Mit 31 Fotos. Mit einem Fotoessay von Claudia C. Lorenz und einem Nachwort von Wolfgang Kil. Die Osterweiterung der Europäischen Union steht vor der Tür, bis zur polnischen Grenze sind es keine achtzig Kilometer. Doch in Berlin blickt man NOCH IMMER Richtung Westen. Dabei kann man es überall hören und sehen: Die Osteuropäisierung steht ist in vollem Gange. Aber anstatt die Chancen einer Grenzstadt zum Osten zu begreifen, ist von der "Zivilisisation" des Westens die Rede, die es gegen den Ansturm der "neuen Barbaren" zu verteidigen gelte. Doch wer, fragt Uwe Rada in diesem Buch, ist hier eigentlich barbarisch? Die, die den Westen beim Wort nehmen? Oder die, die aus dem Osten nichts als einen Angriff auf ihre "zivilen" Errungenschaften erwarten?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.04.2002
Die Rede von Berlin als "Schmelztiegel zwischen Ost- und Westeuropa" ist ein "Mythos" - dieses Buch liefert die Fakten. Und die sehen, meint Rezensentin Tina Veihelmann in Übereinstimmung mit dem Autor, anders aus: Zugverbindungen nach Polen werden eingestellt, und die Eliten Berlins haben auf die Ankunft der Polen mit "kollektivem Entsetzen" reagiert. Berlin, so Radas Fazit, ist weniger eine europäische Metropole als eine "Grenzstadt zum Osten". Nur zugeben und einsehen will es keiner. Umso großartiger, findet Tina Veihelmann, ist dieses Buch, das sie, höheres Lob scheint kaum vorstellbar, sogar mit Mike Davis' Los-Angeles-Klassiker "City of Quartz" vergleicht. Erst ganz am Ende, bedauert sie, entgeht Rada der Gefahr einer übertriebenen Umkehrung nicht. Sein Bild vom nomadischen Barbaren bewege sich bedenklich nahe an der "Sozialromantik".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.12.2001
Berlinbücher nehmen Rezensenten gerne zum Anlass, sich gehörig über ihr Verhältnis zur Stadt auszulassen. Über das zu besprechende Buch erfährt man wenig. So auch bei Wolfgang Engler, der dem vorliegenden Band gerade mal drei Absätze widmet. Dabei bezeichnet Engler das Buch des taz-Redakteurs Rada als "in hohem Maße notwendig". Dem Rezensenten gefällt, dass der Autor Berlins "illusionäre Selbstbilder" mit der Realität vergleicht und dabei etwa feststellt, dass die deutsche Hauptstadt nicht die "Ost-West-Drehscheibe" sei, die es "gerne geworden wäre". Der Buchautor habe sich mit Polen, Ukrainern und anderen Osteuropäern auf den Weg durch Berlin gemacht, um die Stadt zu erkunden. Dabei erfährt der Leser viel über die "tatsächliche" geographische Lage Berlins, schreibt der Rezensent. Die "Verostung" der Stadt hat längst stattgefunden, so Engler; diese ging nicht, wie "zu Wendezeiten" befürchtet, von Ostdeutschen, sondern von Osteuropäern aus. Weitere Einzelheiten sind leider Mangelware.
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