Wilhelm Krichbaum war ein Schreibtischtäter per exellence. Als SS-Oberführer und Generalgrenzinspekteur leitet er im Zweiten Weltkrieg die Geheime Feldpolizei und bevollmächtigte damit auch die verschiedenen Gräueltaten, die von Feldpolizei-Gruppen in ganz Europa begangen wurden. Nach dem Krieg als unbelastet eingestuft, begann Krichbaum ehemalige NS-Größen für die Organisation Gehlen, der Vorläufer-Organisation des heutigen Bundesnachrichtendienstes zu rekrutieren. Detailliert beschreibt Robert Winter das Leben eines Mannes, der verdeckt und im Hintergrund vom Feldpolizisten zum Geheimdienstagenten avancierte und so dank seiner Unauffälligkeit eine zweite Karriere mit dem Aufbau eines Netzwerks machte, das später als legendäres Agenten-Netz Gladio enttarnt werden sollte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.07.2010
Über die Zusammenarbeit des SS-Mannes Wilhelm Krichbaum mit dem KGB liest der Rezensent in diesem Buch nur Spekulationen. Ansonsten allerdings vermittelt ihm der Autor Robert Winter anhand des Falles Krichbaum, wie lücken- und reibungslos ehemalige SS-Schergen später beim Verfassungsschutz oder beim BND unterkamen und auch noch alte Seilschaften weiter pflegen konnten. Im Wesentlichen berichtet Winter laut Peter Carstens nüchtern anhand von Akten und Briefen. Und wenn der Autor doch mal die Geduld verliert angesichts von verharmlosenden Aussagen Krichbaums über seine Rolle in Nazideutschland, so kann ihn Carstens nur allzu gut verstehen.
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