Isabell Vollrath: Herbst-Kollektion 2019. Foto: MBFW
Viel Zukunft hat taz-Autorin Marina Razumovskaya auf der Fashion Week in Berlin gesehen, Kosmonautisches, Ökologisches und Outdoor, aber am besten hat ihr dann doch der Blick gefallen, den die Berlinerin ModemacherinIsabell Vollrath in Venedigs Kunstgeschichte zurück wirft: "Die Form des sogenannten venezianischen Fensters - drei Bögen, ein höherer in der Mitte und zwei niedrige zu den beiden Seiten, das Ganze oft durch Säulen gegliedert - gestaltet Vollrath zu Schnitten ihrer ganzen Kollektion. Mit dem Kopf als Zentrum und den Schultern als Seitenbögen wandert die Form über den ganzen Körper: die Schultern oft wie Schnäbel von einer venezianischen Karnevalsmaske und überhängend, die Falten der Hosen wie Säulen und bedruckt mit der alten Technik des Siebdrucks wiederholt sich die Form des venezianischen Fensters. Die blauen Farbakzente wirken dann wie ein Spiegelbild von Häusern, Fenstern und Säulen im bewegten Wasser der Kanäle."
Nicht ganz sicher ist sich Marc Reichwein von der Welt, was er davon halten soll, dass die RAF und ihre Embleme jetzt auch zum Gegenstand designhistorischer Diplomarbeiten geworden ist. Allerdings weist die begleitende Ausstellung in Leipzig dann doch "eine semiotische Sprengkraft eigenen Werts" auf: "Das Anliegen der Ausstellung ist eine zeichentheoretische Entzauberung der RAF. ... Terrorismus ist, auf seine Weise und unabhängig von seiner Motivlage, immer eine Kommunikationsstrategie. Das ist für sich noch keine Erkenntnis, aber sehr wohl ein Anlass, die kommunikative Gemengelage als solche zu studieren."
Ist Mode ein Alleinstellungsmerkmal des Menschen? Oder haben auch Tiere etwas Vergleichbares? Mit diesen Fragen im Hinterkopf durchstreifttazler Helmut Höge die ästhetische Theorie der letzten Jahrzehnte und zieht auch einige Bücher aus der Biologie zurate, um zu dem Schluss zu kommen, dass die Mimikry als Grundimpuls für Mode auch bei Tieren durchaus anzutreffen ist. "Holländische Primatologen berichteten aus einem Affenreservat in Simbabwe, dass die Schimpansin Julie 2007 anfing, mit einem Grashalm hinterm Ohr herumzulaufen, woraufhin es ihr immer mehr Schimpansen in ihrer unmittelbaren Umgebung und dann auch darüber hinaus nachtaten. Laut Eva Meijer war dies 'das erste nachweisliche Beispiel einer Mode' bei Tieren. ... Bei Julie handelte es sich um einen typischen 'style-leader', vergleichbar etwa dem Fernsehstar SueEllen aus der Fernsehserie 'Dallas', deren Frisur von Zigmillionen Frauen nachgeahmt (kopiert) wurde: eine fast globale Mimikry." In diesem Sinne: Falls Sie Inspiration für den nächsten Besuch beim Friseur brauchen -
In der NZZgeht Philipp Meier der Frage nach, was eine gute Teekanne ausmacht: "'Yixing' müsste es sein. Und beim Klang dieses gleichsam magischen Worts, wenn es um chinesischen Tee geht, sollten einem sogleich zierliche kleine Teepots aus rötlichbraunem Ton vor den inneren Augen tanzen."
Wenn immer mehr Modedesigner in ihren Sommerkollektionen Comicelemente aufgreifen, dann ist das kein Ausweis von Jugendlichkeit mehr, schreibt Tilmann Prüfer in der Stilkolumne des ZeitMagazins: Comics "sind längst einNostalgie-Thema. Die Smartphone-Generation ist über das Blättern von gedruckten Heften hinweggekommen, was man auch daran sehen kann, dass in den vergangenen Jahren kein neuer internationaler Comic-Charakter mehr erfolgreich wurde. Comics sind heute ein Medium der Älteren."
In der Zeit dreht Hanno Rauterberg ein paar dicke Locken auf der Glatze des deutschen Gartens.
Im heutigen Offenbach-Schwerpunkt der FAZ singt Thomas Thiel ein Loblied auf die Hochschule für Gestaltung. Aus der Bauhaus- und Ulmer Tradition heraus entwickelte sich hier eine "stilbildende Design-Werkstätte. Die Offenbacher Produktsemantik von Jochen Groß, die das Kommunikationspotential eines Produkts in den Blick rückt, ist in Design-Kreisen weltweit ein Begriff. Der erste Markenbotschafter ist, wenn man so will, ein Offenbacher. Aus der Design-Sparte gingen namhafte Absolventen wie SebastianHerkner hervor, ein bekannter Möbeldesigner der Gegenwart."
Stefan Soltek erinnert im literarischen Wochenend-Essay der FAZ an die Typografien des Architekten PeterBehrens und des Gießerei-Unternehmers KarlKlingspors, "die das Schriftwesen von der Gegenwart in die Zukunft führte. Eckmann- und Behrens-Schrift markieren eindrucksvoll den Stilwandel der Jahre nach 1900, die Herausbildung des Jugendstils und seine Wandlung hin zu einer beruhigten, schließlich geometrisch geprägten Formensprache, die die Neue Sachlichkeit und dann das Bauhaus nach sich ziehen sollte."
Eine Ausstellung in Zürich befasst sich mit der 400 Jahre währenden Geschichte der Seidenproduktion in der Stadt, schreibt Claudia Mäder in der NZZ. Für Zürich war der wertvolle Stoff lange Zeit ein "zentraler Wirtschaftsfaktor", erfahren wir: "Von der Seidenindustrie gingen Impulse für den hiesigen Finanzplatz genauso aus wie für die Maschinenindustrie, und in ihr waren, wie eine Karte von 1871 zeigt, in gewissen Gegenden des Kantons zuzeiten bis zu 40 Prozent der Bevölkerung beschäftigt. ... Um 1900, als das Schweizer Seidengeschäft in voller Blüte stand, wurden Produkte für 240 Millionen Franken exportiert wurden. Die Uhren, im Vergleich, schafften es damals knapp auf die Hälfte."
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