Übersetzt, mit einer Einleitung und Anmerkungen von Hans G. Zekl. Von der Hochzeit der Philologia mit Merkur, diesem einstmals kanonischen Text der abendländischen Bildungsgeschichte, gibt es bislang keine vollständige Übersetzung ins Deutsche. Angesichts der diffizilen Besonderheiten der Darstellungsweise seines Autors, Martianus Capella, in Semantik, Syntax und Stil ist es verständlich, dass dieses extravagante Latein seit Beginn der Neuzeit fast ausschließlich Gegenstand philologischer Textkonstitution und -interpretation blieb. Das bedeutet in heutiger Zeit die gründliche Verschlossenheit des in dem Werk ausführlich entfalteten, klassisch gewordenen didaktischen Kanons der VII artes liberales vor einer breiteren, an der Geschichte und Theorie von Bildung interessierten Leserschaft. Die hier vorgelegte Übersetzung will diesem Desiderat abhelfen. Es ist darin der Versuch gemacht, diese Texte aus wahrscheinlich dem 5. Jh. n. Chr. in ihrer Buntheit und Vielfalt für Leser des 21.Jh. aufzuschließen. In der Einleitung sind Ansätze dazu gemacht, das breit angelegte Unternehmen unter wissenschafts-systematischen Gesichtspunkten einzufangen und über Fächerkanon und Wissenschaftsbegriff von einst im Kontrast zur Gegenwart zu reflektieren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.03.2006
Albert von Schirnding gesteht seine Ahnungslosigkeit: Von Martianus Capella hat er nie gehört. Ein Jammer, denn das vorliegende, um 410 entstandene Kompendium der sieben "artes liberales" hat bei ihm Eindruck gemacht. "Originalität und Witz" findet Schirnding indes vor allem in der "romanhaften Einkleidung des spröden Wissensstoffes", in der Geschichte von Merkur und Philologia. Daneben macht ihm die selbst auf den trockeneren Partien des Lehrvortrags blühende Allegorese Spaß (die Wissenschaft ist eine Frau!). Gegenüber allen bloß textkritisch kommentierenden Annäherungen an das Werk möchte Schirnding den Übersetzer, Anmerker und Einleiter Günter Zekl gern hervorheben: Wer dem modernen Leser solchen Dienst erweist, der ist ein mutiger "Rittersmann seines Faches".
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