Magazinrundschau

Wie eine unendliche Artischocke

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
13.06.2023. Die New York Review of Books stellt die machthungrigen jungen Wölfe in Afghanistan vor, die dem herrschenden Emir Mullah Hibatullah Akhundzada gefährlich werden könnten - alle mit besten Beziehungen zu den Golfstaaten, Pakistan und Al Qaida. Der New Yorker erzählt, wie lebensgefährlich eine Mitgift für junge Ehefrauen in Indien sein kann. In Novinky erklärt der Sozialanthropologen Martin Tremčinský, warum auch der Nationalstaat eine Art Technologie ist. New Lines erzählt die Geschichte des Handels mit Pfeffer. Die New York Times lässt sich von Merlin Sheldrake erklären, wie man ein Pilz wird.

New York Review of Books (USA), 22.06.2023

Ganz so pragmatisch wie Hassan Abbas es in "The Return of the Taliban" vorschlägt, würde Steve Coll zwar nicht mit den Herrschern in Kabul umgehen wollen, aber in dem gut informierten Buch lernt er gleichwohl, dass die internationale Kritik an der Unterwerfung der Frauen den Taliban herzlich egal ist. Die Macht ihres Emirs Mullah Hibatullah Akhundzada können höchstens die machthungrigen jungen Wölfe gefährden, etwa Innenminister Sirajuddin Haqqani, dessen Familie enge Beziehungen zu Saudi-Arabien, dem pakistanischen Geheimdienst und Al Quaida hat. "Ein weiterer vermeintlicher Jungtürke im Taliban-Kabinett ist der Verteidigungsminister Mullah Jakub Mudschahid, der Anfang dreißig und ein Sohn von Mullah Omar ist. Gegenüber Steve Inskeep von NPR sagte er letztes Jahr, es sei 'offensichtlich', dass er bessere Beziehungen zu den USA wolle. Als aufstrebender Spross einer bekannten Familie gehört er zu einer Klasse von dynastischen Politikern, die in ganz Südasien bekannt sind. Bei einem offiziellen Besuch in Katar im vergangenen Jahr wurde er fotografiert und wirkte an Bord seines Regierungsjets und bei Gesprächen mit katarischen Führern sehr entspannt. Zu Beginn dieses Jahres machte auch Yakub Bemerkungen, die als indirekte Kritik an Hibatullah angesehen wurden. Abbas vertritt die Auffassung, dass die 'Kampflinien' zwischen den 'relativ pragmatischen Taliban in Kabul und ihren äußerst konservativen Kollegen' in Kandahar gezogen sind. Bisher hätten die Spaltungen allerdings nur zu einer 'politischen Lähmung' geführt."