Omri Boehm

Radikaler Universalismus

Jenseits von Identität | Universalismus als rettende Alternative
Cover: Radikaler Universalismus
Propyläen Verlag, Berlin 2022
ISBN 9783549100417
Gebunden, 176 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Michael Adrian. Ist der Universalismus heute noch zu retten? Ja, aber wir müssen zurück zu seinem Ursprung: Erst wenn wir den humanistischen Appell der biblischen Propheten und Immanuel Kants wirklich verstehen, können wir Ungerechtigkeit kompromisslos bekämpfen - im Namen des radikalen Universalismus, nicht in dem der Identität. Mit "Radikaler Universalismus" liefert Omri Boehm mehr als eine Neuinterpretation, er revolutioniert unser grundlegendes Verständnis von dem, was Universalismus eigentlich ist. Dabei beruft er sich auf Kant und seine oft missverstandene Wiederbelebung des ethischen Monotheismus der jüdischen Propheten. Ein kühner Entwurf, der in seiner Furchtlosigkeit einen Ausweg aus der festgefahrenen Identitätsdebatte eröffnet. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.09.2022

Rezensent Jens-Christian Rabe respektiert den Scharfsinn, das Temperament und den Humanismus des Philosophen Omri Boehm, wenn dieser den Versuch unternimmt, die Menschheit wieder auf die Spur einer "absoluten Liebe" zu sich selbst zu lenken. Wenn der Autor mit Kant und einer laut Rabe hörenswerten Neuinterpretation der biblischen Geschichte von Abraham und seinem Sohn Isaak einen so radikalen wie "wahren" Universalismus fordert, findet Rabe das mutig und richtig, weil es gegen die "dunkle Seite" der Identitätspolitik geht, eine klare wie überzeugende Begründung für "seinen" Universalismus aber liefert Boehm nicht, meint er.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.09.2022

Rezensent Thomas Assheuer empfiehlt das Buch des Philosophen Omri Boehm als Glücksfall einer intellektuellen Einmischung. Wie Boehm die "Ehrentribüne des Liberalismus" mit Dewey, Rawls und Rorty "abräumt", weil sie seiner Meinung nach die Idee einer absoluten Wahrheit verraten haben, findet Assheuer zwar mitunter etwas gewöhnungsbedürftig, wie der Autor jedoch mit Kant und dessen moralischem Universalismus im Gepäck die Geschichte von Abraham neu deutet, scheint dem Rezensenten stark. Zudem ist das Buch dicht und klar geschrieben, lobt er.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 03.09.2022

FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube hat Einwände gegen die ungewöhnliche Haltung in Omri Boehms Buch. Denn mit seinem Universalismus-Plädoyer stelle sich der israelisch-deutsche Philosoph der etablierten Ansicht entgegen, Menschenrechte seien Konstrukte, die aus konkreten gesellschaftspolitischen Gegebenheiten hervorgingen und auf diesen aufbauen, erklärt Kaube. Boehm hingegen behaupte nun anhand dreier "menschenrechtlicher Konstellationen" - dem amerikanischen Bürgerkrieg und der Sklavenhaltung, der Geschichte von Abraham, der seinen Sohn opfern soll, und dem Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern -, dass die Menschenrechte keine juristischen Setzungen seien, sondern allgemeingültige, auf der Philosophie beruhende "Wahrheiten", fasst Kaube zusammen. Dass Boehm sich damit gegen identitätspolitische und nationalistische Ansichten wende, findet der Kritiker lobenswert; problematisch scheint ihm allerdings erstens, dass der Autor für zugunsten des Universalismus einen gewissen Fanatismus in Kauf zu nehmen scheine; und zweitens, dass er an einigen "substanziellen" Einwänden z.B. gegen die Philosophie Kants "zu unbekümmert" vorbeischreibe. Letztlich kann der Kritiker Boehms Argumentation nicht zustimmen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.09.2022

Rezensent Thomas Ribi erfährt aus dem Buch des Philosophen Omri Boehm Wissenswertes über den Umgang mit identitätspolitischen Debatten. Boehm nimmt den Streit um ein Bild der Künstlerin Dana Schutz auf, fragt inwieweit sich die Liberalen am Universalismus vergangen haben und befasst sich mit dem Vorwurf, Kant sei ein Rassist gewesen. Für Ribi unternimmt der Autor damit wichtige Aufklärungsarbeit in Sachen Identitätspolitik, und er erklärt, woran wir uns halten sollten: Nicht an die biologische Frage nach Geschlecht und Hautfarbe, sondern an die, ob wir in der Lage sind, moralische Rechte und Pflichten zu entwickeln und danach zu handeln. Klingt verkopft, meint Ribi, ist aber bedenkenswert.