Die Physiognomie von Städten, das Sammeln von Büchern und die Didaktik von Ausstellungen, der französische Faschismus und die Gaskriegsgefahr, Neuigkeiten aus dem kulturellen Leben, Evolutionstheorien und die eigenen Träume: Walter Benjamins seit 1925 für Zeitungen und Zeitschriften verfasste Texte, geschrieben in Paris, Moskau und Berlin, sind weit mehr als journalistische Brotarbeiten. Sie schlagen theoretische und sprachliche Funken aus einer Vielzahl von Themen, zeigen Benjamin als Meister der kleinen Form und als herausragenden Beobachter seiner Zeit. Der Band versammelt Essays und essayistische Miniaturen, kritische Berichte, illustrierte Artikel, Interviews, Repliken, Würdigungen, Glossen und Satiren sowie Beiträge für Anthologien. Durch die Präsentation aller überlieferten Entwürfe und Fassungen ermöglicht die Edition erstmals den genauen Nachvollzug von Benjamins Schreibarbeit, etwa an dem großen Moskau-Essay, dessen besonders dicht dokumentierte Textgenese fasziniert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2022
Rezensent Wolfgang Matz begrüßt den von B. Veitenheimer herausgegebenen 14. Band der Kritischen Werkausgabe. Der ganze Benjamin ist laut Matz erst mit der Lektüre auch der kleineren, verstreuten Arbeiten zu haben, die der Band in eine Ordnung zu bringen versucht. Ordnung bekommen die journalistischen "Brotarbeiten" über Städte wie Neapel und Moskau, über Film und den Kommunismus etc. für Matz aber erst, indem sie zusammen mit Benjamins "Großwerken" gelesen werden. Dazu lädt der Band ein, meint er, und er erinnert daran, dass letztere wohl überhaupt nur durch die Erledigung der ersteren möglich wurden.
Rezensent Ruthard Stäblein hält die verstreuten Städtetexte und Feuilletons von Walter Benjamin, wie sie der 14. Band der "Kritischen Ausgabe" versammelt, für einen Schatz. Gehoben haben ihn Klaus Reichert und Bernhard Veitenheimer. Der eine ordnet die Texte in die Biografie des Autors ein, der andere macht philologische Entdeckungen zu Druckfehlern, Papierformen und Tinten, staunt Stäblein. Wenn Benjamin über Neapels Durchlässigkeit schreibt, über Ausstellungen, verborgene Schriften und Autoren, erscheint er Stäblein als Entdecker des Abseitigen und Aufklärer. Manches, was in den großen Essays zu lesen ist, wird hier erst anschaulich, meint der Rezensent.
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