Aus dem Englischen von Andreas Fliedner. H. P. Lovecraft ist der bedeutendste Autor unheimlicher Phantastik des 20. Jahrhunderts. Sein Leben dagegen ist mehr als umstritten: Als "Einsiedler von Providence" wurde er bezeichnet, als Rassist und Menschenfeind. Dem steht entgegen, dass er sich sein Leben lang als Amateurjournalist innerhalb eines großen Bekanntenkreis bewegte. Außerdem hat er Zehntausende von Briefen geschrieben, an Schriftstellerkollegen wie Robert E. Howard und Clark Ashton Smith und an "Fans" wie den Psycho-Autor Robert Bloch und den späteren Lovecraft-Verleger August Derleth. S. T. Joshis materialreiche Biografie, erstmals 1996 erschienen und, als definitive Ausgabe überarbeitet und erweitert, in zwei Bänden 2010, schildert Lovecrafts Werdegang und Werk mit großer Akribie. Und mit der deutschen Übersetzung werden erstmals auch zahlreiche längere Passagen aus Essays und Briefen Lovecrafts auf Deutsch zugänglich.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.04.2018
Der englische Schriftsteller P.H. Lovecraft war eine faszinierende Person, erklärt Tobias Sedlmaier. Seine phantastischen Geschichten beeinflussen Populär- wie Hochkultur bis heute. Auch der Mann selbst war reichlich phantastisch, lesen wir. Ein Autodidakt und Eigenbrötler, dem Trash zugewandt, aber auch der Antike und den Wissenschaften. Oh, und ein Rassist war er auch. Leider gibt es nicht viel Material über ihn, dass nicht von Lovecraft selbst stammt, so Sedlmaier. Weshalb der erste Band von S.T. Joshis auf zwei Bände ausgelegten Lovecraft-Biografie ihm nur mäßig imponiert hat. Dokumentarisch ein "Meilenstein", meint er, weil Joshi akribisch noch die kleinsten Details zusammengetragen hat. Doch so richtig spannend liest sich das für Sedlmaier nicht. Vielleicht wird der zweite Band interessanter, der die Zeit umfasst, in der Lovecraft seine Hauptwerke geschrieben hat?
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