Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 07.07.2020 - New York Times

Rasse, Rassismus ist etwas Äußerliches. Man kann darauf zeigen und dagegen vorgehen. Aber darunter, gewissermaßen unter der Haut, liegt eine Struktur, die Pulitzerpreisträgerin Isabel Wilkerson in einem lesenswerten Essay als Kastensystem beschreibt, das mit dem Indiens vergleichbar sei.  "In den Vereinigten Staaten treten Rassismus und Kastenwesen häufig zur gleichen Zeit auf, überschneiden sich oder gehören zum gleichen Szenario. Beim Kastenwesen geht es darum, sich gegenüber anderen zu positionieren und diese von der selben Position auszuschließen... Wie der Gips um einen gebrochenen Arm, wie die Besetzung in einem Theaterstück, hält ein Kastensystem jeden an einem festen Platz. ... Im Alltag ist es nicht Rassismus, der einen weißen Käufer in einem Bekleidungsgeschäft dazu veranlasst, auf eine beliebige schwarze oder braune Person, die ebenfalls einkauft, zuzugehen und nach einem Pullover in einer anderen Größe zu fragen ... Es ist die Kastenzugehörigkeit oder vielmehr die Einhaltung des Kastensystems. Es ist die autonome, unbewusste, reflexhafte Reaktion auf die Erwartungen von tausend bildgebenden Eingaben und neurologischen gesellschaftlichen Downloads, die Menschen auf der Grundlage ihres Aussehens, ihrer historischen Zuordnung oder der Merkmale und Stereotype, nach denen sie kategorisiert wurden, bestimmte Rollen zuweisen. Keine ethnische oder rassische Kategorie ist immun gegen die Botschaften, die wir alle über die Hierarchie erhalten, und so entkommt auch niemand ihren Folgen. Wenn wir davon ausgehen, dass eine Frau nicht in der Lage ist, ein Meeting zu leiten oder ein Unternehmen oder ein Land, oder dass eine farbige Person oder ein Einwanderer keine offizielle Autorität haben kann, nicht in einer bestimmten Gemeinde lebt, nicht eine bestimmte Schule hätte besuchen können oder es nicht verdient hätte, eine bestimmte Schule besucht zu haben, wenn wir einen Schock und Groll verspüren, eine persönliche Verletzung und ein Gefühl der Ungerechtigkeit und vielleicht sogar Scham über unser Unbehagen, wenn wir jemanden aus einer Randgruppe in einem Job, einem Auto, einem Haus, einem College oder einer Anstellung sehen, die prestigeträchtiger ist, als wir erwartet hätten, dann spiegeln wir die effiziente Kodierung der Kaste wieder, die unbewusste Annahme, dass die Person aus ihrem angenommenen Platz in unserer Gesellschaft herausgetreten ist. Wir reagieren auf unsere verinnerlichten Anweisungen, wer wo sein und wer was tun sollte, auf die Verletzung der Struktur und der Grenzen, die die Kennzeichen des Kastenwesens sind."

Weitere Artikel: Samanth Subramanian sucht - vergeblich, muss man leider sagen - zu ergründen, wie zwei srilankische Brüder aus einer äußerst erfolgreichen und wohlhabenden muslimischen Familie zum muslimischen Fanatikern mutieren konnten, die schließlich an einer Serie von Selbstmordattentaten in Colombo am Ostersonntag 2019 beteiligt waren, bei der insgesamt 269 Menschen getötet wurden. Und Jon Mooallem versucht, den Filmregisseur Charlie Kaufman zu porträtieren.

Magazinrundschau vom 30.06.2020 - New York Times

Natürlich sei eine Polizeireform notwendig, meint Nikole Hannah-Jones, aber wirklich helfen würde Schwarzen in Amerika ein Ausgleich der Vermögensverhältnisse. Dann könnten sich vielleicht auch Schwarze ein Haus in einem sicheren Viertel leisten, mit sicheren Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen. Deswegen fordert auch Hannah-Jones Kompensation für die Sklaverei, die den Schwarzen nach der Befreiung vorenthalten wurde, während über Generation hinweg weißen Einwanderern Land von der Regierung geschenkt wurde, die darauf ihr Vermögen aufbauen konnten: "Im Januar 1865 gab General William Tecumseh Sherman die Special Field Order 15 aus, mit der mehrere hunderttausend Acres ehemaliges Konföderierten-Land in South Carolina und Georgia an die befreiten Menschen verteilt werden sollte, in Parzellen von 40 Acres. Doch vier Monate später, im April, wurde Abraham Lincoln ermordet. Andrew Johnson, der rassistische Vizepräsident aus den Südstaaten, der die Regierung übernahm, brach das Versprechen, in Missachtung von Shermans Anordnung. Die meisten Amerikaner glaubten, dass die Schwarzen für ihre Befreiung dankbar sein sollten, dass mit dem Blutzoll des Bürgerkrieges alle Schuld getilgt sei. Die Regierung konfiszierte das Land der Familien wieder, die der Sklaverei entronnen waren und gerade ein bescheidenes Dasein jenseits der weißen Peitsche begonnen hatten. Sie gab es den Verrätern zurück. Und damit endete der einzige wirkliche Versuch dieser Nation, die schwarzen Amerikaner für 250 Jahre Sklaverei zu entschädigen."

Magazinrundschau vom 23.06.2020 - New York Times

Ein Beitrag von Ferris Jabr im neuen Heft befasst sich mit den Ursachen und Eigenheiten von Zoonosen, also Infektionskrankheiten, die - wie Corona - sich von Tier zu Mensch und umgekehrt übertragen: "Die Pathogene von Zoonosen suchen sich uns nicht aus, aber sie kommen auch nicht als reiner Zufall über uns. Wenn Krankheiten von Tier zu Mensch und umgekehrt wandern, dann aus dem Grund, dass wir die Ökosysteme, die wir miteinander teilen, auf eine Weise umgestaltet haben, die eine Übertragung viel wahrscheinlicher machen. Entwaldung, Bergbau, intensive Landwirtschaft und Zersiedelung zerstören natürliche Habitate und zwingen Wildtiere in die Nähe unserer Lebensgemeinschaften. Exzessive Bejagung, Handel und der Konsum von Wild steigern die Risiken von Infektionen zwischen den Spezies. Globaler Transport verbreitet gefährliche Mikroben in Stunden über den ganzen Erdball … Übertragung innerhalb einer Spezies ist unvermeidlich, aber die Frequenz und Schwere von Zoonosen unter Menschen kann nicht allein mit dem Zufall erklärt werden... Wir halten Schweine und Geflügel in rauen Mengen und ermöglichen so die Vermischung von Viren menschlichen und tierischen Ursprungs. Wir trocknen die natürliche Diversität aus, die das Infektionsgeschehen in Schach halten könnte. Tierische Erkrankungen sind weniger über uns gekommen als dass sie uns durch Kanäle erreicht haben, die wir erst geschaffen haben."

Weiteres: Chicagos Bürgermeisterin Lori Lightfood weist darauf hin, dass man nicht nur weißen, sondern auch vielen schwarzen Mittelschichtlern die Arbeitsplätze wegnimmt, wenn man der Polizei die Mittel kürzt. Außerdem meldet sich Jon Stewart, der Großmeister der Polit-Show, nach fünf Jahren zurück aus der Versenkung.
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Magazinrundschau vom 16.06.2020 - New York Times

Ein Beitrag von Kim Tingley im neuen Heft befasst sich mit den architektonischen Implikationen der Corona-Pandemie und betrachtet letztere als Design-Problem - das der Architekten-Thinktank MIX in Yale zu lösen versucht: "Das Chaos, das Covid-19 an einst vertrauten Orten verursacht hat, macht die Überlegungen dringlich: Kann MIX sein an Menschen mit besonderen Bedürfnissen orientiertes Konzept auf eine ganz und gar neue Wirklichkeit ausweiten? Architektur soll vermitteln zwischen den aktuellen Bedürfnissen und den noch nicht bekannten Bedürfnissen der Zukunft, zwischen den unmittelbaren Bedürfnissen unseres Körpers und dem Wunsch, etwas für kommende Generationen und darüber hinaus zu schaffen … Design, das für social distancing wirbt, könnte Räume grundsätzlich gastlicher machen … Die Kairoer Architektin Magda Mostafa ist für 'Flexibilität, Beweglichkeit und Unterteilbarkeit von Räumen, aber auch Orte mit unterschiedlicher Luftzirkulation'. Ihr Design beinhaltet Notausgänge aus stark frequentierten Räumen. Hört man den Designern dabei zu, wie sie Ansätze für ein Miteinander auf Abstand beschreiben, fällt es nicht schwer zu verstehen, wie Menschen mit Autismus oder anderen besonderen Bedürfnissen, die sich im öffentlichen Raum mit Problemen konfrontiert sehen, zu kreativen Lösungen des Raum-Virus-Problems beitragen und Verbesserungen vorschlagen können, die niemandem bisher in den Sinn gekommen sind. Vielleicht inspiriert Covid ja noch andere Kollaborationen."

Außerdem: Emily Bazelon überlegt, wie die amerikanische Polizei zu reformieren wäre. Steven Johnson erklärt, wie die Erhebung und Verarbeitung von Daten schon im 19. Jahrhundert im Kampf gegen Epidemien erfolgreich eingesetzt wurde. Und Clive Thompson macht sich Gedanken über das Homeoffice als neuem Standard.
Stichwörter: Corona, Covid-19

Magazinrundschau vom 02.06.2020 - New York Times

Die New York Times lässt ihre Reporter fürs Magazin Schlaglichter auf die desolate Wirtschaftslage in den verschiedenen Bundesstaaten werfen, doch ob in New Jersey, Nebraska oder Texas, überall bietet sich das gleiche Bild, das Nathaniel Rich für Louisiana so beschreibt: "Ein Bericht der National Ocean Industries Association schätzt, dass die Region um den Golf von Mexiko in diesem Jahr 50.000 Jobs in der Ölindustrie verlieren wird, 11.000 davon in Louisiana. Zum Vergleich: Die gesamte amerikanische Kohleindustrie beschäftigte bis März 50.000 Menschen. Der Tourismus, eine der größten Branchen in New Orleans, ist auf Null gesunken, die Flüge von seinem neuen, eine Milliarde teuren Flughafen auf drei Prozent. Der Präsident der Louisiana Shrimp Association sagt, dass fünf Prozent der Schrimps-Fischer noch den Hafen verlassen; der Vorsitzende der Louisiana Oyster Task Force schätzt, dass die Nachfrage nach Austern 'so um 99 Prozent' gefallen ist. Im April lagen die Steuereinnahmen des Staates eine halbe Milliarde Dollar unter den Erwartungen, ein Fall, den die Finanzbehörde 'surreal' nannte."

Aus Milwaukee ergänzt Matthew Desmond, dass in keinem Staat die Mittelklasse so geschrumpft ist wie in Wisconson zwischen 2000 und 2013: Vierzig Prozent der von Weißen und 51 Prozent der von Schwarzen geführten Geschäfte mussten allein nach der Finanzkrise 2008 geschlossen werden: "Die amerikanische Wirtschaft ist nicht mehr wie eine Christbaumkugel geformt, in der Mitte dick und rund, oben und unten abgeflacht, sondern wie ein Stundenglass ... Ökonomen beobachten das Schwinden der amerikanischen Mittelklasse seit mehreren Dekaden und verbinden sie mit stagnierenden Löhnen und der schwindenden Macht der Gewerkschaften. Zur gleichen Zeit sind aber die Kosten für Minivans, Häuser, Gesundheit und Studiengebühren gestiegen. Viele Familien stürzten sich in Folge der neuen Realität in Schulden, niemand sparte mehr, denn in Amerika wird man Mittelklasse, indem man konsumiert."
Stichwörter: USA

Magazinrundschau vom 12.05.2020 - New York Times

Ein Beitrag von Emily Bazelon im aktuellen Heft sieht die Wahl in den USA in Gefahr, weil Corona ganz neue Anforderungen stellt: Briefwahlen müssten überall ermöglicht werden, aber ihre Vorbereitung kostet viel Geld. Außerdem sind die Republikaner gegen Briefwahlen. Sie "fassen schon lange eine Erhöhung der Wahlbeteiligung als Bedrohung auf und arbeiten darauf hin, diese zu minimieren. ... 'Ich will nicht, dass alle wählen', sagte Paul Weyrich, der konservative Aktivist und Mitbegründer der Heritage Foundation, 1980 bei einem Treffen in Dallas. 'Tatsächlich nimmt unser Einfluss bei den Wahlen ganz offensichtlich zu, wenn die wahlberechtigte Bevölkerung abnimmt.'" In den 2000er Jahren machten es die Republikaner dann wo sie konnten immer schwieriger, sich zur Wahl anzumelden. 2013 entkernte zudem der Supreme Court eine Schlüsselbestimmung des Stimmrechtsgesetzes. Seitdem wurden landesweit mehr als 1.600 Wahllokale geschlossen, so Bazelon. "Im März kündigte Trump an, dass er sich gegen einen Antrag der Demokraten ausspricht, mindestens zwei Milliarden Dollar für die Wahlvorbereitung der Bundesstaaten in das zwei Billionen Dollar schwere Coronavirus-Hilfsgesetz aufzunehmen. Republikaner sprechen normalerweise nicht mehr so offen über die Unterdrückung der Wahlbeteiligung, wie es Paul Weyrich vor vierzig Jahren tat. Trump brach diese Regel, als er auf einer Pressekonferenz sagte, seine Partei würde verlieren, wenn mehr Menschen wählen würden. Die Vorschläge der Demokraten, sagte er, 'beinhalteten Dinge - Abstimmungsniveaus, die, wenn man ihnen jemals zustimmen würde, dazu führen würden, dass nie wieder ein Republikaner in diesem Land gewählt würde'."

Außerdem: Taffy Brodesser-Akner besucht den unglaublichen Val Kilmer in seinem eigenen Museum in Los Angeles. Und Molly Young erklärt, wie man gepflegt den Verstand verliert in der Quarantäne.

Magazinrundschau vom 28.04.2020 - New York Times

Ein Beitrag von Jennifer Kahn im aktuellen Heft stellt die Chance auf präventive Impfstoffe gegen verschiedene Viren in Aussicht, sogar eine Vorsorgeimpfung gegen Corona wäre möglich gewesen, heißt es, man hat es nur nicht getan: "Panvirale Impfungen sind möglich. In den letzten Jahren wurde eine Reihe präventiver Grippe-Impfstoffe entwickelt, die nicht auf den kugelförmigen Kopf des Virus' zielen, der leicht mutiert, sondern auf seinen Stiel, der fast nie mutiert. Ein weiterer neuer Ansatz, mRNA-Impfstoffe, nutzt Boten-RNS, die genetische Instruktionen zur Proteinherstellung weitergibt, um eine Immunreaktion hervorzurufen. Die Vorteile von mRNA-Impfstoffen sind enorm, weil sie in nur 1-3 Monaten hergestellt werden können, und zwar in Milliarden Dosen. Ferner sind sie extrem anpassungsfähig: Ausgehend von einem funktionierenden Stoff, etwa gegen das aktuelle Virus, wäre das Redesign für das nächste Virus unkompliziert. Bisher ist kein mRNA-Impfstoff genehmigt worden, doch das wird sich jetzt wohl ändern. Für Jahre, so Vincent Racaniello (Professor an der Columbia Universität, d. Red.), war das Hauptproblem, dass die Entwicklung panviraler Stoffe niemand finanzieren wollte. Für die Pharmaindustrie sind diese Impfstoffe nämlich ein schlechtes Geschäft: Sie muss hunderte Millionen in eine Impfung investieren, die die Leute nur einmal im Jahr bekommen bzw. gar nicht, wenn keine besondere Erkrankung ansteht."

Außerdem: David Marchese spricht mit Stephen King über apokalyptische Szenarien in der Wirklichkeit und in der Literatur. Und in einem Fotoessay fragen Kiana Hayeri und Mujib Mashal, was passiert, wenn die Pandemie nach Afghanistan kommt.
Stichwörter: Corona, Pandemie

Magazinrundschau vom 14.04.2020 - New York Times

Kennen Sie noch Weird Al Yankovic? Den begnadeten Pop-Parodisten, der in den Achtzigern und Neunzigern von Michael Jackson und Madonna über Nirvana (siehe unten) bis zu Coolio mit seinem ans MAD-Heft erinnernden Humor alles aufs Korn nahm, was bei drei nicht auf den Bäumen war? In Deutschland ist es um Weird Al in den letzten Jahrzehnten ziemlich still geworden - aber in den USA zählt der unter bedrückend religiösen Einflüssen aufgewachsene Komiker mittlerweile fest zum Comedy-Kanon und hat sich selbst als Pop-Ikone einen Platz im Pantheon gesichert: In jedem der letzten vier Jahrzehnte mindestens eine Single in den Top40-Charts zu platzieren - das ist neben Weird Al jedenfalls nur denen gelungen, die zu parodieren er berühmt geworden ist. Sam Anderson hat ein tolles, sehr persönliches Feature über ihn verfasst - und beim Konzert mit seinem Idol aus Kindertagen, von dem er gelernt hat, dass auch gehänselte Außenseiter ihren Platz in der Popkultur haben, erlebt er eine Epiphanie: "Die Menge wogte durch tantrische Nerdgasmen, zurückgehaltenen Explosionen des Zusammengehörigkeitsgefühls und der Freude. Am Ende der Show, während des Chorus von 'Amish Paradise', als das ganze Stadium anfing mit den Armen im Takt zu schwingen, war ich zu meiner Überraschung den Tränen nahe. Weird Al trug einen lächerlichen schwarzen Anzug mit Zylinder und einen langen falschen Bart. Er rappte darüber, Butter zu rühren und Scheunen zu bauen und jeder sang mit. Ich spürte, wie sich in mir ganze Wogen jener Gefühle einer Einzelgänger-Kindheit - Einsamkeit, Zuneigungen, Verletzlichkeiten, Freude - kräuselten, aus mir heraus zu sickern und sich in dieses große, gemeinsame Sammelbecken zu ergießen begannen. All die Liebe, die ich privat für diese Musik immer empfunden hatte - nicht nur für Weird Als Parodien, sondern auch für die Originale - war nun da, um mich herum und wummerte durch die ganze Menge. Weird Al nutzte einen sonderbaren emotionalen Trick: Er hat all die isolierte Energie unserer winzigen Kinderzimmer in diesen großen öffentlichen Raum getragen."

Ein Klassiker aus Weird Al Yankovics Schaffen:

Magazinrundschau vom 07.04.2020 - New York Times

Für die neue Ausgabe des Magazins begibt sich Gary Greenberg zur Abwechslung in eine ganz andere Laborsituation und berichtet, wie die Wissenschaft alles daran setzt, uns mit einem Cannabisprodukt aus der Retorte den perfekten Trip zu verschaffen: "Das Cannabis-Business steht an einem kritischen Punkt mit Pot als einem regulären Konsumprodukt, von dem der Konsument bestimmte Qualitätsstandards erwartet, so wie bei Kartoffelchips und Seife auch. Der finanzielle Faktor ist klar: Trotz andauernder Verbote in 17 Staaten, ist die legale Droge ein 8-Milliarden-Dollar-Geschäft. Um Cannabis so populär und lukrativ zu machen wie Alkohol mit 200 Milliarden Dollar Umsatz, muss zuerst ein Problem gelöst werden: Kaum vorstellbar, Millionen von Nutzern die Sache schmackhaft zu machen, ohne den Effekt garantieren zu können. Firmen wie MedMen und INSA mögen ja glauben, den Code schon geknackt zu haben, doch das bleibt zu beweisen bei einem Produkt, das derart komplex ist wie Cannabis. Was diese Unternehmen sicher wissen, ist, dass das Milliarden-Dollar-Rennen begonnen hat … Die Neurologin Adie Rae hat eigens einen Fragebogen ausgearbeitet, um die Gewinner der jährlich in Portland, Oregon stattfindenden Cultivation Classics zu bestimmen. Cannabis-Wettbewerbe sind populär, aber Cultivation Classics sind wohl der einzige, bei dem die Juroren einen Nachmittag lang einer Wissenschaftlerin zuhören müssen, die über prädikative Algorithmen und Blindversuche spricht. 160 Leute erhalten ein schwarzes Täschchen mit Dutzenden nummerierten Glasampullen, darin je eine Knospe einer regional und organisch gezogenen Cannabispflanze. Die Aufgabe: innerhalb eines Monats mit je einer 48-Stunden-Pause jede Pflanze probieren und den eigenen psychischen Zustand vor und nach der Einnahme genau beobachten. Eine Pin gewährt den Probanden Zugang zu einer Website, auf der sie den ersehnten Effekt bewerten können, ob sie schläfrig wurden oder stimuliert, sozial oder eher verschlossen, kognitiv gehemmt oder angeregt, ob es Nebeneffekte wie rote Augen oder Angstzustände gab und Aroma, Aussehen, Geschmack nach ihrem Wunsch waren."
Stichwörter: Cannabis

Magazinrundschau vom 31.03.2020 - New York Times

Für die neue Ausgabe des New York Time Magazines spricht David Marchese mit dem Food-Guru David Chang (Momofuko Noodle Bar) über die Überlebenschancen für Restaurants in der Corona-Krise: "Ich denke, dass die Todesrate in der Service- und Restaurant-Industrie hoch sein wird, ausgenommen die großen Ketten. Der vielseitige Mix, der das Essen hier so spannend macht, könnte verschwinden. Sogar in guten Zeiten ist es hart für Köche, Kredite zu bekommen. Ob die Regierung den Restaurants Anschubkredite verschafft wie 2008 der Autoindustrie, bezweifel ich. Vielleicht sollte man zuerst den Immobilieneigentümern helfen und so den Restaurantbesitzern … die meisten Restaurants zahlen ja Miete. Das nächste wären Zahlungserlässe. Wir sind mit Lebensmittelanbauern, Händlern etc. eng verbunden. Kann ein Restaurant seine Rechnungen nicht bezahlen, ist das ein Problem. Und der finanzielle Ausfall an jedem Schließtag ist extrem hoch, wegen der schnell verderblichen Zutaten und so weiter. Es ist ein sehr anfälliges Geschäft. Ich kenne erfolgreiche Köche, die noch ein paar Tage aushalten können, und dann? Wenn schon Toprestaurants in Schwierigkeiten sind, wie dann erst ein Migrant, der gerade seinen eigenen Pizzaladen eröffnet hat, um dem Amerikanischen Traum zu folgen?"

Außerdem: Mattathias Schwartz über die ökonomischen Folgen von Corona in den USA. Und Heidi Julavits berichtet von einem Trip nach Italien in Zeiten des Virus.
Stichwörter: Coronakrise, Corona