Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 10.02.2026 - New York Times

Ruth Margalit porträtiert den linken israelischen Politiker Yair Golan, der sicher der Wunschkandidat der New York Times als Nachfolger Netanjahus wäre - im Oktober soll gewählt werden. Er sei der einzige, der an einer Zweistaatenlösung festhält. Den Gazakrieg hätte er im Februar 2024 beendet. Er ist ein ehemaliger General, den Netanjahu sogar eine Zeitlang als Oberkommandierenden der IDF ins Auge gefasst hatte. Aber dann kam eine Episode, die ihn israelweit berühmt machte. Für Margalit beweist sie die moralische Integrität Golans. Ein israelischer Soldat hatte im Jahr 2016 einen schwer verletzten, aber wehrlosen Selbstmordattentäter aus nächster Nähe erschossen. Golan hatte diese Tat scharf verurteilt und vor einem Niedergang Israels gewarnt. "Was folgte, war ein Ausbruch öffentlicher Empörung. 'Unsere Soldaten werden mit Nazis verglichen', schimpfte ein Minister der Regierung. Die Forderungen nach Golans Entlassung wurden immer lauter. 'Von diesem Moment an gab es keine Familie in Israel mehr, die den Namen Yair Golan nicht kannte', sagt ein lokaler Fernsehjournalist. Golan sagt, dass der damalige israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman ihm in einem privaten Gespräch mitgeteilt hätte, dass Netanjahu ihn nicht mehr für die Spitzenposition der IDF in Betracht ziehen würde. Golan wollte das nicht glauben. Für ihn war seine Äußerung nicht politisch. 'Ich dachte, ich würde lediglich vor aktuellen Tendenzen warnen', erinnert er sich. Zum ersten Mal war er gezwungen, über eine Zukunft außerhalb der Armee nachzudenken."
Stichwörter: Golan, Jair, Israel

Magazinrundschau vom 26.01.2026 - New York Times

Drei Opinion-Page-Kolumnisten der New York Times, Lydia Polgreen, David French und Michelle Goldberg, führen ein längeres und instruktives Gespräch über den historischen Bruch, den die Ereignisse von Minneapolis für die Geschichte der USA darstellen. Renée Good und Alex Pretti wurden von Trumps ICE-Polizisten erschossen, obwohl sie niemanden bedroht hatten. Gewiss, es ist nicht das erste Mal, dass Ordnungskräfte Gewalt gegen Bürger ausüben - aber David French beschreibt die neue Situation so: "Die Trump-Regierung verstößt gegen das Gesetz und nutzt zugleich rücksichtslos alle ihr gesetzlich zustehenden Schutzmechanismen aus. Diese Situation ist für einen Rechtsstaat untragbar." Der Interviewer Matthew Rose fühlt sich an das Buch "Der Doppelstaat" von Ernst Fraenkel erinnert. Der Autor der Frankfurter Schule beschreibt mit diesem Begriff den Weg der Nazis in den Totalitarismus. Der Staat entwickelte demnach ein Doppelgesicht. Für Bürger, die sich politisch nicht einmischen, behält er eine gewisse Berechenbarkeit (der "Normenstaat"), während er in gewissen Situationen immer öfter zu Terror greift (der "Maßnahmenstaat"). "Die Nazis haben ihren totalitären Staat nicht sofort errichtet. Stattdessen gelang es ihnen, einen Großteil der Bevölkerung einzulullen, indem sie ihr Leben relativ normal weiterlaufen ließen", warnt French. Und Polgreen fürchtet: "Es könnte zu einem regelrechten Bürgerkrieg kommen, mit bewaffneten Menschen auf verschiedenen Seiten. Bereits jetzt befindet sich die örtliche Polizei in einer unangenehmen Zwischenposition zwischen Zivilisten und Bundesbeamten. Die Lage könnte sich noch verschlimmern, wenn es zu einem Konflikt zwischen der von Gouverneur Tim Walz eingesetzten Nationalgarde und den von Trump eingesetzten Bundestruppen kommt, die sich darüber uneinig sind, wer die Befugnis hat, das Gewaltmonopol des Staates auszuüben."

Ein ganzes Autorenteam hat Dutzende Videos aus Iran gesichtet. Nicht alle werden in dem Artikel eingebettet, manche zeigen (etwa hier) ganze Leichenberge in Krankenhäusern. Die Autoren haben mit Ärzten in vielen iranischen Städten telefoniert - sie geben keine Schätzung ab, anders als die Autoren von Time (unser Resümee), die eine Totenzahl von mindestens 30.000 schätzen - aber dass wesentlich mehr Menschen bei den Unruhen ermordet wurden, als bisher von Menschenrechtsorganisationen benannt, wird auch hier klar. "Eine Krankenschwester im Nikan-Krankenhaus in Teheran sagte, das Krankenhaus gleiche einem Kriegsgebiet. Ein Arzt im Shohada Tajrish-Krankenhaus im Norden Teherans, einer großen staatlichen medizinischen Einrichtung, sagte, dass das Personal in den beiden gewalttätigsten Tagen, dem 9. und 10. Januar, durchschnittlich etwa siebzig Demonstranten mit Schussverletzungen pro Stunde versorgte. Viele Patienten seien bei ihrer Ankunft oder kurz danach bereits tot gewesen. In einer Audiobotschaft, die der Times zugespielt wurde, bezeichnete ein Arzt in Mashhad die Situation in seinem Krankenhaus als 'erschreckend'. Zusätzlich zu der erschreckend hohen Zahl verletzter Demonstranten seien Sicherheitskräfte aufgetaucht und hätten Zugang zu den Patienten verlangt, um sie zu verhaften. Er sagte, ein Team von Ärzten habe in einer Villa außerhalb der Stadt eine Ad-hoc-Triage-Einheit eingerichtet, wo sie Patienten behandelten, die sich zu sehr fürchteten, um in ein Krankenhaus zu gehen."

Magazinrundschau vom 06.01.2026 - New York Times

Es lohnt sich den Text der New York Times zum fünften Jahrestag des 6. Januar 2021 zu lesen. Er ist vom ganzen "editorial board" gezeichnet und schafft es in geradezu erhabener Einfachheit die Konsequenzen der Stürmung des Kapitols herauszuarbeiten, mit der Trump 1.0 endete und mit der die Grundlagen für sein heute noch viel schlimmeres Regime gelegt wurden: "Es mag inzwischen fast vergessen sein, doch schien der Senat damals kurz davor, ihn zu verurteilen und ihm das Amt zu entziehen", erinnern die Autoren des Textes. Es gab sowohl politische, als auch juristische Initiativen, eine zweite Amtszeit Trumps unmöglich zu machen, aber sie zerfielen. Und die Erfahrung der Straflosigkeit bot Trump eine kostbare Munition: "Er und seine Berater kamen zu dem Schluss, dass Einschüchterung und Gesetzlosigkeit selbst unter scheinbar aussichtslosen und manchmal illegalen Umständen zum Erfolg führen können." Sofort nach seinem Amtsantritt begnadigte Trump die übelsten Extremisten und lieferte damit eine Botschaft, die bis heute wirkt: "Wenn du das Gesetz brichst, um mich zu schützen, wirst du unterstützt. Wenn du das Gesetz gegen mich aufrechterhältst, wirst du bestraft." Die Autoren benennen am Schluss ihres Textes als einzigen Hoffnungsfaktor, dass Trumps Popularität sinkt und er demnächst Wahlen verlieren könnte.

In einer sehr ausführlichen und höchst kenntnisreichen Reportage erzählt  C.J. Chivers, wie Drohnen im Ukrainekrieg den Krieg an sich revolutionieren - als neue Technologie seien sie nur mit dem Maschinengewehr vergleichbar, das Ende des 19. Jahrhunderts alle Kriegführung auf den Kopf stellte. Aber wie alle Revolutionen enthält auch diese wie eine russische Puppe mehrere Umwälzungen in einem. Denn die Entwicklung ist äußerst dynamisch und jetzt bei Drohnen angelangt, die keinen Funkkontakt mit dem Schützen mehr brauchen, weil sie ihr Ziel mit künstlicher Intelligenz verfolgen, und zwar, wie Chivers es ausdrückt, "mit der Zähigkeit eines besessenen Vogels" - der Abschuss erfolgt, moralisch bedenklich, ohne Zutun des Schützen, der allerdings den Vorgang noch stoppen kann. Chivers beschreibt, wie die Drohne "Bumblebee" (an der übrigens der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt mit einem Startup beteiligt ist) in einem Versuch ein fahrendes Auto verfolgt, aus sechzig Meter Höhe oder auch aus 150 Meter Höhe, und dann zu ihm herabsinkt. Noch gibt es viele Schwierigkeiten zu überwinden. "Aber mit mehr Training und Rechenleistung könnte die Software verbessert werden, um militärische Ziele anhand ihrer Wiederbeschaffungskosten oder ihrer Gefährlichkeit zu erkennen und zu priorisieren, oder so optimiert werden, dass sie gepanzerte Fahrzeuge an verwundbaren Stellen trifft, beispielsweise an Auspuffgittern oder an den Verbindungsstellen zwischen Turm und Rumpf. Sie könnte darauf trainiert werden, fast alles zu jagen - einen Bus, ein geparktes Flugzeug, ein Rednerpult, an dem ein Redner vor Publikum spricht, einen Transformator, der Strom an ein Netz verteilt." Kriege schaffen solche Umwälzungen, sagt der Techniker Yurii, mit dem Chivers gesprochen hat. "Wer weiß, wohin das führen wird. Aber wenn es der internationalen Gemeinschaft Sorgen bereitet, dann hätte sie den Krieg längst stoppen müssen."

Magazinrundschau vom 02.12.2025 - New York Times

Auch in den USA sind E-Bikes schwer angesagt. Sie fahren zum Teil noch schneller als in Europa, und noch weiß Amerika nicht, ab welchem Grad sie einen Führerschein und ein Kennzeichen erfordern. Aber eins ist klar: Die Zahl der tödlichen Unfälle, in die E-Bikes verwickelt sind, ist drastisch gestiegen - so wie auch in Deutschland, auch wenn nicht so viel darüber geredet wird - 2022 wurden laut taz immerhin 5.600 Fußgänger in Deutschland durch Zusammenstöße mit E-Bikes verletzt: "Unfallforscher fordern Konsequenzen." In Amerika, so berichtet David Darlington in einer langen Recherche, herrscht absolutes regulatorisches Chaos. Jede Stadt erlässt andere Vorschriften. Die fettesten E-Bikes werden auch in New York von Lieferfahrern gefahren, was die Regulierung schwieriger macht: "Bürgermeister Eric Adams hat mit der Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 15 Meilen für E-Bikes reagiert, aber da so viele Lieferanten Einwanderer sind, hat das Thema eine gesellschaftspolitische Dimension angenommen. Um benachteiligte Menschen nicht zu kriminalisieren oder ihnen 'gute Beschäftigungsmöglichkeiten' nicht vorzuenthalten, empfiehlt Ben Furnas vom Fahrradverband 'Transportation Alternatives', den Verkauf von E-Bikes der Klasse 3 zu verbieten (solche E-Bikes haben einen Gashebel und können beschleunigen, ohne dass man die Pedale benutzt, d.Red.). Er fügt hinzu, dass er sich auch 'weitaus strengere Vorschriften für das Ökosystem der Liefer-Apps' wünscht, 'damit die Arbeitnehmer nicht unter Druck gesetzt werden, gegen die Regeln zu verstoßen, um ihre Ziele zu erreichen' - eine Position, die auch der designierte Bürgermeister Zohran Mamdani teilt." Und bis dahin gilt Augen auf auf Fußwegen.
Stichwörter: E-Bikes

Magazinrundschau vom 11.11.2025 - New York Times

Dies ist eine amerikanische Reportage, wie sie früher waren, nüchtern, ohne Kitsch wie er im deutschen Seite-3-Stil üblich ist, düster, aber packend. Christopher John Chivers erzählt von der Rettung des ukrainischen Soldaten Aleksandr, dem von einer Drohne die Wade und die Hand zerschossen wurden, und von der endlosen Nacht, die er zubringen musste, bevor ihm eine ukrainische Drohne den Weg zur Rettung wies. Er hatte Glück. Viele werden nach Stunden des Wartens von Drohnen aufgespürt und zerfetzt. Das Gebiet zwischen den Fronten und vor der Front ist ständiger Überwachung durch die Drohnen ausgesetzt, eine völlig neue Qualität, so Chivers. Bis zum Afghanistan-Krieg gab es auf Schlachtfeldern die Faustregel der "Golden Hour". Innerhalb dieser Zeit sollte für verletzte Soldaten Rettung kommen, die Überlebenschancen waren so relativ gut. "Der zunehmende Einsatz von Drohnen über der Ukraine hat solche Ideale völlig auf den Kopf gestellt. Die Wartezeit eines verwundeten Soldaten, bis er einen Arzt erreicht, dauert nun oft so lange wie zu den schlimmsten Zeiten des Ersten Weltkriegs. 'Aufgrund der hohen Drohnenaktivität kann es manchmal ein, zwei oder drei Tage dauern, bis ein Soldat evakuiert werden kann', sagt Oberleutnant Daria, Anästhesistin in einer versteckten Notaufnahme oder Stabilisierungsstation in der Nähe von Charkiw… Laut Lt. Daria halten sich russische Drohnenteams nicht an die gesetzlichen Schutzbestimmungen für medizinisches Personal. 'In unserem Militärfachbereich an der Universität haben wir gelernt, dass laut den Genfer Konventionen Sanitäter auf dem Schlachtfeld nicht angegriffen werden dürfen', sagt sie. 'In diesem Krieg funktioniert das nicht. Evakuierungsteams sind für Russland wichtige Ziele.'"

Magazinrundschau vom 04.11.2025 - New York Times

Es gibt in der Rechtstheorie etwas, das nennt sich die "Vagheitsdoktrin". Sie besagt, dass Rechtsstaaten präzise Gesetze erlassen, alle autokratischen oder diktatorischen Regimes dagegen vorsätzlich ungenaue Gesetze, die ein Regime der Angst schaffen. Das ist genau Donald Trumps Rechtspraxis, erläutert Matthew Purdy im New York Times Magazine. Zum Beispiel hat er "damit gedroht, Anwaltskanzleien finanziell zu bestrafen, die seiner Meinung nach gegen das 'nationale Interesse' handeln - ein undefinierter Maßstab, den er teilweise auf ihre Verbindung zu Streitigkeiten, die ihm nicht gefallen, und zu Anwälten, die er als Feinde betrachtet, stützt. In gewisser Weise schafft Trump ein ganz eigenes System von Regeln und Strafen. Und wenn diese Regeln vage definiert sind - anders als beispielsweise Geschwindigkeitsbegrenzungen oder sogar komplexe Finanzvorschriften -, gibt es keine Garantie dafür, dass sich jemand sicher außerhalb der Zone der Regelverstöße bewegen kann. Daher ist nicht abzusehen, wer als Nächstes außerhalb der Grenzen erwischt wird und welche Strafe verhängt werden könnte." Gerichte weisen solche Rechtspraktiken übrigens oft zurück, aber das macht nichts, denn im Alltag erzeugen sie ausreichend Ängste, etwa wenn es an Schulen um die Themen Gender oder Gleichstellung geht. Purdy zitiert einen Lehrer aus New Hampshire, der heutzutage Angst hat, Toni Morrisons "Menschenkind", Joseph Conrads "Herz der Finsternis" und sogar Jane Austens "Solz und Voruteil durchzunehmen und der klagt, dass "ein Angstschauer durch die Klassenräume zieht". Nun empfiehlt dieses Vorbild demokratischen Muts diese Bücher nur noch zur Lektüre, macht sie aber nicht mehr zum Lehrstoff.

Magazinrundschau vom 21.10.2025 - New York Times

Der schärfste innerisraelische Konflikt betrifft den Gegensatz der Mehrheitsgesellschaft und der Ultraorthodoxen oder Haredim, die einen immer größeren Zorn auf sich ziehen, weil sie sich dem Wehrdienst verweigern, schreibt Joshua Leifer in einer ausführlichen Reportage: "Die Angst, dass Israel in seiner Existenz bedroht sei, hatte zu einem neuen Ethos der Aufopferung geführt. Fast alle israelischen Juden haben die Belastungen der letzten zwei Jahre persönlich zu spüren bekommen - mit Ausnahme der Haredim. 'Eine Haredi-Mutter wacht nicht um 2 Uhr morgens auf und macht sich Sorgen um ihren Sohn in Gaza oder an der Grenze zum Libanon', sagt Assaf Malchi, Senior Researcher am Israel Democracy Institute, als wir im Juli mit ihm sprechen. 'Solange die Haredim eine kleine Bevölkerungsgruppe waren, war das kein so großes Problem.' Aber da die Haredim mittlerweile etwa 18 Prozent aller 18-Jährigen ausmachen, ist die Situation unhaltbar und für viele unerträglich geworden, erklärte Malchi mir. 'Dies Modell ist nicht gerecht.' Offiziell müssen inzwischen auch die Ultraorthodoxen Wehrdienst leisten - aber die meisten kommen nicht. Und die wenigen, die kommen, sind meist keine wirkliche Ultraorthodoxen, sondern religiöse Zionisten und extreme Nationalisten - das bringt wiederum die israelische Armee in Verruf. "In den letzten fünf Jahren waren einige dieser Einheiten an schweren Übergriffen gegen Palästinenser beteiligt... Im Frühjahr 2024 erwog die Biden-Regierung, das Netzah-Yehuda-Bataillon wegen 'schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen' mit Sanktionen zu belegen."
Stichwörter: Israel, Ultraorthodoxe Juden

Magazinrundschau vom 14.10.2025 - New York Times

Die Hamas hat ihre genozidalen Verbrechen am 7. Oktober 2023 ja sofort geleugnet, nachdem sie sie verübt und in sozialen Medien euphorisch gefeiert hatte. Darum sind Beweise wichtig. Israelische Behörden haben in den Tunnel-Labyrinthen ein handschriftliches Dokument von Yahya Sinwar gefunden - es war in einem Computer abgebildet, den man bei seinem Bruder Mohammad fand und der an keinerlei Internet angeschlossen war. Ronen Bergman und Adam Rasgon berichten über dieses sechsseitige Memo und zitieren außerdem aus Befehlen der Hamas am 7. Oktober selbst, die abgehört wurden. "Die Aktionen der Gruppe, so heißt es in dem Memo, sollten in die arabische Welt übertragen werden, um Menschen außerhalb des Gazastreifens zu mobilisieren, sich dem Kampf anzuschließen. Der Plan sah vor, dass Palästinenser im Westjordanland, Araber in Israel und 'unsere Nation' - entweder eine Anspielung auf Araber oder Muslime oder beides - 'positiv auf Aufrufe reagieren würden, sich der Revolution anzuschließen'. 'Den Befehlshabern der Einheiten muss klar gemacht werden, dass sie diese Aktionen gezielt durchführen, filmen und die Bilder so schnell wie möglich verbreiten sollen', heißt es in dem Memo. In den abgefangenen Gesprächen vom 7. Oktober sind Hamas-Kommandeure zu hören, die Kämpfer dazu auffordern, ihre Aktionen zu filmen, um andere zu ermutigen, sich dem Kampf anzuschließen. 'Dokumentiert die Schreckensszenen jetzt und sendet sie über Fernsehsender in die ganze Welt', sagt ein Kommandeur aus Gaza-Stadt namens Abu al-Baraa zu Aktivisten im Gebiet des Kibbuz Sa'ad. 'Schlachtet sie ab. Macht den Kindern Israels ein Ende.'"
Stichwörter: Sinwar, Yahya, 7. Oktober, Hamas

Magazinrundschau vom 15.07.2025 - New York Times

Der Perlentaucher ist nicht der erste, dem es auffällt (mehr hier und hier). Drei New-York-Times-Reporter schreiben einen Artikel, um zu erzählen, "wie Netanjahu den Krieg verlängerte, nur um an der Macht zu bleiben". Und dann steht mitten in dem Artikel ein Absatz, der dieser gesamten Aussage diametral widerspricht: "Es ist natürlich unmöglich zu behaupten, dass Netanjahu wichtige Kriegsentscheidungen ausschließlich um seines eigenen politischen Überlebens willen getroffen hat. Sein persönliches Streben nach Macht ist oft untrennbar mit echtem Patriotismus verbunden - und mit der immer wieder von ihm geäußerten Überzeugung, dass nur er allein weiß, wie Israel am besten zu verteidigen ist. Abgesehen von seinen eigenen Motiven ist Krieg ein komplexer, chaotischer Prozess mit vielen täglichen Variablen, die ihre Eigengesetzlichkeit haben. Wie alle israelischen Premierminister hat auch Netanjahu keine vollständige Kontrolle über eine weitläufige Verwaltung voller konkurrierender Fraktionen und Interessen. Seine Feinde im Libanon und im Iran stellten eine echte Bedrohung für Israel dar, und ihre Niederlage hat die Sicherheit Israels gestärkt."

Magazinrundschau vom 08.07.2025 - New York Times

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Ted Conover, Autor eines Buchs über den Staat Colorado, geht der trüben Realität nach, die hinter Donald Trumps Instrumentalisierung der Zustände in der Stadt Aurora bei Denver liegt. Cindy Romero, venezolanischen Ursprungs, hatte per Video festgehalten, wie eine kleine Gang von Kriminellen, ebenfalls venezolanischen Ursprungs, in ihr Wohngebäude einbrach. Es kam zu einer Schießerei, das Video kursierte. Trump leitete daraus ab, dass ganz Aurora in der Hand einer venezolanischen Gang war und begründete darauf seinen Gewaltakt der Ausweisung hunderter illegaler Immigranten. Die Sache ist, dass Aurora zwar nicht in der Hand einer Gang ist - aber Conover schildert Gewaltszenen in der Stadt, die wiederum von Trumps Gegnern eher totgeschwiegen wurden. "Je mehr Aurora im Zentrum von Trumps Anti-Einwanderungsrhetorik stand, desto größer wurde die Versuchung unter demokratischen Politikern und Aktivisten, die Berichte über Bandenkriminalität in der Stadt als Halluzinationen der Rechten abzutun. Aber ihre Weigerung, die Gewalt anzuerkennen, die einige Einwohner mit eigenen Augen sahen, wirkte nicht beruhigend, sondern wie eine Ausblendung. Bei der Kundgebung bezeichnete sich Romero als 'ehemalige lebenslange Demokratin' und erklärte, dass die Leugnungen sie gegen die Partei aufgebracht hätten. Sie dankte Trump vor allem dafür, 'dass er mir geglaubt hat'."