Das Konzept des Impliziten findet sich in allen systematischen Entwürfen der Philosophie. Immer geht es darum, ein unbemerktes, 'eingefaltetes' Wissen explizit zu machen, um die Tiefenstruktur des Menschen an seine Weltstellung angeschlossen zu halten. Aus den Arealen dieses Hintergrundwissens erklärt sich nämlich die Architektur, mit der sich der Mensch in die Welt hinein verbaut. In diesem Zugriff thematisiert Wolfram Hogrebe die logomantischen Voraussetzungen von Philosophie und Poesie, die Rolle der inzwischen vergessenen Seele des Menschen, aber auch den impliziten Staatsbürger, die impliziten Strukturen der Musik und andere anthropologisch relevante Implikationsverhältnisse. Der Zentralpunkt ist die Einsicht, dass sich der Mensch nur aus solchen Implikationsverhältnissen selbst interpretieren kann, ja er existiert in diesem Sinne nur als ein selbsterinnertes Wesen. Insofern dient der Text einer zunehmend notwendig werdenden Rettung des Menschen vor seinem Selbstvergessen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2013
Schön altmodisch findet Helmut Mayer die in dem Band von Wolfgang Hogrebe gepflegte Art des Philosophierens. Spielerisch, doch knapp und prägnant verweist der Autor in kurzen Stücken auf die Unschärfen unseres Seins, die dunklen Flecken, den nicht ermittelbaren Anfang. Laut Mayer gelingt dem Autor der Umgang mit dem Elementaren, indem er nicht lehrhaft Formeln wiedergibt, sondern durch Ausschreiten eines weiten philosophischen Terrains von Leibniz bis Quines präsent hält, worauf sie verweisen. Eine Lösung der Probleme sollte der Leser nicht erwarten, warnt der Rezensent, aber feine Umwege um sie herum.
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