Michael Lichtwarck-Aschoff

Robert Kochs Affe

Der grandiose Irrtum des berühmten Seuchenarztes
Cover: Robert Kochs Affe
Hirzel Verlag, Stuttgart 2021
ISBN 9783777629179
Gebunden, 284 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Vom dunkelsten Fleck auf der Weste des Robert Koch. In der Corona-Krise ist sein Name in aller Munde: Robert Koch gilt als eine der Lichtgestalten der deutschen Medizingeschichte. Die Expedition indes, die er 1906 ins "Schutzgebiet" Deutsch-Ostafrika unternimmt, bezeichnet auch das nach ihm benannte Institut als dunkelstes Kapitel in Kochs Geschichte. Lichtwarck-Aschoffs beklemmendes Buch zeigt, wie der Nobelpreisträger medizinische Versuche an Menschen durchführt, die an der durch die Tsetsefliege übertragenen Schlafkrankheit leiden, und die Internierung Kranker in Lagern empfiehlt. Ziel ist, die Arbeitskraft der gesunden Kolonisierten zu erhalten - und sei es um den Preis, dass die Infizierten durch seine Experimente Schaden an Leib und Seele nehmen oder gar den Tod finden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.08.2021

Rezensent Jörg Häntzschel hat ein bisschen die Befürchtung, die Querdenker und Impfgegner könnten sich Michael Lichtwarck-Aschoffs Roman aneignen, weil darin am Ende naiv für den Menschen als Nährboden für Bazillen geschwärmt wird. Dabei wünscht Häntzschel dem Buch möglichst viele Leser. Die mitunter allzu "dekorative" Erzählweise steckt er weg angesichts so vieler interessanter, hochaktueller Themen und Motive: Biopolitik, Quarantäne, Hygieneregeln, Verschwörungstheorien kommen in Lichtwarck-Aschoffs episodischer Darstellung des Lebens von Robert Koch vor, erklärt Häntzschel. Daneben begeistern den Rezensenten vor allem die weniger bekannten beziehungsweise spekulativen Momente in dieser fiktionalen Mediziner-Biografie.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 19.06.2021

Marianna Lieder kann nicht umhin, Michael Lichtwarck-Aschoffs Roman - oder literarisches Sachbuch, wie der Verlag es nennt -  über Robert Koch und seine Zeit als Pandemie-Kommentar zu lesen. Dass man dem Autor damit nicht gerecht wird, räumt die Rezensentin allerdings auch ein, schließlich hat er das Buch bereits vor vier Jahren begonnen. Zu erfahren ist denn auch weniger über Corona als über die Typhusseuche um 1900, über Kochs Kampf dagegen, die Rolle des Geliermittels Agar-Agar dabei und damalige Superspreader. Wie der Autor Wissenschafts-, Zeitgeschichte, Kochs Biografie und Mythos behandelt, bisweilen entzaubernd und medizinhistorisch anspruchsvoll, aber stets unterhaltsam, scheint Lieder lesenswert. Nicht verschwiegen wird dabei das finsterste Kapitel in Robert Kochs Biografie, seine Menschenversuche in Afrika zur Erforschung der Schlafkrankheit - Erblindungen und Todesfälle nahm Koch dabei in Kauf, so die Rezensentin.

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