Aus dem Französischen von Andrea Spingler. In Coca, einer Stadt im fiktiven Kalifornien, soll am Anfang unseres Jahrtausends eine enorme Brücke entstehen, mit der die letzte Kluft zwischen der westlichen Zivilisation und dem Rest an unberührter Kultur überwunden werden soll. Menschen aus allen Teilen des Erdballs strömen an diese gigantische Baustelle. Auf diese Weise bildet sich ein menschlicher Schmelztigel unbekannten Ausmaßes. In diesem Zusammenprall der Kulturen werden Kräfte ungeahnten Ausmaßes freigesetzt: Die Brücke von Coca registriert anhand der Stationen der Fertigstellung dieses Menschheitsdenkmals detailliert die Tricks der großen und kleinen Politik, die Passionen und Leiden, Verbrechen und Amouren beim Zusammentreffen der Kulturen: eine andere kosmopolitische Generation entsteht unter schmerzhaften Kämpfen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2012
Maylis de Kerangals Roman ist eine gelungene Bestandsaufnahme der Gegenwart, findet Rezensent Niklas Bender. Die Gegenwart, die gemeint ist, ist eine ziemlich umtriebige, produktive und undurchsichtige. Es geht in "Die Brücke von Coca" um eines jener riesigen Bauvorhaben, die wie wenig anderes für den Fortschritt stehen, denen hierzulande aber immer größere Skepsis entgegengebracht wird, jedenfalls so lange sie hier realisiert werden sollen, fasst der Rezensent zusammen. Kerangal hat sich entschieden, sich der "exemplarischen Methode" zu bedienen, berichtet Bender. Die Figuren repräsentieren zahlreiche Berufsgruppen, Ethnien, persönliche Hintergründe; die Handlung greift sich beispielhafte Episoden des Brückenbaus heraus, von der Planung bis zur Fertigstellung. Der Gefahr, dass die einzelnen Elemente dadurch zu rein strukturellen Momenten verkommen, kann die Autorin entgehen, findet der Rezensent. Die Mischung aus gesellschaftlicher Metapher und mitreißender Erzählung findet Bender so gut gelungen, dass er sich schon auf weitere Romane der französischen Autorin freut.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.05.2012
Die Autorin zwischen Männerfantasien a la Beigbeder und Houellebecq und den provokanten französischen Erotikerinnen einzuordnen, versucht Rezensent Hans-Peter Kunisch gar nicht erst. Dieser Autorin, versichert er, geht es um etwas anderes, um Gegenwart nämlich und wie sie sich in die Köpfe und Körper der Menschen einschreibt. Maylis de Kerangal, erläutert Kunisch zeigt das anhand der Sprache ihrer Figuren, ihres Vokabulars und ihrer Rhythmik. Genau wie das Filmische, das Temporeiche und Geraffte von Kerangals Stil erinnert es Kunisch an amerikanische Erzählweisen. Die Gegenwart und wie die Lebensbedingungen ihre Spuren in den Menschen hinterlassen, vermag die Autorin dem Rezensenten auf die Art sichtbar zu machen.
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