Der amerikanische Autor
Gideon Lewis-Kraus erklärt im
Interview, warum er für sein neues Buch "A Sense of Direction:
Pilgrimage for the Restless and the Hopeful"
Berlin als Ausgangsbasis benutzt hat: "Als ich in San Francisco lebte und alle möglichen Jobs machen musste um über die Runden zu kommen - Ich habe lange Zeit als Bibliograf gearbeitet und ich habe für einen Minilohn in einem Buchladen gearbeitet und ich habe als Lektor gearbeitet und ich habe einen Sommer lang im Hauptquartier von
The Gap gesessen und habe
Anheizer für Lesezirkel geschrieben - in der Zeit habe ich mir selten Fragen gestellt wie 'Warum habe ich gerade die letzte Stunde damit verbracht,
Vom Frühling in den Herbst mit Old Navy Denim! zu schreiben?'. Weil die Antwort klar war: Ich musste die Miete bezahlen. Aber als ich an einen Ort zog, wo die
Miete nicht der Rede wert war, öffnete ich die Tür zu einer paralysierenden Bewusstwerdung des Werts jeder Aktivität. Es gab kein Entkommen vor der Frage 'Mache ich jetzt gerade
das Beste aus dieser Stunde?'"
Julie Otsuka, deren Roman über japanische "Fotobräute" in den 30ern, 40ern wir
vorgeblättert haben, erzählt im
Interview, wie sie auf dieses Thema gestoßen ist: "Während ich [für einen anderen Roman] getourt bin, sprach ich mit einer Anzahl von Kaliforniern, die während des
Zweiten Weltkriegs gelebt hatten und die mir erzählten, sie hätten 'nicht gewusst', dass es
Lager [
für Japaner] gegeben hätte. Ich fragte mich, wie das sein konnte. Wie konnten sie nicht bemerken, dasss ihre Nachbarn und
Klassenkameraden verschwanden? Die Evakuierungs-Zettel hingen überall und konnten kaum übersehen werden. Eine Frau, die in der ersten Klasse war, als der Krieg ausbrach, erzählte mir, dass sie in der Schule neben einem japanisch-amerikanischen Mädchen saß. Eines Tages verschwand das Mädchen und sie fragte sich immer, was aus ihr geworden sein. Darum war ich vor allem interessiert, wie
weiße Kinder das Verschwinden ihrer japanischen Klassenkameraden verarbeiteten. Was erzählten ihnen ihre Lehrer, was erzählten ihnen ihre Eltern? Ich erinnere mich, dass meine Mutter mir nach ihrer Rückkehr aus dem 'camp' nach dem Krieg erzählte, keine ihrer Klassenkameraden habe sie jemals gefragt, wo sie die
letzten dreieinhalb Jahre gewesen war. Sie kannte diese Klassenkameraden, seit sie fünf Jahre alt war. Sie sagten nur
Hallo, als sei
nichts passiert."