Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. Der zweite Teil des Japan-Nordkorea-Epos.
Japan befindet sich in einer dystopischen Gegenwart. Amerika lässt seinen einstigen Verbündeten im Stich und Hunderttausende von Obdachlosen ziehen durch das von einer gigantischen Wirtschaftskrise gebeutelte Land. Rechtsgerichtete Politiker haben Aufwind. Nordkorea, das seine Beziehungen zu den USA inzwischen verbessert hat, beschließt, die Schwäche des verhassten Nachbarn auszunutzen, und plant eine heimtückische Invasion. Getarnt als aus Nordkorea geflüchtete Dissidenten besetzt eine Einheit aus neun Elite-Soldaten das Baseball-Stadion der japanischen Hafenstadt Fukuoka und nimmt 30.000 Zuschauer als Geiseln. Im Zuge der Geheimoperation "In Liebe, Dein Vaterland" sollen weitere 120.000 Soldaten folgen und den Süden Japans in eine Provinz Nordkoreas verwandeln. Während die japanische Regierung hysterisch sinnlose Maßnahmen ergreift, nimmt in Fukuoka ein absurder Albtraum seinen Lauf.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2019
Rezensent Steffen Gnam bekommt nicht gerade Lust auf Japan mit der
Lektüre von Ryu Murakamis Dystopie, in der ein nordkoreanisches
Soldatenkontingent ein japanisches Baseballstadion samt 30000 Zuschauern
in Geiselhaft nimmt. Brillant und beißend beschreibt der Autor laut
Gnam ein Japan der nahen Zukunft, in dem Inflation, moralischer Verfall,
Lethargie, Infantilität und Amerikahörigkeit herrschen und das Land zum
Ziel für eine blutige Invasion machen. Wie der Autor "Topografien des
Terrors" entwirft und vor den Narkosemitteln des Totalitarismus warnt,
findet Gnam lesenswert und nur bisweilen etwas kitschig.
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