Cees Nooteboom hat die Literatur, auch in Deutschland, seit den siebziger Jahren mitgeprägt. Die Nachrufe in den Zeitungen werden erst morgen folgen. "Abschied" hieß einer seiner letzten Bände mit Gedichten aus der Corona-Zeit. "Blind lauf ich weiter, ein fahler Hund / in der Kälte. Hier muss es sein, / hier nehm ich von mir Abschied / und werde dann langsam // niemand." Hier die Liste seiner Bücher im Perlentaucher. Foto: Hpschaefer unter Creative Commons-Lizenz bei Wikimedia Commons.
Die Agenturen melden, dass der SchriftstellerCeesNooteboom gestorben ist. Der Literarischen Weltverrät der Journalist PhilippPeymannEngel (online nachgereicht), welche Lektüren ihn besonders gesprägt haben. Besprochen werden unter anderem PatriciaCleveland-Pecks und DavidTazzymans Kinderbuch "Dürfen Elefanten mit dem Bus zu ihren Tanten" (FR), EceTemelkurans "Nation of Strangers" (Zeit) und JunkoTakases "Richtig gutes Essen" (FAZ). Mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Eberhard Spree, Anna-Magdalena-Bach-Experte mit entsprechender Webpräsenz, listet in der FAZ penibel auf, an welchen Stellen ChristophHein in seinem aktuellen Buch mit Bach-Novellen über die Grenzen des faktisch Belegbaren hinaus fabuliert. Dass Johann Sebastian Bach - nur exemplarisch herausgegriffen - in Arnstadt "lebensgefährlich" angegangen worden sei und "in wilder Ehe" gelebt haben soll, sei "mal etwas ganz Neues". Sicher, "Novellen sind keine Berichte, die sich streng an Fakten halten. Sie leben von der künstlerischen Freiheit. Die Nutzung der Namen von Anna Magdalena und Johann Sebastian Bach sowie anderer historischer Persönlichkeiten suggeriert aber, das Büchlein würde unsere Kenntnisse über sie erweitern. Das ist nicht der Fall. Das Nichtzutreffende zu erkennen und wieder aus dem Kopf herauszubekommen, dürfte dagegen schwierig sein."
Weiteres: In den von der Weltonline nachgereichten Actionszenen der Weltliteratur erinnert Mladen Gladić an ErnestHemingways Reise nach Italien 1923. Besprochen werden unter anderem JulianBarnes' "Abschied(e)" (Standard), ThibaultVermots und AlexW. Inkers Comic "Krimi - Die Geschichte hinter Fritz Langs 'M'" (FD), Florian Klenks Biografie über die österreichische Serienmörderin ElfriedeBlauensteiner (NZZ) und neue Sachbücher (FAZ). Mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau.
Larissa Kunert stellt in der FAZ das literarische Schaffen von AlexanderEstis vor. Einen Roman hat er bislang nicht vorgelegt und er hat dies wohl auch nicht vor, wenn man einer satirischen "Miniatur" in der Zeitschrift Sinn und Form glauben kann, in dem er das romanlose Leben eines Schriftstellers als große Tugend darstellt. Stattdessen "verfasst er Miniaturen, Glossen, Aphorismen, bündige Parabeln - oft in satirischem Ton, oft ausnehmend absurd, wobei Komik und Tragik nah beieinanderliegen." Seine Kurztexte "erinnern ... in ihrer sorgfältig komponierten Absurdität ein wenig an die Kafkas Kurzgeschichten. Allerdings ist Estis' Sprache facettenreicher, man stößt hier auf viele Wörter und Wendungen, die nichts mit der funktionalen Kühle Kafkas zu tun haben. Mitunter wirkt das wie verstaubt oder hochgestochen." Doch "vor allem zeigt sich darin eine uneingeschränkte Lust an der Sprache, daran, die subtilsten Unterschiede in Klang, Konnotation und Bedeutung immer wieder aufs Neue auszuloten."
Weitere Artikel: Heike Hellebrand denkt auf 54books über die anhaltende Popularität von Spionageromanen nach. Besprochen werden RobertMenasses Novelle "Die Lebensentscheidung" (NZZ), BarbaraHonigmanns "Mischka" (SZ) und SebastianSchmidts "Powerschaum" (FAZ). Dazu mehr in unserer Bücherschau.
Außerdem jetzt online: Unser Bücherbrief des Monats mit den besten Büchern im Februar.
Besprochen werden unter anderem MargaretAtwoods Memoiren (taz), BarbaraHonigmanns "Mischka" (NZZ), LeonEnglers "Botanik des Wahnsinns" (Standard), neue Comics aus Südkorea (Tsp), SteffenMartus' "Erzählte Welt. Eine Literaturgeschichte der Gegenwart, 1989 bis heute" (Standard), FelixPhilippIngolds "Paris als Exil. Die Einwanderung aus Russland 1910 bis 1940" (NZZ) und DavidHugendicks Essay "Jetzt sag doch endlich was. Über das Stottern" (SZ). Dazu mehr in unserer Bücherschau.
Die Schriftstellerin MaricaBodrožić denkt in "Bilder und Zeiten" der FAZ über verschiedende Reden von VáclavHavel und dessen Appelle an Freiheit und Mitmenschlichkeit nach und fragt sich: "Wo sind heute Menschen seines Formats?" Und welche Schriftsteller halten den utopischen Überschuss einer sich öffnenden Welt heute noch aufrecht? "Nach einer unendlich bleiernen Zeit ließ sich auf dem gesamten Kontinent erleben, wie die Freude eine kurze Zeit lang in Mut und Gestaltungswillen übergingen. Heute ist dieser Umbruchsmoment schon wie in die Untiefen der Geschichte abgesunken, aber er kann ein Muster der Zuversicht in die Welt holen, wenn Klarheit darüber besteht, dass alles möglich ist, wenn man es selbst nicht als Ideenraum auslöscht, bevor er sich überhaupt entwickelt hat. ... Bewusstsein, Werte und Ideale müssen nun unter Druck selbst gelebt werden. Und vieles ist schon in der Umzingelung durch die Lüge und unnötiges Taktieren verraten worden."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Weitere Artikel: Im Literaturfeature von DlfKulturporträtiert Michael Hillebrecht den im Exil lebenden libyschen SchriftstellerHishamMatar. Francesca Polistina blickt für "Bilder und Zeiten" auf die Sportbegeisterung der italienischen Literatur, doch "von der Lebensfreude und Leichtigkeit, die viele Schriftsteller nach den Olympischen Spielen von 1956 empfanden, ist in der heutigen Literatur wenig zu spüren". Andreas Isenschmid hat derweil für "Bilder und Zeiten" den vor 150 Jahren erschienenen Roman "Daniel Deronda" von GeorgeEliot - ein Pseudonym Mary Ann Evans - aus dem Regal geholt. Und Marc Zitzmann erinnert in "Bilder und Zeiten" an die Briefeschreiberin Marie de Sévigné. Außerdem kürt die Jury des Dlf Kultur in Form einer PDF die besten Krimis des Monats - hier alle Bücher, zu denen wir Rezensionsnotizen haben, das CrimeMagflankiert mit Besprechungen.
Besprochen werden unter anderem BarbaraHonigmanns "Mischka" (taz), AndrejPlatonows "Der Staatsbewohner" (FR), JillJohnsons Krimi "Nachtschattengewächse" (taz), EceTemelkurans "Nation of Strangers" (FAZ), SonLewandowskis "Die Routinen" (FAS) und DenisPfabes' "Die Möglichkeit einer Ordnung" (LitWelt). Dazu mehr in unserer Bücherschau.
In der online nachgereichten Frankfurter Anthologie schreibt Werner von Koppenfels über EmilyDickinsons "Mein Hirn entfiel mir":
"Mein Hirn entfiel mir - Seele taubt - In den Adern das Pulsieren Erstarrt abrupt - zur Perfektion ..."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Leonie C. Wagner porträtiert in der NZZ die SchriftstellerinElisaShuaDespin, deren autobiografisch geprägter Debütroman "Winter in Sokcho" gerade aktuell fürs Kino adaptiert wurde (unsere Kritik). Für die Zeit hat David Hugendick in Tokio die Buchhandlung Morioka besucht, in der es nur ein einziges Buch gibt.
Besprochen werden unter anderem EliasHirschls "Schleifen" (FR), eine Neuausgabe des Weltraum-Versepos "Aniara" des Literaturnobelpreisträgers HarryMartinson (Intellectures), der fünfte Band der von HenrikSchrat illustrierten "Grimms Märchen" (taz), AntjeRávik Strubels Essay "'Kein Schnee, nimmermehr'. Neunzig Kilometer Mutmaßungen übers Skifahren, das Schreiben und den Tod" (SZ) und ReginaKehns Comic "Einmal kurz nicht aufgepasst!" (SZ). Mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau.
Robert Mießner berichtet in der taz von seinem Besuch in der Akademie der Künste, wo Vor- und Nachlass des 2023 verstorbenen DDR-Underground-Dichters und Anarchisten BertPapenfuß eingelagert sind und in den morgen Nachmittag der Öffentlichkeit ein Einblick gewährt wird. Besprochen werden unter anderem UlrikeDraesners "penelopes sch()iff. Postepos" (Zeit Online) DavidBs Comic "Monsieur Chouette" (FAZ.net), DorotaMaslowskas "Im Paradies" (NZZ) und AlaaAl-Aswanis "Die Bäume streifen durch Alexandria" (FR). Mehr in unserer Bücherschau.
"Klassikerzuvereinfachen, ist kein Frevel an der Literatur", wenngleich es auch nicht schaden könne, wenn Texte auch mal zu "Knobelaufgaben" werden. So lautet der versöhnliche Befund, den Thomas Ribi aus der neutralen Schweiz in der NZZ zur deutschen Kontroverse um Literaturklassiker in einfacher Sprache im Deutschunterricht beisteuert. Diese sagt vor allem etwas aus "über das Verhältnis der Deutschen zu ihren Klassikern: Man liest sie zwar kaum und macht sich über bildungsbürgerliches Gebaren lustig. Aber man hält sie in Ehren. Und wenn sich jemand erdreistet, sie zum Leben zu erwecken, reagiert man empört, sobald man den Eindruck hat, der nötige Respekt werde nicht gewahrt. Nur: Respekt hält Goethe, Lessing, Kleist und Co. nicht am Leben. In England ist WilliamShakespeare an allen Schulen Pflichtlektüre. Manche seiner Stücke werden schon in der zweiten oder dritten Klasse gelesen - selbstverständlich in vereinfachten Ausgaben. Mit dem Erfolg, dass 'Hamlet', 'König Lear', 'Viel Lärm um nichts', 'Romeo und Julia' oder 'Der Sturm' auch vierhundertfünfzig Jahre nachdem sie geschrieben worden sind, noch lebendigesKulturgut sind."
Weitere Artikel: Marie Schmidt porträtiert in der SZ die Verlegerinnen ConstanzeNeumann, die bislang bei Aufbau tätig war und nun den Publikumsverlag BasteiLübbe literarisch neu aufstellen will, und HeideKloth, die Neumann bei Aufbau nachfolgt. Besprochen werden unter anderem KatharinaPragers Biografie über KarlKraus (Standard), Frauke Buchholz' Krimi "Endzeit" (FR), KjellWestös "Dämmerung" (FAZ) und JulyaRabinowichs Jugendroman "Mo & Moritz" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau.
Sonja Zekri porträtiert in der SZDoryManor und MosheSakal, die entgegen allen ungünstigen Gegenwartszeichen in Berlin mit Altneuland einen Verlag für hebräischeLiteratur gegründet haben. "Die Wahl des Druckorts ist mehr als eine logistische Entscheidung, es ist eine verlegerische Geste von größter Symbolik. Denn Sakal und Manor wollen von ihrem Loft in Berlin aus nichts Geringeres als das Hebräische aus der Verschmelzung mit Israel lösen, wollen es als eigenen literarischen Raum, als Kultur- und Gedankenraum etablieren, ein intellektuelles Universum aus eigenem Recht und aus eigener Kraft mit globalem Anspruch. Dass sie damit Widerspruch auslösen, vielleicht Empörung, ist ihnen bewusst. 'Wir verleugnen unsere Herkunft als Israelis nicht, aber wir erweitern sie um ein größeres Verständnis von Judentum', sagt Sakal. ... Der Markt in Deutschland, in Europa wird wachsen, davon sind sie überzeugt. Viele Israelis seien verstört und entfremdet von einer immer rechteren Regierung, immer neuen Kriegen. 'Sie werden das Land verlassen', sagt Sakal: 'Und dann brauchen sie Bücher.'"
Außerdem: Die Welt hat Mladen Gladićs Porträt des Verlegers und Börsenverein-Vorstehers SebastianGuggolz online nachgereicht. Besprochen werden unter anderem MichalAjvaz' Prag-Roman "Die andere Stadt" (NZZ) und neue Sachbücher (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Matthias Heine empfiehlt in der WeltMarjaneSatrapis Comicklassiker "Persepolis", um die Revolten im Iran in den letzten Jahren besser zu verstehen. Mit MargaretAtwoods Science-Fiction-Klassiker "Der Report der Magd" lässt sich nachvollziehen, wie in den USA mit ICEdystopischeVerhältnisse normalisiert werden sollen, schreibt Barbara Peveling auf 54books. Uli Kreikebaum porträtiert in der FRChristophPoschenrieder, der im Alter von 61 Jahren angekündigt hat, nach fünfzehn Jahren als Schriftsteller künftig lieber Straßenbahnen in München zu fahren statt weiterhin Bücher zu schreiben.
Besprochen werden unter anderem LeïlaSlimanis "Trag das Feuer weiter" (Standard), der Band "Wir müssen wahre Sätze finden" mit Gesprächen mit IngeborgBachmann (Standard), MartinaHefters Gedichtband "Es könnte auch schön werden" (taz) und neue Kriminalromane, darunter RobertBracks "Die nackte Haut" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau.
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