Die Grundkonflikte im Nahen und Mittleren Osten haben sich zu Kriegen ausgeweitet, die die alten Normen des Kriegsverbots gesprengt haben und seine Fesseln vollends zu sprengen drohen. Die Kluft der Armut zwischen Süd und Nord hat sich vergrößert, ohne dass die reichen Staaten zwischen Kyoto und Rio bereit wären, das alte Projekt einer "Neuen Internationalen Wirtschaftsordnung" von 1974 wiederzubeleben. Die Kodifikationen der Menschenrechte und der Internationalen Strafgerichtsbarkeit sind Meilensteine der Völkerrechtsentwicklung, die jedoch von ihrem offenen Missbrauch entwertet werden. Die alten Institutionen der UNO werden immer wieder in Frage gestellt, und dennoch wird ohne sie und das Völkerrecht das Chaos und die Gewalt zwischen den Staaten nicht zu bändigen sein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.01.2014
Das Engagement der beiden Autoren, emeritierte Rechtsprofessoren alle beide, für ein materialgerechtes Völkerrecht findet Wolfgang Graf Vitzthum lobenswert. Weniger gut gefallen hat ihm der Umstand, dass die Autoren in ihrem laut Rezensent ansonsten gut lesbaren historisch-kritischen Studienbuch zu Völkerrecht und Machtpolitik eine methodische Reflexion der Wechselwirkung der beiden Faktoren vermissen lassen. Das Literaturverzeichnis findet er imposant, aber nicht repräsentativ. Darüber hinaus jedoch liegt mit dem Band laut Rezensent eine dichte, fesselnde völkerrechtshistorische Studie vor, die vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart reicht. Höhepunkte für Wolfgang Graf Vitzthum: die Perioden "Völkerbund" und "Dekolonisierung", ferner der rechtsdogmatische Teil des Buches, in dem die Autoren über die Staaten als Hauptakteure des "internationalen Systems" berichten.
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