Die 1810 gegründete Berliner Universität hat auf vielen Gebieten Epoche gemacht - auch in der Philosophie. Keine andere deutsche Universität brachte so zahlreich bedeutende Philosophen hervor, deren Namen in keiner Philosophiegeschichte fehlen. Das Buch "Berliner Geist" bietet die erste Gesamtdarstellung Berliner Universitätsphilosophie bis Ende der vierziger Jahre dieses Jahrhunderts. Den Band durchzieht die These, daß die Berliner Universität in ihrer relativ kurzen und überaus wechselvollen Geschichte ein eigenes philosophisches Profil ausgeprägt hat, das auch heute noch philosophisch interessant und bildungspolitisch aktuell ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.02.2000
Ah, die Berliner Humboldt-Universität der 20er Jahre! Michael Mayer zitiert den israelischen Neurophysiologen und Philosophen Jeshajahu Leibowitz, der sich daran erinnert, dass in einem Kolloquium gelegentlich fünf oder sechs Nobelpreisträger gesessen hätten. Und dann erst die Philosophen! Immerhin haben in Berlin Größen wie Fichte, Schelling, Schleiermacher, Dilthey, Hegel und Schopenhauer gelehrt. Grund genug für eine Geschichte des Berliner Geistes. Mayer lobt die sorgfältige Aufmachung des Buches, die Verarbeitung der "überbordenden Materialfülle" und die gute Recherche. Nur den Anspruch der Autoren, Geistesgeschichte als Institutionsgeschichte zu schreiben, hält er für nicht ganz schlüssig. Sein Fazit: "Wer auch immer sich für die Historie der Berliner Universitätsphilosophie von der Gründung bis zur Stunde ‚Null‘ interessiert, wird an diesem Werk nicht vorbeikommen."
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