Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 07.11.2020
Rezensentin Marlen Hobrack scheint erleichtert: KI gibt es gar nicht, und kein Rechner kann den Menschen und sein Denken ersetzen. Das macht ihr der Psychiater Thomas Fuchs in seinem Buch klar. Fuchs geht es darum, die Leibhaftigkeit des Menschen hochzuhalten und gegen die Trennung von Geist und Körper und ein szientistisches Weltbild in Stellung zu bringen, erklärt Hobrack. Fuchs' ausführliche Unterscheidung von binären Rechenprozessen einerseits und der komplexen "Neuroplastizität" des menschlichen Gehirns andererseits findet die Rezensentin überzeugend.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 09.08.2020
Zu recht hochbeeindruckt ist Rezensent Mark Siemons von der hier vorgelegten Analyse so manchen Irrglaubens über Computer, Gehirne und Bewusstsein. Fuchs untersuche unaufgeregt die Grundannahmen derer, die meinen, Computer hätten mit Informationen zu tun (es sind algorithmische Muster) oder tendierten zu einem Bewusstsein, das uns Menschen gar beherrschen könne, sobald die gesamte Gehirnkapazität auf Maschinen übertragbar geworden sei. Dagegen hält Fuchs das Bewusstsein als Prozess, das bestehe aus, wie der Kritiker zitiert, "Wahrnehmen-von..., Sprechen-mit ..., Sich-Erinnern-an ..., Wünschen-von". Menschliches Leben, so zitiert der Rezensent noch einmal, bestehe nicht aus rein zerebraler Funktion (etwa eines schach-spielenden Computers), sondern ist "Selbstorganisation eines biologischen Systems", was man auch Verkörperung nennen kann. Fuchs argumentiert durchgehend sehr nüchtern, was den Rezensenten dazu animiert, weiter zu denken: Wären die kategorialen Irrtümer jener, die sich der Künstlichen Intelligenz verschreiben, nicht einfach nur Ausflüchte, um sich jeder Verantwortung zu entziehen?