Als Ort der Wunscherfüllung wurde der Supermarkt nach dem 2. Weltkrieg zum Inbegriff einer hedonistischen, amerikanisierten Konsumgesellschaft, die von Anfang an nicht unumstritten war. Ausgehend von Anlage und Inszenierung der neuen Selbstbedienungsläden, die in der Schweiz 1948 von der Konsumgenossenschaft Migros eingeführt wurden, untersucht die Autorin den konfliktreichen Beginn eines Konsumregimes, das sich nachhaltig in der Psyche des Einzelnen und im nationalen Bewusstsein verankern sollte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.04.2001
1948 richtete das Schweizer Unternehmen Migros seinen ersten Selbstbedienungsladen ein - ein Zeichen für beginnende Prosperität, das die Autorin laut Peter Haber überraschend innovativ aufgreift und interpretiert. Haber lobt vor allem die "packende klare Sprache" der Basler Historikerin, die sich dem Entstehen der Schweizer Konsumgesellschaft unter verschiedenen Fragestellungen widmet. Der Supermarkt wird dabei für sie, berichtet Haber, zu einem symbolischen Ort, der einerseits den Wohlstand in Hülle und Fülle (ohne Lücken im Angebot und der Warenpräsentation) zu verkörpern hat, andererseits, und hier wird es für Haber spannend, in das Leben der Konsumenten stark eingreift: Einkaufen werde zu einem "Disziplinierungsmittel" im Foucaultschen Sinne. Der Supermarkt als Schnittstelle zwischen Öffentlichkeit und Privatheit, Individuum und Markt, die Geschlechterfrage sind weitere Themen, die die Autorin ebenso wie die Geschichte des Unternehmens Migros in Einzelaufsätzen untersucht. Ein jeder, laut Haber, gleich spannend.
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