Aus dem Französischen von Andrea Hemminger. Michel Foucaults Vorlesungen am Collège de France aus den Jahren 1980 und 1981 markieren einen Wendepunkt in seinem Werk und leiten über zu seinen beiden letzten großen Werken "Der Gebrauch der Lüste" und "Die Sorge um sich". Die antike Lebenskunst und Ethik tritt nun ganz in den Fokus der Analyse, mit dem Ziel einer Genealogie der Sexualmoral der Gegenwart.
Schon im griechischen Denken beginnt sich eine Einteilung der Geschlechter nach Aktivität und Passivität zu etablieren, und bereits im Stoizismus des römischen Kaiserreichs entwickelt sich ein Modell der Ehe, das auf lebenslanger Treue basiert, sowie eine Disqualifikation der Homosexualität, jedoch integriert in eine umfassende Lebenskunst. Erst das Christentum transformiert diese Formen der Subjektivität und Sexualität zu Objekten des Wissens und einer Moral, die uns bis heute prägt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.11.2016
Foucault selbst wäre wohl nicht mit diesem Band zufrieden gewesen, verbat er sich doch die Publikation von Manuskripten seiner Vorlesungen, informiert Rezensentin Petra Gehring. Und doch scheint die Kritikerin die nun unter dem Titel "Subjektivität und Wahrheit" erschienene Vorlesung von 1980/81 zu großen Teilen mit Gewinn gelesen zu haben: Sie entdeckt hier Korrespondenzen zu "Die Sorge um sich", dem dritten Band von Foucaults "Geschichte der Wahrheit", etwa wenn der Autor untersucht, wie in verschiedenen Epochen der europäischen Geschichte körperliche Beziehungen durch Sittengrenzen geformt werden, so Gehring. Insbesondere vermittelt der Band der Kritikerin Einblicke in das reichhaltige Material, das Foucault sichtete, um Überlegungen seiner Herkunftsgeschichte des europäischen "Selbst" in der römischen Spätantike zu überprüfen. Viele der "gelehrten" Details richten sich primär an Spezialisten, warnt die Rezensentin vor, die mit der deutschen Übersetzung ihre Probleme hatte.
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