine Weltraumreise mit einem Alice-im-Wunderland-artigen Hasen mit "Liebeserklärungen" an Friederike Mayröcker und sogar Fotos, freut sich der Kritiker über dieses spannende Buch. "Riesenspaß ist garantiert", schließt er.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 19.03.2024

Maren Kames' Hasenstory mag an Alice im Wunderland erinnern, aber vor allem stand hier Friederike Mayröcker Pate, erkennt Rezensent Tobias Lehmkuhl. Denn genau wie Mayröcker geht es Kames, bekannt für ihre Texte, die Lyrik, Drama, Drehbuch und Songs mixen, weniger um Handlung als um Sound, fährt der Kritiker fort, der sich davon offenbar gern mitreißen lässt. Und so gleitet er zunächst durch den Bilderfluss, freut sich an Kames' Sprachlust und schmunzelt über manchen Kalauer - bis er doch so etwas wie einen Plot entdeckt: Kames, hier auch als Erzählerin auftretend, sinniert an der Seite eines Hasen über ihre Großmutter, über Mayröcker, ein wenig auch über den Ukrainekrieg. Ganz klar wird nicht, wohin die Reise geht. Macht aber auch nichts, denn diese "wild wuchernde Prosa" möchte ohnehin nicht von der Gegenwart gestört werden, schließt Lehmkuhl.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 15.03.2024

Maren Kames versucht in ihrem dritten Buch viel Verschiedenes und durchaus Disparates "unter einen Hut zu bringen", erkennt Rezensent Nico Bleutge: Kunstformen, Genres, Stile, Verweise, philosophische Diskurse, politische Exkurse, poetologische Überlegungen, Sinnvolles wie Unsinnvolles - Hauptsache kein Realismus, wie sie selbst bzw. ihre Sprecherin an einer Stelle es ausdrückt. Ihr Ziel, so Bleutge: Durch den Hut hindurch, über den Hintereingang sozusagen zur Wirklichkeit finden. Auf der Suche nach diesem Zugang zur Wirklichkeit, (beg-)leitet sie ein Tier, das sich die Sprecherin erdenkt: einen Hasen, der mal wilde Haken schlägt, mal ruhig verweilt, und äußert gerne redet - am liebsten in "Metasprache". Aus dieser Konstellation ergeben sich einige durchaus witzige Unterhaltungen zwischen Hase und Sprecherin. Und wenn das Tier die Menschin ihre eigene Familiengeschichte erkunden lässt, dann hat Bleutge daran - vor allem an den berührenden Porträts der Großeltern - großes Vergnügen. Und doch scheint es dem Rezensenten mitunter, als habe die Autorin vielleicht zu viel gewollt, oder besser gesagt: zu vieles unter ihrem literarischen Hut zusammenzubringen versucht, was vielleicht einfach nicht "zusammengeht", auch nicht in einem Zauberhut, so der abwägende Rezensent.

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