Gerade erst hatte man am
Royal Opera House in London verkündet,
Anna Netrebko für eine "Tosca"-Neuinszenierung wieder auftreten zu lassen, schon gibt es die nächsten Schlagzeilen um jene "Tosca", stöhnt Manuel Brug in der
Welt: Nachdem 182 Mitarbeiter, die wenigsten unter Klarnamen, einen offenen Brief gegen die Haltung des Hauses zum Krieg in Gaza protestiert hatten, wurde beschlossen, eine als Koproduktion geplante Premiere nun nicht an die
Israeli Opera in Tel Aviv zu schicken. Begründet wurde das zwar mit der "Sicherheit unserer Ensemblemitglieder", allerdings wären kommenden Sommer höchstens der künstlerische Leiter
Oliver Mears oder ein Regieassistent nach Tel Aviv gereist, weiß Brug: "
Alex Beard, der Geschäftsführer des Royal Opera House, gab an, seine Mitarbeiter hätten sich beklagt, die Israeli Opera (die nur wenige öffentliche Subventionen erhält) sei eine staatliche Einrichtung, die zudem Soldaten kostenlose Tickets zur Verfügung stellt. Das wolle man nicht unterstützen."
Störaktionen wie sie sich kürzlich bei den
Salzburger Festspielen ereigneten, als propalästinensische Aktivisten die Bühne stürmten (
unser Resümee), stellen Veranstalter vor ein
Dilemma, hält Christian Wildenhagen in der
NZZ fest. Einerseits wollen Kulturveranstaltungen in ihren Programmen aktuelle Konflikte aufgreifen, andererseits bleibt meist nur der Ausweg, Protestierende aus den Veranstaltungsräumen entfernen zu lassen. Zurecht, meint Wildenhagen, "denn es geht in solchen Fällen nicht ums 'Erörtern', geschweige denn um Kunst. Es geht
allein um Aufmerksamkeit. Für keinen anderen Zweck werden die Bühnen der Hochkultur gekapert und missbraucht. ... Krawall dürfte kaum jemanden dazu inspirieren, die eigenen politischen Positionen zu überdenken. Mehr noch: Die Mischung aus Gleichgültigkeit und offen artikulierter Ablehnung, die den Protestierenden in solchen Fällen aus den Reihen der Anwesenden entgegenschlägt, lässt diese
Form des Protests selbst hilflos wirken..."
Weiteres: Die Berliner Regisseurin und Autorin
Uljana Havemann ist im Alter von 51 Jahren gestorben, meldet der
Tagesspiegel mit
dpa. Besprochen werden
Rainer Pudenz' "Ein unerhörter Operettensalon" an Kammeroper Frankfurt (
FR) und
Marlene Monteiro Freitas' Performance "Not" auf Kampnagel in Hamburg (
nachtkritik).