Der Südtiroler Franz Tumler verbrachte die zweite Hälfte seines Lebens in Berlin. Dort teilte er den Kneipentisch mit Gottfried Benn, kam später mit Autoren wie Uwe Johnson, Günter Grass oder Peter Härtling zusammen. Seine Werke standen in einer Reihe mit den ihren. Dieser Band versammelt Essays, Erzählungen, Reportagen und Gedichte von Franz Tumler, die Berlin zum Thema haben, darunter auch unveröffentlichte Texte und Skizzen. Seine Themen sind vielfältig: von Zeit- und Alltagsgeschichte im geteilten Deutschland über das literarische Leben in Berlin bis zu Tumlers schriftstellerischer Wende hin zur erzählerischen Moderne, die für seine großen Romane stilbildend ist. In seinen Berliner Texten zeigt Franz Tumler im Kleinen, was seine Romane für Publikum und Kritik beispiellos gemacht hat schlicht das Leben in ebenso kunstvoller wie sinnlicher Sprache.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.01.2015
Harald Jähner kann das völkische Gebrüll noch hören in den beflissenen Berlin-Feuilletons des Nazi-Dichters Franz Tumler, die der Autor Anfang der 50er Jahre verfasst hat. Den Reiz des intellektuellen Klimas der Stadt vernimmt Jähner allerdings auch, wenn der Autor beobachtet und über das Sechstagerennen, die Interzonenautobahn und Flüchtlingsnotaufnahmen berichtet. Statt Propaganda also Anschauliches? Schon, erklärt Jähner, doch das betont Bescheidene der politischen Reflexion in den Texten entgeht ihm nicht.
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