Marie-Jose Mondzain

Können Bilder töten?

Cover: Können Bilder töten?
Diaphanes Verlag, Zürich - Berlin 2006
ISBN 9783935300780
Broschiert, 64 Seiten, 9,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Ronald Vouille. Wer wollte heutzutage leugnen, dass Bilder als Machtinstrumente eingesetzt werden. Karikaturenstreit, Folterfotos, Videobotschaften, die Endlosschleifen der Fernsehbilder des 11. September, Ballerspiele... Rund um die Uhr berieselt uns das Fernsehen mit Schreckensbildern und Gewaltdarstellungen in jeder Form, die uns abstumpfen, aber auch - so die populäre Ansicht - für die wachsende Gewalt unserer Gesellschaften mitverantwortlich sind. Marie-Jose Mondzain drängt uns zum Ausgang aus der resignierten Gleichgültigkeit gegenüber den Bildern. Anstatt jedoch die Gewalt des Bildes selbst anzuprangern und zu einem Verbot bestimmter Bilder aufzufordern, fragt sie nach der Geschichtlichkeit von Bildern der Gewalt und danach, ob es denn wirklich das Bild selbst ist, das Gewaltexzesse provoziert. Wie sie zeigt, ist es gerade das Bild, welches das Christentum in den zwanzig Jahrhunderten seines Bestehens begründet und bis ins letzte durchdekliniert hat: "Die Passion Christi, und das ist zugleich die Passion des Bildes, hat sich im Bild der Passion abgespielt." Ein Plädoyer gegen unhinterfragte Sehverbote und ein Anstoß zum bewussten Umgang mit den Bildern.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.01.2007

Sehr begrüßenswert findet Rezensent Peter Geimer den Ansatz der Autorin. Mit der längst zum Klischee neuerer Medientheorie gewordenen pauschalen Bildkritik will sie sehr grundsätzlich aufräumen, erklärt Geimer und stellt ihre Thesen vor: Bilder der Gewalt machen keineswegs von sich aus gewalttätig - so wenig im übrigen, wie Heiligenbilder von sich aus fromm machen. Vielmehr gehe es darum, Bilder überhaupt sehen zu lernen, als das, was sie sind. Und dafür müsse man sie als "Bildschirm" im doppelten Sinne begreifen: Als Schirm, der Bilder gibt, aber auch als etwas, das abschirmt. Mondzain spreche, im Rückgriff auf christliche Bildtheorien, von der "Inkarnation" des Gegenstands durchs Bild. Dies alles scheint dem Rezensenten, wie gesagt, gar nicht verkehrt. Er bedauert nur, dass viele interessante und anregende Gedanken auf dem knappen Raum des Essays nicht zu Ende gebracht werden.
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