Beherrschten vor 20 Jahren noch Industriekonglomerate, Energiekonzerne und Banken die Rangliste der wertvollsten Unternehmen, wurden diese längst von Internetgiganten wie Google, Apple, Amazon und Tencent abgelöst. Digitale Technik ist allgegenwärtig: Wir tragen Hochleistungsrechner in unseren Taschen herum, Waschmaschinen können sich mit dem Internet verbinden. Doch erschöpft sich darin das Neue am digitalen Kapitalismus? Philipp Staab beleuchtet den digitalen Kapitalismus aus unterschiedlichen Perspektiven, um ihn präziser auf den Begriff zu bringen. Er zeigt, wie digitale Überwachungs- und Bewertungspraktiken in immer mehr Bereiche der Wirtschaft vordringen und dabei die soziale Ungleichheit verschärfen. Das Spezifische am digitalen Kapitalismus, so Staab, ist die Herausbildung "proprietärer Märkte": Kam es früher darauf an, Dinge herzustellen und mit Gewinn zu verkaufen, geht es im Zeitalter der Unknappheit um das Eigentum an den Märkten selbst.
Daniel Kretschmar hält das Buch des Soziologen Philipp Staab für eine geeignete Handreichung zum besseren Verständnis der neuen digitalen Märkte und einer neuen Wirtschaftsordnung. Systematisch setzt ihm der Autor die Unterschiede von Google und Co. zu den klassischen Monopolisten des Kapitalismus auseinander und erklärt das Unvermögen des Staates, sie zu regulieren. Anregend im Hinblick auf die wichtige Unterscheidung von Servicedienstleistungen und Werbung und instruktiv bei der Beschreibung der transformativen Prozesse betreffend die menschliche Arbeitskraft, scheint Kretschmar der Band beim Ausblick auf Strategien im Umgang mit den beschriebenen Problemen leider zu knapp bemessen.
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