Dä hillije Zinte Määthes, dat wor ne joode Mann ... Sankt Martin, der Bischof von Tours, der seinen Mantel mit dem Schwert teilt und eine Hälfte vom Pferd herunter einem frierenden Bettler reicht, ist wahrscheinlich in Deutschland und Frankreich der populärste und älteste Heilige überhaupt. Seine Lebensgeschichte, verfasst von einem aquitanischen Adeligen der Spätantike, wird im Mittelalter einer der Prototypen der Gattung Heiligenvita, mit Sankt Martin beginnt also nicht nur ein vielgestaltiges Brauchtum, sondern auch eine überaus produktive Literatur zu florieren. Und die Lebensgeschichte des Offiziers und Bischofs birgt auch ein paar Überraschungen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.11.2010
Über einen der populärsten Heiligen, einen wahren Star der Askese und der Wunder erfährt Stephan Speicher in diesem von Gerlinde Huber-Rebenich herausgegebenen und übersetzten Buch eine Menge. Für Speicher ist die Edition ein Glücksfall insofern, als er die Bedeutung von Sulpicius Severus' "Vita sancti Martini" für das europäische Mittelalter sehr hoch schätzt - als Muster der Hagiografie schlechthin. Lesenswert scheint ihm die ultimative Lobhudelei als rhetorischer Schatz mit gelehrten Verweisen auf Tacitus, Sallust und anderen Klassiker. Dass Severus sein Held weniger kirchenhistorisch denn im Hinblick auf seine Wundertaten und seinen Egalitarismus interessiert, scheint Speicher sympathisch zu finden.
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