Magazinrundschau - Archiv

The American Interest

4 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 16.07.2019 - American Interest

Jeffrey Gedmin und Laure Mandeville führen ein lesenswertes Gespräch mit dem Krimiautor und Japan-Verehrer Boris Akunin, der Russland vor einiger Zeit verlassen hat - unter anderem, weil er gegen die Besetzung der Krim protestiert hat. Akunin ist auch Autor einer Geschichte Russlands und entwickelt die These, dass das Land immer wieder zum Autokratismus zurückkehren wird, weil es sonst seine gewaltige Fläche nicht beherrschen könne. Erst eine Dezentralisierung des Landes könne in die Demokratie führen. Auf die Frage, was der Westen für Russland tun könne, antwortet er: in Ruhe lassen. "Was der Westen dagegen meiner Meinung nach tun kann, ist, der Ukraine zu helfen, einem neuen Land, einer jungen Demokratie, noch instabil und verletzlich. Wenn die Demokratie in der Ukraine gewinnt, wäre das ein gewaltiger Antrieb für die demokratische Bewegung in Russland. Für uns ist die Ukraine eine Art alternatives Russland, ohne die Bürde einer imperialistischen Vergangenheit und mit der Freiheit, seine Führer zu wählen. Aber die Ukraine ist arm und desorganisiert. Die Russen blicken darauf und sagen sich: Demokratie ist nicht gut. Um es einfach zu machen: Wenn die Ukrainer in der Demokratie besser leben als die Russen, dann wird sich auch Russland in diese Richtung bewegen."

Magazinrundschau vom 03.01.2017 - American Interest

The American Interest gehört in der Regel nicht zu den Quellen, die von Anne Applebaum oder Jay Rosen retweetet werden. Die Zeitschrift gilt als eines der Sprachrohre der Neocons. Aber James S. Henrys Recherche über Donald Trumps persönliche Geschäftsbeziehungen zur Sphäre der russischen Oligarchen und ihnen nahestehenden Mafiosi liest sich wie der feuchte Traum eines Thrillerautors - was nicht heißt, dass das Stück nicht ganz trocken recherchiert ist. Henry greift unter anderem auf die "Panama Papers" zurück. Eine der mehr als farbigen Figuren aus Trumps Freundeskreis ist Felix Sater, der auf seiner Visitenkarte als "Senior Adviser of Donald Trump" firmiert und ein wichtiger Partner in Trumps Immobiliendeals ist. Seine Karriere begann früh: "1991 stach er in einer Bar in Manhattan einen Börsenhändler mit der Scherbe eines Margaritaglases ins Gesicht und durchtrennte einen Nerv. Er kam wegen dieser schweren Straftat ins Gefängnis. Trump erzählt nur, dass Sater 'in eine Schlägerei in einer Bar geraten ist, das passiert doch vielen Leuten'. Aber seine Gefängnisstrafe scheint nicht sehr lang gewesen zu sein, denn schon 1993 taucht der damals 27-jährige Sater in einem Joint Venture von vier New Yorker Familien des organisierten Verbrechens und russischen Gangstern wieder auf und wird Händler in einer in Brooklyn basierten Firma namens 'White Rock Partners', die die hohe Kunst des Finanzbetrugs an die Wall Street bringt."

Magazinrundschau vom 11.05.2010 - American Interest

American Interest hat einige amerikanische Intellektuelle angesichts der Krise in Europa zu Prognosen über die EU und die europäische Idee aufgefordert. Die Ergebnisse fallen nicht immer berauschend aus, auch nicht bei Walter Laqueur, der die auf dem Lissabonner Gipfel von 2000 formulierte rein ökonomische Verheißung für Europa kritisiert. Denn trotz des Wohlstands sieht Laqueur Europa als einen "Fall von subakuter Abulie - das ist ein zuerst im 19. Jahrhundert gebrauchter psychologischer Begriff für Willenlosigkeit. Bisher hat noch niemand, weder auf individueller, noch auf gesellschaftlicher Ebene eine zufriedenstellende Erklärung für diesen Zustand gefunden... Er scheint weniger mit Wirtschaft und mehr mit Glauben zu tun zu haben, einem Glauben an Werte.... Man fühlt sich nicht mehr als Teil einer Mission auf der Suche nach einer besseren Welt. Was einer gemeinsamen noblen Sache noch am nächsten kommt, ist ein kraftloser Umweltschutzgedanke als kleinster gemeinsamer Nenner. Aber das Gebot, grünes von braunem Glas zu trennen, erzeugt an sich wenig gemeinsame Emphase."
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Magazinrundschau vom 18.12.2007 - American Interest

Der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa feiert die mestizaje - den fortschreitenden Mix der Rassen - des lateinamerikanischen Kontinents. Und dann sagt er etwas, dass sich auch etliche Europäer, Asiaten, Afrikaner und Araber hinter die Ohren schreiben könnten: "Trotz Lateinamerikas Universalität ist der Versuch, seine Identität zu definieren eine immer wiederkehrende Obsession. Meiner Ansicht nach ist das ein nutzloses Unternehmen, gefährlich und unmöglich, denn eine Identität können nur Individuen, nicht Kollektive haben, jedenfalls wenn sie über die Stammesform hinausgewachsen sind. Nur in den primitivsten Gesellschaften, in denen das Individuum ausschließlich als Teil des Stammes existiert, hat die Vorstellung von einer kollektiven Identität eine raison d'etre." Die Künstler haben diese Art zu denken längst überwunden, meint Vargas Llosa, wenn jetzt noch die Politiker folgen könnten...