Tim Schanetzky

Politik der politischen Bildung

Das Ringen um die Demokratisierung der Deutschen seit 1945
Cover: Politik der politischen Bildung
Wallstein Verlag, Göttingen 2025
ISBN 9783835359314
Broschiert, 252 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Gefährdung der Demokratie als Bildungsproblem: Die lange Vorgeschichte des aktuellen Streits um die politische Bildung. Mit dem Aufstieg des Rechtspopulismus rückte politische Bildung wieder in den Blickpunkt der Politik. Im aktuellen Streit um milliardenschwere Förderprogramme gerät aber leicht in Vergessenheit, dass schon seit 1945 um die Demokratisierung der Deutschen gerungen wird. Der Streit begann mit der alliierten Reeducation, erlebte im Kalten Krieg einen ersten Höhepunkt, gehörte zu den Schauplätzen von "Achtundsechzig" wie der politischen Tendenzwende und setzt sich fort bis in die Gegenwart. Tim Schanetzky zeichnet die langen Linien dieser Auseinandersetzung nach und rückt die Bundeszentrale für politische Bildung ins Zentrum. Dort wird deutlich, wie stark sich die Vorstellungen von der Demokratie veränderten, welche Gefahren wahrgenommen und worin die Antworten gesehen wurden. Gerade das schwindende Krisenbewusstsein stürzte die politische Bildung dann in eine jahrzehntelange Dauerkrise. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.12.2025

Für Rezensentin Isabell Trommer ist das Buch des Historikers Tim Schanetzky eine Demokratiegeschichte. Im Buch geht es um die Entwicklung der Demokratie in Deutschland nach 1945, den Begriff davon und die Auseinandersetzungen darum, erklärt Trommer. Wie politische Bildung nach '45 institutionalisiert wurde und mit welchen Fährnissen man es dabei zu tun hatte (Stichwort: Nazi-Seilschaften), beschreibt der Autor laut Trommer auf lesenswerte Weise in fünf Phasen, denen allesamt das Wanken zwischen Hoffnung und Enttäuschung eignet. Wenn der Autor in der Gegenwart ankommt, entdeckt Trommer allerdings eine Lücke. Ab 1990 wird die Darstellung "dünn". Die Lehre, dass die politische Bildung und ihre Institutionen zu schützen seien, vernimmt Trommer jedoch klar und deutlich. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.10.2025

Tim Schanetzky legt hier Rezensent Tobias Schrörs zufolge eine insgesamt starke Studie zur politischen Bildung in Deutschland vor und zwar anhand der Geschichte der Bundeszentrale für politische Bildung. Wobei das Buch schon vorher einsetzt, mit der Reeducation durch die Alliierten ab 1945, von der sich die Arbeit der Zentrale später absetzte. Unter anderem, weil im Zentrum der Arbeit zunächst nicht die Aufarbeitung der NS-Zeit stand, sondern der Kampf gegen Kommunisten, mit Blick auf die Systemkonkurrenz zur DDR. In fünf Phasen unterteilt Schanetzky die Geschichte der Bundeszentrale, so Schrörs. Die letzte Phase, mit der sich der Kritiker etwas ausführlicher beschäftigt, beginnt im Jahr 2014 und wird durch steigende Budgets und das Programm "Demokratie leben" dominiert. Entlang der Lektüre zeichnet der Rezensent nach, wie die Bundeszentrale sich seit 2014 selbst wieder stärker politisch positioniert, was ihr Kritik unter anderem von Seiten der Unionsparteien eingebracht hat. Schanetzky verteidige die Zentrale gegen solche Kritik, wobei er schon auch einräumt, dass auch linke Stimmen dazu beigetragen haben, die Zentrale zum Akteur in Kulturkämpfen zu machen. Ganz unparteiisch ist der selbst dem linken Lager zuzurechnende Autor nicht, resümiert Schrörs, dennoch fällt das Fazit der Besprechung positiv aus.

Beliebte Bücher

Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…