Mit der europäischen Entdeckung Amerikas und der Etablierung des Schiffsverkehrs zwischen den Kontinenten begann eine neue Epoche der globalen Geschichte. Die Kontakte und der Austausch zwischen den Zivilisationen dieser Welt wurden immer vielfältiger - damit freilich auch die Konflikte. Wolfgang Behringer entfaltet ein weltumspannendes Panorama der Frühen Neuzeit, das die Entwicklungen aus der Perspektive aller beteiligten Kulturen schildert und dadurch ein ganz neues Bild dieser Zeit präsentiert. Im Mittelpunkt dieser neuartigen Geschichte der Frühen Neuzeit stehen globale Ereignisse, die den Gang der Weltgeschichte veränderten, globale Orte, die Knotenpunkte des Austauschs bildeten, globale Themen und Strukturen wie Kolonialismus und Rassismus. Wolfgang Behringer nimmt die Leserinnen und Leser mit auf die Reise nach Afrika und Amerika ebenso wie nach Indien und Indonesien, nach Russland, China und Japan und durch das damalige Europa, das seinen zivilisatorischen Rückstand gerade erst aufholte. Sein Buch beschreibt die großen Zusammenhänge und erzählt gleichermaßen von einzelnen Menschen, die diese Zeit erlebten und gestalteten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.01.2024
Der hier rezensierende Historiker Peter Burschel ist entzückt von Wolfgang Behringers mikrohistorischer Globalgeschichte der Frühen Neuzeit. Mit eindrücklichen Persönlichkeiten und Go-Betweens wie Gaspar da Gama kann ihm Behringer Vernetzungen sichtbar machen und vor Augen führen, dass Europa damals nur ein Player unter vielen war. Von Figuren wie da Gama leitet der Autor hin zu Klimageschichtlichem oder Phänomenen wie Kolonialismus, Rassismus, die er dann weiter problematisiert, wie Burschel erläutert. Behringers kaleidoskopische "Bricolage" hat für Burschel allerdings den Nachteil, ohne "theoriegeleitete Systematisierung" auskommen zu müssen, wenngleich der Autor sie weitgehend chronologisch aufzieht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.12.2023
Mit diesem "Patchwork aus Mikrogeschichten" von Wolfgang Behringer liegt dem Rezensenten Lothar Müller eine betont nicht-eurozentrische Globalgeschichte vor. Die frühe Neuzeit schlüsselt Behringer hierbei über globale "Mikrohistorien" auf, die ein gutes Beispiel über das Zusammenwachsen der Welt in dieser Epoche abgeben, erklärt Müller. Modernisierungstheorien steht er so skeptisch gegenüber, dass Müller manchmal fast den Eindruck gewinnt, große gesellschaftliche Entwicklungen wie Revolutionen seien größtenteils auf Naturphänomene wie Kleine Eiszeit, Seuchen oder Vulkanausbrüche zurückzuführen. Dabei erklärt er globalgeschichtliche Phänomene immer wieder anhand von Mikrogeschichte, was dem Rezensenten sehr gut gefällt. Seine gigantische Stoffmenge kann Behringer aber oft nur bewältigen, indem er kurze Abrisse schreibt, was der Kritiker wiederum weniger inspirierend zu finden scheint. Anders als etwa Howard W. French glaubt außerdem Behringer nicht, dass durch den europäischen Sklavenhandel nachhaltige Schäden für den Kontinent Afrika entstanden sind, weil es eben immer auch die Tradition des innerafrikanischen Sklavenhandels gab. Müller kritisiert das nicht, aber ihm fällt schon auf, dass Behringer zwar multizentrische Standpunkte in sein Werk einflicht, dabei aber einen sehr "europafreundlichen" Standpunkt einnimmt.
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