Volker Braun

Verlagerung des geheimen Punkts

Schriften und Reden
Cover: Verlagerung des geheimen Punkts
Suhrkamp Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783518428757
Gebunden, 319 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Der Band "Verlagerung des geheimen Punkts" versammelt Untergrundtexte und Festreden; aber die Unterscheidung besagt wenig, auch die öffentlichen Texte mussten sich aus dem Grund herausarbeiten, und auch in unzensierten Zeiten führt das Denken ein untergründiges Dasein. Den Band eröffnet eine Satire auf das Ausbürgern, geschrieben im Januar 1977, gefolgt von der radikalen Flugschrift Büchners Briefe; er enthält Essays über Shakespeare und Rimbaud, Goethe und Kafka: Poesie und Politik, und zeigt die Arbeit auf eine Wende zu, die zum Umbruch wird. Sie führt den Autor in die heutige Wirklichkeit, "wo sie ihre größte schmerzende Kraft entfaltet" und er mit traumatischer Klarheit sein Versäumnis sieht, seine "Schuld, das schwarze verdammte Dulden" in einer Welt ausgrenzender Grausamkeit. Im historischen Schichtwechsel der sozialen Verwerfungen fragt er nach dem verlagerten geheimen Punkt des Schreibens.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.05.2019

Rezensent Helmut Böttiger würdigt Volker Braun zu seinem achtzigsten Geburtstag mit einer Doppelbesprechung der beiden neuen Suhrkamp-Bände. Dabei freut sich der Kritiker vor allem über den schmalen Band "Handstreiche", der Aphorismen "voll grimmiger Weisheit" des Dichters enthält und Böttiger noch einmal vor Augen führt, wie sehr politisches und literarisches Wirken bei Braun miteinander verbunden sind: "Ich und Staat" waren bei Braun noch nie getrennt, merkt der Rezensent an, dem hier auch immer wieder Brecht und Klopstock als Gewährsmänner des Dichters begegnen. Dass Braun den "aufklärerisch-begrifflichen", "Fantasien freisetzenden" Ton auch in der kurzen Form beherrscht, erkennt der Kritiker hier ebenfalls. Auch den Schriften und Reden enthaltenen Band "Verlagerung des geheimen Punktes" empfiehlt der Kritiker als "instruktiven" Teil der jüngeren, deutschen Literaturgeschichte.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 06.05.2019

Dass Volker Braun Schreiben als Tat begreift, erfährt Cornelia Jentzsch aus diesem Band mit Essays, Reden und Schriften Brauns aus den Jahren 1977 bis 2016. Die Aufrichtigkeit des achtzigjährigen Dichters hält sie für einmalig in der zeitgenössischen Literatur. Um zu erfahren, woran es uns mangelt, lese man diesen Autor, empfiehlt Jentzsch, ob Brauns Rede in der Akademie für Sprache und Dichtung von 1997 oder seine Einlassungen zur Diskussion um Flüchtlinge und Heimat. Bereits in einem Essay von 1987, staunt die Rezensentin, warnt Braun vor Profitgier und menschlicher Hybris. Ein immens politischer Autor, ein notwendiger Warner und Mahner mit geschliffener Feder, findet Jentzsch.

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