Eben darbte er noch in den Verliesen des algerischen Regimes, nun wird Boualem Sansal unsterblich, weil er von französischen Kollegen in die Académie française gewählt worden ist, und muss sich einen Frack grün besticken und ein Schwert anfertigen lassen. Kamel Daoudbegrüßt diesen Schritt in Le Point und denkt über das pathologische Verhältnis zwischen Algerien, dem "größten frankophonen Land außerhalb der Organisation internationale de la francophonie", und Frankreich nach. In Algerien wird das Französische in Schulen und Ämtern systematisch zurückgedrängt. Schriftsteller, die auf Französisch schreiben, wie Sansal oder Daoud selbst, werden nicht mehr als Brückenbauer betrachtet, sondern als Dissidenten, die zu bekämpfen sind. "Das heutige Algerien träumt nicht mehr von einer Versöhnung mit Frankreich, gestützt auf seine frankophonen Schriftsteller als Vermittler zur Universalität und lebendige Verbindungen zur Welt. Es träumt vielmehr von Abschottung, einem imaginären Krieg mit Frankreich und einer Überhöhung der Identität. Diese Hysterie führt zur Isolation der Algerier, verdrängt sie aus der Gegenwart und stürzt sie in kulturelles Elend und Sinnlosigkeit."
Bestellen Sie bei eichendorff21!"Dass es so was noch gibt", freut sich Bernhard Heckler in seinem SZ-Bericht vom offenbar eher nicht so erfolgreichen Versuch, mit dem jungen österreichischen SchriftstellerEliasHirschl ein smalltalkig-flauschiges Gespräch in einem Wiener Café zu führen. Aber Hirschl "ist die angenehm sperrige Antithese zum modernen Erfolgsschriftsteller", der nicht draufloslabert, sondern lieber zuhört, beobachtet, schreibt. Da passt es ja, dass in "Schleifen", Hirschls "kopfsprengendem, mindestens fünfdimensionalen, psychedelischen Wahnsinnswerk", "die Hauptprotagonistin die Sprache selbst" ist, meint Heckler. Das Buch "ist ein Urknall aus Sprachspielereien und Buchstabenvolten" und dabei "so kompliziert harmonisch, dass auch der verifizierte Ideenriese und Büchnerpreisträger ClemensJ. Setz anerkennend attestiert: 'So viel Unendlichkeit enthalten Romane normalerweise nicht.' 'Schleifen' hat vierhundert Seiten und pro Seite mindestens fünf originelle Einfälle, das heißt, in dem Buch stecken mindestens zweitausend originelle Einfälle."
Besprochen werden unter anderem StefanieSargnagels "Opernball" (FR), RagnarAlbuus Bilderbuch "Auf der Suche nach Georg" (FR) und FlorianKlenks "Ausreden. Elfriede Blauensteiner. Ein Bekenntnis" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Mit seinem neuen Roman "Bambino" schildert MarcoBalzano anhand eines Jungen, der bei den Schwarzhemden Karriere als Schläger macht, den Aufstieg des historischen Faschismus in Italien. Dass er dabei keinen politischen Player porträtiert, sondern eine völlig nebensächliche Figur der Geschichte, ist eine bewusste Entscheidung, verrät der italienische Schriftsteller im SZ-Gespräch: "Ich wollte zeigen, wie es ist, die Welt aus der Perspektive von einem zu betrachten, der am Bösen beteiligt ist. Oder, wie Hannah Arendt es genannt hat: die Banalität des Bösen. ... Er ist ein x-beliebigerFaschist, kein Mussolini, kein Hitler, kein Stalin, er hat nicht mal eine ausgeprägte eigene politische Meinung. ... Diktaturen setzen auf Leute wie Bambino, die schwach sind und sich anpassen."
Außerdem: Mit regem Interesse verfolgt Eva Goldbach in der FAZ neue Forschungsmethoden, die es gestatten, die Tinte in Hölderlins Handschriften zu analysieren und damit insbesondere undatierte Manuskripte zeitlich präziser zu verorten und den verschiedenen Aufenthaltsorten Hölderlins exakter zuzuordnen. Erstaunt nimmt Nils Minkmar in der SZ zur Kenntnis, dass MichelHouellebecq nun auch unter die Chansonniers gegangen ist, auch wenn der Schriftsteller in einem französischen Radiointerview kürzlich zu Protokoll gab, Chansons zwar zu lieben, selbst aber gar nicht singen zu können. Auf dem für März angekündigten Album geht es wie bei Houellebecq zu erwarten um "Krieg, UntergangundVerderben".
Besprochen werden unter anderem UllyArndts Comicadaption von HeinzStrunksRoman "Der goldene Handschuh" (taz), RobertoGrossis Comic "Die große Verdrängung" (FAZ.net), AnkeFeuchtenbergers Comic "Der Spalt" (Jungle World), AlexanderSchnickmanns Lyrikband "Gestirne" (FR) und JoanDidions "Notizen für John" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau.
Alexander Menden resümiert in der SZ das Kölner Lyrikfestival Poetica. Im Standardschreibt Alexandra Millner zum Tod der Lyrikerin EmilyArtmann, die nur 50 Jahre alt wurde. In der FAZ kann sich Tilman Spreckelsen gut vorstellen, dass Joachim Kaufmann als neuer Leiter die zuletzt sichtlich gebeutelte Frankfurter Buchmesse wieder nach vorne bringen kann, zumal Kaufmann bereits den CarlsenVerlag durch beherzte Strukuränderungen erheblich anwachsen lassen konnte. Unter dem Insta-Hashtag #iceoutcomics dokumentieren Indie-Comickünstler Eindrücke von ICE-Übergriffen und zivilgesellschaftlicherGegenwehr, berichtet Lars von Törne im Tagesspiegel.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Zum Holocaust-Gedenktag erinnert Dirk Schümer in der Welt an ImreKértesz' Roman "Kaddisch für ein nicht geborenes Kind": "Das Großartig-Niederschmetternde dieses 1990 erschienenen Buches liegt in der Schrift gewordenen Erkenntnis des Autors, dass sich nicht mehr in beschreibenden Worten von den Abläufen im Vernichtungslager erzählen lässt, dass Opfer wie Täter, Farben wie Gerüche, Verbrechen wie Heldentaten angesichts der wahren Begebenheiten als Literatur zu Kitsch verkommen. Also spricht Kertész von der großen Verneinung wie früher Theologen vom unnennbaren Gott: verhüllt, in Umschreibungen und Umwegen, in der Negation. Erst spät entdeckte Kertész, wie er selber erklärt hat, in der radikal subjektiven Prosa von ThomasBernhard den grimmig-ironischen Fließtext, in der er sein eigenes Erzählprojekt vom Nichts bewerkstelligen konnte. Im Kaddisch erkennt Kertész - gerichtet an eine zärtlich umschriebene Leere - nurmehr die Literatur 'als geistige Existenzform, genauer als Existenzform des Überlebens, die ein gewisses Überleben nicht mehr überlebt.'"
Außerdem bringt die FAZ zum Holocaust-Gedenktag mit "Stützpunkt Ponary" eine Erzählung von JózefMackiewicz, die laut Teaser "in Polen ... als einer der wichtigsten literarischen Texte über die Shoa" gilt, in Deutschland aber bislang nur einmal 1992 veröffentlicht wurde.
Besprochen werden unter anderem AnatoliKusnezows "Babyn Jar. Roman eines Augenzeugen" (taz, unsere Kritik), DimitréDinevs "Zeit der Mutigen" (NZZ), EliasHirschls "Schleifen" (Standard) und MargaretAtwoods Memoiren "Book of Lives" (FAZ). Mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau.
Fürs Literatur-Feature von Dlf Kultur hat sich Miriam Zeh in die Welt von BookTokbegeben. Michael Schmitt erinnert in der FAZ an die Kinderbücher von JamesKrüss, der vor bald hundert Jahren geboren wurde.
Besprochen werden unter anderem EliSharabis "491 Tage. In den Tunneln der Hamas" (Jungle World), PeterPayers Biografie über den einst sehr populären, von den Nazis ermordeten Schriftsteller Ludwig Hirschfeld (Standard), RieQudans "Tokyo Sympathy Tower" (NZZ), PhilippeCollins "Der Barmann des Ritz" (Standard) und Kristina Ohlssons Kinder-Thriller "Flammenrad" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Im Literaturfeature von Dlf Kulturporträtiert Wiebke Porombka den SchriftstellerKalebErdmann, der mit seinem Roman "Die Ausweichschule" den Erfurter Amoklauf von 2002 verarbeitet, den er selbst überlebt hat. In "Bilder und Zeiten" der FAZ denkt die SchriftstellerinOlgaMartynova über JosephBrodksy nach und was den russischen Nobelpreisträger, der zeitlebens alles andere als ein russsischer Nationalist gewesen ist, in den frühen Neunzigern zu seinem (allerdings nie publizierten, sondern nur vorgetragenen) sarkastischem Schmähgedicht "Auf die Unabhängigkeit der Ukraine" getrieben haben mag. In der Welt porträtiert Mladen Gladic den Verleger und Lektor SebastianGuggolz, der seit letztem Herbst auch dem Börsenverein des deutschen Buchhandels vorsteht. Die Welt hat Sarah Pines' Porträt der SchriftstellerinLilyBrett online nachgereicht. Fedora Wesseler (NZZ) und Wulf Segebrecht (im "Literarischen Leben" der FAZ) erinnern an E.T.A. Hoffmann, der heute vor 250 Jahren geboren wurde.
Besprochen werden unter anderem neue Bücher von ArturBecker (FR), ViktorMartinowitschs "Das Gute siegt" (taz), FranLocks "Manifest für eine Arbeiter:innen-klassenpoetik" (taz), AndrejPlatonows Erzählband "Der Staatsbewohner" (Standard), Henning Köhlers "Das Haus Koerfer. Eine Familiengeschichte im 20. Jahrhundert" (NZZ), StefanieSargnagels "Opernball - Zu Besuch bei der Hautevolee" (FAS), Marie-JanineCalics "Balkan-Odyssee 1933-1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa" (FAZ) und DavidHugendicks Essay "Jetzt sag doch endlich was. Über das Stottern" (WamS). Mehr in unserer Bücherschau.
In der Frankfurter Anthologie schreibt Peter-André Alt über Hans Magnus Enzensbergers "das herz von grönland":
"ich wollte das nordlicht loben, denn es ist schön und wird nicht zuschanden ..."
Julia Encke schreibt in der FAZ über Leben und Werk der SchriftstellerinLeïlaSlimani. Gregor Dotzauer blickt im Tagesspiegel auf 250 Jahre E.T.A. Hoffmann.
Besprochen werden unter anderem CésarAiras "Der Hase" (FR), MariamNaiems, YuliaVus' und IvanKypibidas Comic "Eine kurze Geschichte eines langen Konflikts. Ukraine und Russland" (taz), SabaSams' "Wir sind das Leben" (FR) und PeterSchneiders "Die Frau an der Bushaltestelle" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau.
Gegen die Seelenlosigkeit der KI-Text-Schwemme hilft nur der Rückzug in die Lyrik, ist Jens Ulrich Eckard in der Weltüberzeugt. Das wird die KI zwar nicht aufhalten, schafft aber Resilienz: "Generative KI macht uns einmal mehr klar: Der Mensch ist nichts Besonderes, seine Kommunikation ist reproduzierbar und sein 'Haus des Seins', wie Heidegger die Sprache nannte, hat er sich fortan mit den Algorithmen zu teilen. Gegen die Schwemmgebiete im Digitalen, die sprachliche Landschaften aus Kies und Geröll hinterlassen, hilft somit nur die Ausweichbewegung in die Höhe. Das Gedicht als karstiger Fels, in dessen Spalten züngelnde Salamander hausen. Wer Weltfremdheit aushält, wird dort oben eine schöne Zeit haben."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Mit seinem autobiografisch grundierten Roman "Babyn Jar" erinnert AnatoliKusnezow an den Überfall der Deutschen auf die Sowjetunion und an das Massaker, das ein deutsches Sonderkommando in der Schlucht Babyn Jar an 33.000 Juden verübt hat. Ursprünglich erschien der Roman 1965 in der Sowjetunion - und wurde dort prompt schwer zensiert. Gut, dass Kusnezow in der nun vorliegenden deutschen Fassung "die ursprünglich zensierten Teile kenntlich gemacht hat und die Zensurbehörden der Sowjetunion in all ihrer Absurdität vorführt", schreibtPerlentaucherin Benita Berthmann. "Als die Deutschen in Kiew einziehen, lässt er eine Anwohnerin einen deutschen Soldaten als 'jung und so hübsch' beschreiben. Hübsch ist gestrichen, hübsch darf er nicht sein, der Deutsche, zumindest wenn es nach der Zensur geht. Das löst einerseits Kopfschütteln aus und macht andererseits den unendlich wichtigen doppelten Dokumentencharakter des Buches sichtbar: Den Geschehnissen in Babyn Jar wird ebenso ein Denkmal gesetzt wie der strammen Zwangsjacke der finsteren sowjetischen Zensurpolitik. Kusnezow fordert damit aber auch von seinen Leserinnen und Lesern, auf mehreren Ebenen gleichzeitig zu denken: Auf der des Kindes im Krieg, auf der des Schriftstellers in der immer noch antisemitisch geprägten Sowjetunion der 1960er-Jahre, auf der des Exilierten, der seinen Text fernab der krakenhaft darüber wachenden Behörden im Westen überarbeitet." Alle sprechen über Trad-Wives - Frauen also, die sich auf Social Media bewusst nach traditionellen Rollenbildern inszenieren und diese auch propagieren -, aber niemand über WeirdGirls. Darauf stürzt sich gerade BookTok, berichtet Amely Wild in der SZ. "Zeitgenössische Romane, in denen Frauen zu extremenMitteln greifen, Außenseiterpositionen einnehmen, sich durch und durch merkwürdig verhalten, gibt es bereits seit einigen Jahren. Doch ausgerechnet jetzt werden diese Bücher in den sozialen Medien wiederentdeckt, verstärkt rezipiert und gefeiert. ... Nach kurzer Suche stößt man dort auf Tausende, meist englischsprachige Videos" zum Thema. "Die Bandbreite der Romane, die in den kurzen Clips empfohlen werden, ist enorm, umfasst sowohl Neuerscheinungen als auch Wiederentdeckungen. Und natürlich wurde in diesem Jahr längst der #weirdgirlwinter ausgerufen."
Weiteres: Timo Posselt porträtiert in der ZeitLaaliLyberth, die mit ihrem Inuit Verlag der grönländischen Literatur in Deutschland ein Forum bieten will. Dirk Knipphals macht sich in der taz Gedanken darüber, ob der zünftige Verriss wirklich noch das Eingangstor in die Welt des Feuilletons darstellt. Patrick Bahners berichtet in der FAZ von einem Marbacher Abend mit MichaelKrüger. Judith von Sternburg schreibt in der FR einen Nachruf auf den Literaturwissenschaftler und Dichter KarlRiha.
Besprochen werden unter anderem SonLewandowskis "Die Routinen" (NZZ), JeganaDschabbarowas "Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt" (taz), LiliKörbers "Abschied von gestern" (FR), Michal Ajvaz' "Die andere Stadt" (taz), CamilleJourdys Comic "Pippin & Olivia" (FAZ.net), Andrej Platonows Erzählband "Der Staatsbewohner" (Zeit), Magnus Wielands "Schreibmaschinen. Eine Geschichte des Tippens" (FAZ) und Stefan Hertmans' "Dius" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau.
Alexander Schimmelbusch antwortet in der Welt auf Mladen Gladic, der ihn dort mit teils eher raunenden Argumenten für einen in der FAZ veröffentlichten Text über PeterHandkekritisiert hat. Schimmelbusch hatte Handke als eine Art Vorreiter heutiger Diskursstrategien von Populisten gezeichnet (unser Resümee). Zum Vorwurf macht Gladic Schimmelbusch unter anderem, dass dieser auf ein Interview zurückgegriffen hat, von dem Handke sich Jahre später distanziert habe. Handke aber, entgegnet Schimmelbusch, distanziert sich immer mal wieder von Aussagen, nur um sie später doch wieder durch die Hintertür zu bekräftigen und sei es durch angebliche Verhaspelungen. Schimmelbuschs Beleg: Dass Handke über Jahre hinweg mit geschmacklosen Gleichsetzungen immer wieder den Holocaust relativiert hat - etwa als er 1999 meinte, dass kein Volk im 20. Jahrhundert so gelitten habe, wie die Serben und dass deren Leid, anders als der Holocaust, eine "Tragödie ohne Grund" sei. "Moment mal, soll das heißen, bei den Juden gab es einen Grund? Was will Handke hier genau sagen? Okay, er hat sich auch davon distanziert, aber: So etwas kommt einem Menschen doch nicht über die Lippen, wenn es ihm nicht im Kopf herumgeistert? Mal ganz konkret: Wem ist das noch passiert, dass er das angebliche Leid irgendeiner Gruppe wie der Serben ohne Absicht sowie entgegen der eigenen Überzeugung im Zuge eines Interviews im Fernsehen über jenes der europäischen Juden gestellt hat? Das wird man ja wohl noch fragen dürfen! "
Außerdem: In der FRdenktAleidaAssmann über das Verschwinden der Handschrift als Kulturtechnik nach. Besprochen werden unter anderem HansWollschlägers Romanfragment Der Fall Adams" (Jungle World), der fünfte Band des Briefwechsels zwischen SigmundFreud und MarthaBernays (NZZ), Mick Herrons Krimi "Down Cemetery Road" (FR) und ScholastiqueMukasongas "Sister Deborah" (FAZ). Mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau.
Dass Literaturklassikerin einfacher Sprache auch an Gymnasien Einzug halten, wo sie doch ursprünglich für den Deutschunterricht an anderen Schulen (Grundschule, Hauptschule etc.) gedacht waren (mehr dazu hier), hat nach Ansicht von Heike Schmoll in der FAZ auch damit zu tun, dass das "Gymnasium längst zu einer Art Einheitsschule geworden ist, die mit unterschiedlichsten Schülern und Sprachniveaus zurechtkommen muss." Hinzu kommt, dass Literatur im Deutschunterricht lediglich "funktionalisiert" werde, "um sprachliche, kommunikative und mediale Fähigkeiten einzuüben. ... Dabei bietet die Schule für die meisten Schüler die einzige Möglichkeit, die Hürde zu einer fremd wirkenden sprachlichen Welt zu überwinden. Die erste Lektüre eines klassischen literarischen Textes erfordert Anstrengung, mehrfachesLesen, Sicheinlassen auf eine andere, neue Welt, sich auf eine gedankliche Erkundung zu begeben." Die Folge? Auch "viele Studenten beherrschen den Umgang mit schwierigeren Texten nicht."
Außerdem: Marc Reichwein zieht es für die Welt mit ThomasMann und HermannHesse auf die Skipiste. Besprochen werden unter anderem StéphaneBetbeders und RémiTorregrossas Comic-Biografie über RomySchneider (FD) sowie PatriciaThomas gemeinsam mit Jugendlichen der Jugendarrestanstalt Berlin-Brandenburg gestalteter Comic "Im Jugendarrest" (taz). Mehr in unserer Bücherschau.
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