In seinen skeptischen Denkbewegungen, mit denen er die Tradition Aby Warburgs neu begründete, gehörte der Kunst- und Kulturhistoriker Martin Warnke zu den intellektuell prägenden Figuren der späteren Bundesrepublik. Matthias Bormuth widmet ihm einen groß angelegten biografischen Essay. Schon Warnkes Berichte über den "Auschwitz-Prozess" zeigten, dass der junge Rubens-Forscher nicht nur über das Verhüllende in der Kunst nachdachte. Als umstrittener Aufklärer pochte er auf Individuum und Autonomie der Kunst und las Karl Marx gegen den Strich, die Hofkünstler Velázquez und Goya erscheinen bei ihm als geniale Zeugen einer prekären Wirklichkeit, die sie vieldeutig enthüllen. Seine Schriften und Lebensspuren offenbaren eine Dynamik, deren persönlicher Kern ein vielschichtiges Rätsel bleibt: Auch der Wissenschaftler lebt von der Kunst des Verbergens, die zugleich herausfordert, implizite Botschaften zu erkennen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2023
Rezensent und Kunsthistoriker Stefan Trinks preist Matthias Bormuths Biografie über den Kunsthistoriker Martin Warnke. Denn eindrücklich arbeite der Ideenhistoriker Warnkes besondere Relevanz im Kontext der Geistesgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts heraus. So habe sich der 1937 im brasilianischen Ijuí geborene Denker trotz großen "alteuropäischen Wissens" stets neben altehrwürdiger Hochkultur auch mit vermeintlich banalen lebensweltlichen Phänomen wie der Couchecke beschäftigt; mit Aby Warburg als Vorbild, so Trinks. Auch Warnkes starke Skepsis gegenüber Massenmeinungen trete aus Bormuths Darstellung deutlich hervor - als "Kurzschluss-Verweigerer" befriedigte er mit seinen Büchern oft nicht die Erwartungen. Auch aus seiner "politischen Ikonografie", mit der er bekannt wurde, spreche stets eine Neigung zur Pragmatik, abseits des "bloß" Künstlerischen, erklärt Trinks. Eine "enorm bereichernde" Biografie, die der Leserschaft einen der "klügsten deutschen Köpfe" nahebringt, lobt der Kritiker.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…