Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.03.2016 - Design

SZlerin Laura Weißmüller begrüßt es sehr, dass das Vitra Design Museum in Weil am Rhein mit einer große Ausstellung zur Wiederentdeckung des bis in die 70er Jahre gefeierten Designers Alexander Girard einlädt: "Eine Moderne, die steril, standardisiert und allzu kühl daherkam, kurz: ziemlich genau so war wie das Industriedesign seiner Zeit, lehnte er ab. Er wollte Räume schaffen, in denen sich Menschen wohlfühlen. Farbe war ihm dabei das wichtigste Kommunikationsmittel." (oben: Der von Rudi Gernreich und Girard designte Poncho für das Restaurant La Fonda del Sol in New York, 1961. Foto: Charles Eamesl)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.03.2016 - Design

Die britische Vogue lässt sich zu ihrem Hundertjährigen mit einer glitzernden Ausstellung von der National Portrait Gallery feiern, berichtet Marion Löhndorf in der NZZ: "Die Ausstellung wird zu einer Ruhmeshalle, und mit ihr betreibt Vogue, die eben auch eine Machtmaschine ist, Modepolitik. Die Zeitschrift und mit ihr die Ausstellung spüren dem nach, was den Stil und die Schönheit der Stunde gerade definiert. Die Antworten sind vielfältig: Sehr schlank, sehr jung und sehr reich auszusehen, war im Modebusiness, wie sich beim Spazieren durch die Geschichte von 100 Jahren Vogue herausstellt, immer schon en vogue. Nur für Frauen, versteht sich. Andere Welten, wie die des Films, der (Pop-)Musik, der bildenden Kunst und des Alltags folgen anderen Gesetzen und eröffnen weiter gefasste Möglichkeiten. Aber auch die werden von Vogue immer gestreift. So dass der Reiz zwischen Exklusion und Inklusion nie ganz aus der Balance gerät." (Bild: Das Vogue-Cove einer unbeschwerten Ausgabe vom Sommer 1941)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.03.2016 - Design

Beim Besuch der historisch aufgefächerten Mode-Ausstellung "Catwalk" des Rijksmuseums in Amsterdam drängt sich Lena Bopp in der FAZ eine Erkenntnis auf: "Silhouetten verändern sich langsam und kehren wieder, ganz gleich, ob man diese Wiederkehr als 'retro' oder 'neo-style' bezeichnet. Details aber, in Form von Stickereien, hand- oder maschinell gefertigter Spitze, Pailletten, Perlen, Ansteckblumen, Borten oder eingestickter Goldfaser, sind und bleiben häufig einzigartig." (Bild: Hochzeitskleid von 1759. Foto: Erwin Olaf / Rijksmuseum Amsterdam)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.03.2016 - Design

Richtig aufregend findet Hans-Albrecht Koch, was Klaus Junker und Sina Tauchert in ihrem Band "Helenas Töchter" über Frauenmode in der griechischen Antike zusammentragen: "Mit dem Übergang von den Schemen geometrischer Muster zur Gegenständlichkeit früharchaischer Vasenmalerei erhöht sich die Präzision der Wiedergabe. So erkennt man, wie jeweils aus einem rechteckigen Tuch das Untergewand und der Mantel gefaltet und mit Fibeln zusammengehalten werden. Tontafeln des sechsten vorchristlichen Jahrhunderts geben einen Eindruck von der Farbigkeit der Frauengewänder. Die Technik des Färbens ist ein Beispiel von vielen dafür, wie sehr die Kostümgeschichte immer auch mit der Geschichte von Handwerk und Handel verbunden ist." (Foto: Athena in Peplos mit kurzem Überschlag. Um 460 v. Chr. Olympia, Museum: Zeus-Tempel - Metope.)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.03.2016 - Design

Dem Marta in Herford ist mit der Ausstellung "Brutal schön: Gewalt und Gegenwartsdesign" in Herford "eine bunte Show der Mahnung und des Schreckens" gelungen, "mit der dieses Kunst- und Designmuseum seinen eigenen Gegenstand ziemlich grundsätzlich infrage stellt", schreibt Till Briegleb in der SZ, nicht ohne Hinweis auf eine weitere designkritische Ausstellung im Museum Morsbroich in Leverkusen, die allerdings auf eine anderen Strategie setzt: "Statt destruktive gesellschaftliche Prozesse zu beschreiben, behandelt die von Fritz Emslander kuratierte Ausstellung den individuellen Widerstand gegen designkonforme Lebensführung."
Stichwörter: Designkritik, Lebensführung

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.03.2016 - Design


Cape und Rock, aus der Voltage Haute Couture Kollection 2013 von Iris van Herpen und Neri Oxman. Mit dem 3D-Drucker gedruckt von Stratasys. © M. Zoeter x Iris van Herpen. Foto von Ronald Stoops

Morgen eröffnet im Museum of Fine Arts, Boston (MFA) eine Schau, die den Einfluss neuer Technologien auf die Mode zum Thema hat, meldet Dezeen. 60 Kleidungsstücke zeigen, was man heute alles machen kann: Ledercapes, die je nach Licht, Wärme und Wind die Farbe wechseln. Kleider, die sich unabhänging von der Trägerin bewegen, ein lebendiges Kleid, dass Tweets darstellt oder ein interaktives Kleid, dass Bilder aus dem Museum darstellt, die Betrachter mit dem Ipad auswählen können.

Außerdem stellt Dezeen im Interview mit Chefredakteur Nathan Williams das neue, auf Instagram unglaublich erfolgreiche und wirklich sehr schöne Designmagazin Kinfolk aus Portland vor.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.02.2016 - Design

Paul Andreas huldigt in der Welt dem Industriedesigern Tönis Käo, dem das Reddot Design Museum Essen eine Ausstellung widmet. Unter anderem entwickelte Käo für Siemens das Telefon ohne Wählscheibe, den berühmten Fernsprechtischapparat FeTAp 751. "Die fortschreitende Miniaturisierung in der elektronischen Kommunikationstechnik bis zum völligen Verschwinden der Dinge vorausahnend, entwickelt Käo bereits 1980 den Prototypen eines ausklappbaren Handys im Scheckkartenformat; 1987 ergänzt er diese Vorstellung um einen Laptop-Dummy im DIN-A4-Format. Beides befindet sich heute in der Neuen Sammlung in der Pinakothek der Moderne, weil es sinnvolle, standardisierte Normen formuliert, die von der Produktwelt nicht weiter unterboten werden sollten." (Tastentelefon "Fernsprechtischapparat 751", Deutsche Bundespost, Design Tõnis Käo und Herbert Krämer, 1970; Foto: Dot Design Museum)

In der NZZ besucht Jürgen Tietz mit der 1919 gegründeten Frauensiedlung Loheland einen fast vergessenen Ort der Moderne: "Für Furore sorgten die Loheländerinnen nicht nur mit ihrer speziellen Form der Gymnastik, sondern auch mit dem daraus abgeleiteten Ausdruckstanz. Deutschlandweit traten die Schülerinnen Hedwig von Rohdens und Louise Langgaards auf, auch im Bauhaus in Weimar. Die ausdrucksstarken Tanzbewegungen von Eva Maria Deinhardt, Berta Müller und Edith Sutor wurden durch eigenwillige, teilweise bemerkenswert freizügige Kostüme unterstützt." Auch züchteten die Damen Deutsche Doggen.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.02.2016 - Design

Im Zeit-Magazin stellt Claire Beermann den neuen Chefdesigner von Balenciaga vor. Demna Gvasalia heißt er, ist in Georgien geboren und 2000 mit seinen Eltern nach Düsseldorf gezogen. Im Gespräch singt er ein kleines Loblied auf den deutschen Modesinn: "Ich liebe die Art, wie sich die Deutschen kleiden: pragmatisch und bodenständig. Manchmal vielleicht etwas trocken, aber auch das finde ich inspirierend. Der Stil der Deutschen interessiert mich viel mehr als der Stil der Italiener oder Franzosen. Die Deutschen ziehen sich so an, wie sie sich benehmen: ordentlich und strukturiert. Mir gefällt diese Mentalität."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.02.2016 - Design


links: László Moholy-Nagy, ohne Titel, um 1935/Tasse, Wilhelm Wagenfeld, 1931; rechts: Hans Hansen, ohne Titel, 1995 (Service 639, Wilhelm Wagenfeld, 1934

Bettina Maria Brosowsky besucht für die NZZ eine interessante Ausstellung im Bremer Wilhelm Wagenfeld-Haus, die nachzeichnet, wie die neusachliche Fotografie die Formgestaltung ästhetisierte: "Stets stand der haptische Gebrauchswert eines Alltagsgegenstandes im Mittelpunkt der Formfindungsprozesse Wagenfelds. Deshalb sah er nicht die Zeichenmaschine, sondern die Modellwerkstatt als eigentliche Geburtsstätte neuer Geräte. Mitarbeiter bezeichneten später Wagenfelds Methode als ein 'Sehen mit der Hand'. Aber auf eine visuelle Beweisführung, das 'Fühlen mit dem Auge' verzichtete Wagenfeld in seinem Arbeitsprozess natürlich keineswegs. Nicht nur seine Zeichnungen - Entwurfsskizzen wie vermasste Werkpläne gleichermaßen - sind von ästhetischer Autonomie."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.02.2016 - Design


Hübsch bunt und keine rechten Winkel: Sofa von Josef Frank aus den dreißiger Jahren.

Marcus Woellner besucht für die Welt die große Retrospektive, die das Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien dem Architekten und Designer Josef Frank widmet. "Against Design" heißt sie, denn Frank war überzeugt, dass "glatte, maschinell hergestellte Produkte" Unrast erzeugen: "Wie kann einer gestalten, der gegen Design ist? Und wie kann man der Moderne ein menschliches Antlitz verleihen, ohne ins Doktrinäre zu verfallen, wie viele seiner Kollegen? Franks Modernismus speist sich aus seiner Unzufriedenheit
- an eigentlich allem. Es muss an seinem Charakter gelegen haben, dass aus diesem Hader kein Frust wurde, sondern eine noch heute in die Zukunft weisende Nonchalance. Josef Frank ist der Designer der Lässigkeit."
Stichwörter: Frank, Josef, Modernismus