Dreißig Jahre ist Deutschland mittlerweile wieder eins, aber vereint ist es noch nicht. Der Literaturkritiker Michael Hametner unternimmt daher einen Streifzug durch die an Missverständnissen reiche Geschichte der deutschen Einheit in Literatur und Bildender Kunst. Dabei hat er viele trennende Geschichten gefunden. Sie sollen dem Glücksfall der deutschen Einheit nicht widersprechen. Aber ein Beitritt ist nun mal keine Einigung. Oft liegen Ursachen für das Uneinssein in den ersten Jahren der deutschen Einheit. Ob deutsch-deutscher Literatur- und Bilderstreit oder verunglückte "Vereinigungen" von Künstlerverbänden und Akademien: Viele Beispiele zeigen, wo Ostdeutschen Wunden geschlagen wurden, die noch immer nicht verheilt sind. Auf der Suche nach Gerechtigkeit bei der Deutschen Einheit geht der Autor fünf prominent besetzten "Störfällen" in der Literaturszene seit 1990 nach, betrachtet die Ausstellungen, an denen Ex-DDR-Künstler beteiligt waren und fragt, warum es immer noch keinen gemeinsamen Kanon deutscher Kunst gibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2021
Rezensent Jan Wiele kommt nicht klar mit Michael Hametners Klage, die "ostdeutsche" Literatur werde marginalisiert und vergessen. Was ist mit den zahlreichen erfolgreichen Autoren aus dem Osten, Ingo Schulze, Judith Schalansky?, fragt Wiele sich. Für den Autor sind das nur Ausnahmen, stellt Wiele irrititiert fest, hütet sich aber, Hametners Provokation aufzunehmen und als Wessi-Feuilletonist womöglich in die vom Autor gestellte Falle zu tappen. Stattdessen versucht Wiele, das Sentiment dahinter zu verstehen. An seine Grenzen stößt er dabei, weil der Autor ost- und westdeutsche Autoren und Kritiker nicht geografisch, sondern ideologisch unterscheidet, wie Wiele glaubt, und weil er Schriftsteller und Künstler pauschal als "ostdeutsch" kategorisiert, die dieser Einteilung womöglich gar nicht zustimmen würden, wie Wiele vermutet.
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