Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

981 Presseschau-Absätze - Seite 59 von 99

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.01.2019 - Design

Für westliche Augen ist japanische Keramik, die ihren natürlichen Ursprung keineswegs hinter Kulturleistungen verbirgt, sondern gerade noch betont, auf den ersten Blick nicht ohne weiteres schön. Umso leidenschaftlicher sind jene Sammler, die sich mit Haut und Haar ihrer Leidenschaft widmen. Einen von ihnen hat Philipp Meier für die NZZ porträtiert, auch wenn dieser die Anonymität vorzieht und daher Herr Rot genannt wird: "Viele können mit einer pechschwarzen Teeschale nicht viel anfangen, zu 'schmutzig' kommt sie ihnen vor oder erinnert gar irgendwie an Teer. Für Rot aber ist das anders. In ihrer kraftvollen Gegenwart wie bescheidenen Verhaltenheit zugleich gilt ihm eine solche Teeschale als die Essenz japanischer Töpferkunst - und letztlich ganz einfach als unglaublich faszinierend. Erklären lasse sich das kaum, wie unser Sammler immer wieder betont: Es sei unmöglich, dies in Worte zu fassen. Da verlieren sich die Beweggründe dann eben ganz einfach im Dickicht irrationaler Wünsche und Begehrlichkeiten."
Stichwörter: Keramik, Japan, Anonymität

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.01.2019 - Design

Die Unternehmerin Guya Merkle plädiert im taz-Gespräch angesichts der bedrückenden post-kolonialen Verhältnisse, unter denen an der wirtschaftlichen Peripherie für die Industrienationen Schmuck hergestellt wird, für die Produktion fairer, vor allem aber konfliktfreier Schmuckstücke: Doch "solange es keine Idee von ethischem Design gibt, wird es schwer werden, substantielle Veränderungen zu bewirken. Die großen Firmen könnten zum Beispiel sagen, von jetzt an produzieren wir einfach 30 Prozent weniger Kollektionen, weil unsere KundInnen nicht ständig neuen Schmuck brauchen. Und warum bauen wir nicht eine Design-Schule in Ghana? Wir könnten den Leuten dort zeigen, wie sie den Schmuck selbst produzieren. Statt einer Milliarde Gewinn wäre es dann eben nur noch eine halbe Milliarde."

Weiteres: Bernd Noack singt in der NZZ ein Loblied auf Änderungsschneidereien: "Die Läden sind aus der Zeit gefallen, und so fühlt man sich darin. Der Raum existiert außerhalb jeglicher Norm. Ein Ölofen grummelt in einer Ecke. Es ist, abgesehen von den Radioklängen, still, das Schweigen gehört zum Handwerk." Besprochen werden Annette Geigers Buch "Andersmöglichsein. Zur Ästhetik des Designs" (taz) und ein Kino-Dokumentarfilm über den Modedesigner Alexander McQueen (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.12.2018 - Design

Foto: Luis Beltran, mehr bei Dezeen


Hier möchte man ja gern mal essen gehen: Kaikaya, ein neues Sushi-Restaurant im spanischen Valenzia, schreibt Ali Morris in Dezeen, feiert die brasilianisch-japanische Esskultur, die in hundert Jahren entstanden ist, seit japanische Immigranten erstmals in Brasilien ankamen. "Brasilien, das heute die größte japanische Bevölkerung außerhalb Japans beherbergt, hat eine unverwechselbare japanisch-brasilianische Küche entwickelt, die japanische Kochtechniken mit lokalen Zutaten verbindet. Die Verschmelzung der beiden Küchen spiegelt sich im Inneren des Restaurants wider, das Materialien des japanischen Designs wie Holz und Baststoffe mit bunten Mosaikfliesen, Papageienmotiven und kaskadierenden tropischen Pflanzen kombiniert. Sie hätten sich vor allem vom Tropicalismo inspirieren lassen, einer brasilianischen Kunstrichtung, die in den späten 1960er Jahren entstand, erklären die Designer von Masquespacio. 'Vor allem sollte das Design einen starken Farbstich enthalten, verbunden mit einem eklektischen Stil, der die beiden Konzepte Japans und Brasiliens vermischen konnte, ohne konventionell zu sein', sagte Masquespacio, der sich für eine kontrastreiche Palette aus Kastanienbraun und Grün mit Akzenten aus Messing und Raffiabast entschied."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.12.2018 - Design

Mit seiner harschen, ökologisch und sozial motivierten Kritik am Gegenwarts- und Luxusdesign hatte sich Victor Papanek 1971 in seinem Berufsstand unmöglich gemacht. Das Vitra Design Museum widmet ihm nun eine erste große Retrospektive und steht dabei vor dem Problem das Schaffen eines Designers zu präsentieren, "der nur wenig Sichtbares in der Welt jener Gegenstände hinterlassen hat, die man gemeinhin in einem Designmuseum erwartet", erklärt Hannes Klug im Freitag. "Mit gutem Grund: 'Eine ganze Kategorie von Fetischobjekten ist für unsere Überflussgesellschaft der Schwachköpfe entstanden', schrieb Papanek, und dabei würden die eigentlichen Grundbedürfnisse, nämlich Kleidung, Nahrung und Obdach, die nach wie vor einem Großteil der Menschen fehlten, missachtet." Die Schau führe damit "vom simplen Aussehen der Dinge direkt ins Herz der hoch komplizierten Frage, wie die Menschheit auf dem Planeten überleben und wie sie ihre zukünftige Welt gestalten kann."

Für die taz besucht Annegret Erhard die Mayer'sche Hofkunstanstalt in München, deren Glasfenster Weltruhm haben.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.12.2018 - Design

Besprochen werden Lorna Tuckers Kino-Dokumentarfilm über Vivienne Westwood ("Einmal Punk, immer Punk", meint Marcus Weingärtner in der Berliner Zeitung) und eine Luigi Colani gewidmete Ausstellung im Museum für Badekultur in Zülpich (Welt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.12.2018 - Design

Gleich zwei Ausstellungen tragen derzeit den Titel "Politics of Design", ist SZ-Kritikerin Laura Weissmǘller aufgefallen: Eine im Vitra Design Museum in Weil am Rhein über Victor Papanek und eine von Friedrich von Borries kuratierte Schau der Design-Bestände der Pinakothek der Moderne. Und beide Ausstellungen stellen durchaus kritische Fragen nach dem Design in einer globalen Welt. Weissmǘller zeigt sich darin: "Das Design sitzt offenbar nicht nur auf der Anklagebank, es steckt momentan auch in der Krise. ... Was uns da auf Instagram, in Hochglanzheften und Werbebannern so sanft umschmeichelt, hat das Zeug zum Sündenbock der ganzen Welt." Dass von Borries dieser Sachlage spielreisch-experimentell begegnet, hält Weissmüller dabei für eine klare Stärke der Münchner Schau: "Wer sich nur klug genug mit der jeweiligen Sammlung beschäftigt, kann darin die Welt entdecken."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.12.2018 - Design

Besprochen wird die Ausstellung "Gegen die Unsichtbarkeit - Designerinnen der Deutschen Werkstätten Hellerau 1898 bis 1938" im Japanischen Palais in Dresden (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.12.2018 - Design

In seiner Stilkolumne im ZeitMagazin erinnert Tillmann Prüfer an den Industriedesigner Dieter Rams, der von Braun aus bis zu Apple reichende Strahlkraft entwickelt hat.
Stichwörter: Industriedesign, Rams, Dieter

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.12.2018 - Design

Friedrich von Borries' Münchner Ausstellung "Politics of Design, Design of Politics" gibt sich relevanter als sie eigentlich ist, meint Oliver Herwig in der NZZ: "Zwölf Leitthemen wirbeln durch die Abfolge von Ikonen: Design mobilisiert, Design diszipliniert, Design kolonialisiert, Design formiert, manipuliert, fetischisiert, reproduziert, sexualisiert, öffnet, ermächtigt, kritisiert und entwirft. Diese Ausstellung will polarisieren - und tut leider nur so, als erfinde sie den kritischen Blick auf Design gerade neu." Am Ende entzündet sich dann aber doch noch ein Funke: Von Borries' "beklagt, dass Wahlzettel am Wahltag oft in einer Art Mülltonne landen, das Bundesverdienstkreuz eigentlich nur eine abgespeckte Version des Eisernen Kreuzes darstelle und Staatsgäste immer noch mit militärischen Ehren empfangen würden. Volltreffer. Ausgerechnet bei der 'Symbolpolitik' wird deutlich, dass Gestaltung eben mehr sein kann als das Feigenblatt des Schönen über ausgefeilten Ingenieurleistungen, nämlich durch und durch politisch."

Tillmann Prüfer kolumniert im ZeitMagazin über Gürtel als Symbol der Macht:  "Er hielt das Gewand zusammen, aber auch die Person des Trägers. Am Gürtel hingen die Waffen, am Gürtel hing das Geld. Den Gürtel legte man höchstens nach der Schlacht ab. Von dieser Bedeutung des Gürtels zeugen heute noch Superhelden: Nahezu jeder Comic-Held trägt einen Gürtel. Batman zum Beispiel den mit Fledermaus-Emblem. Auch Captain America und Figuren wie Asterix und Obelix, Lucky Luke oder He-Man hat man niemals ohne gesehen. Und auch der Superschurke Darth Vader bei 'Star Wars' ist im Besitz eines beeindruckenden Gürtels."

Besprochen wird die Oldtimer-Ausstellung "PS: Ich liebe Dich" im Kunstpalast in Düsseldorf (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.12.2018 - Design

Sommerkollektion 1996. Foto: Prada
Am Montagabend wurde Miuccia Prada bei den Fashion Awards in London für ihr Lebenswerk geehrt. Bei Monopol erinnert Ingeborg Harms an den Schock, den sie 1996 mit ihrer Kollektion auslöste: An die Stelle minimalistisch schwarzer Eleganz setzte Prada dramatische Kontraste aus Hellbraun, Giftgrün und PanAm-Blau - Ugly Chic: "Als Fetischobjekt dieser Avantgarde hatte Pradas Nylon-Rucksack aus Fallschirmseide gedient, einem kriegserprobten Hightech-Stoff, mit dem die Funktionalität in die Mode einzog. Die Kunstseide und ihre ganz unfeminine Verarbeitung erinnerten an den Futurismus und seinen Anführer Marinetti, der die Geschwindigkeit verherrlichte, die Angriffslust fetischisierte, begeistert in den Ersten Weltkrieg zog und im 'Futuristischen Manifest' die 'vollständige Erneuerung der menschlichen Sensibilität' durch Erfindungen wie das Flugzeug prognostizierte. Prada ließ sich durchaus von solchen militanten Reminiszenzen inspirieren. Als Studentin der Politikwissenschaften war sie in den 70er-Jahren in die Kommunistische Partei eingetreten und hatte in Courrèges-Kostümen aus dem Kleiderschrank ihrer Mutter Flugblätter verteilt."