Magazinrundschau - Archiv

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2 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 23.11.2021 - nonsite

Christian Parenti untersucht den Ursprung des Privilege Walks, heute ein "Standardelement des Diversitäts-Trainings, das von gemeinnützigen Institutionen, Kirchen, Universitäten, Firmen und sogar einem Teil des amerikanischen Militärs durchgeführt wird", wie er schreibt. Die Sache funktioniert folgendermaßen: Man bekommt Sätze vorgelesen wie "Sie sind ein weißer Mann" oder "Sie haben sich schon mal wegen einer Bemerkung über ihre sexuelle Orientierung oder ihre Hautfarbe unwohl gefühlt" und muss dann je nach Zustimmung oder Ablehnung einen Schritt vor oder zurück machen. Aber den Privilege Walk gibt es schon viel länger als woke Diversitäts-Trainings. Die Idee hatte Erica "Ricky" Sherover-Marcuse, Studentin und später dritte Ehefrau von Herbert, schon in den Siebzigern. Sie mixte Sozialismus mit etwas, das sich "Re-evaluation Counseling" (etwa: Beratung für eine neue Selbsteinschätzung) nennt und von einer Scientology nahestehenden Psychosekte praktiziert wurde, wie sich Parenti von Rickys Schwester Yeshi erklären lässt. "Den Anweisungen von Yeshi folgend, beschäftigte ich mich mit 'Re-Evaluation Counseling', oder RC, wie es oft genannt wird. Das war so, als hätte ich ein fehlendes Glied in der Evolution gefunden: RC gehört zu den Ursprüngen des linken Psychobabbles wie das Fossil Lucy zur Paläontologie der menschlichen Evolution. 'Re-evaluation Counseling' wurde von dem linksgerichteten säkularen Guru Harvey Jackins als direkter Auswuchs von Scientology gegründet und geleitet. Harvey Jackins war in den 1930er Jahren Mitglied der Kommunistischen Partei gewesen, wurde aber ausgeschlossen. Er war Gewerkschaftsorganisator im pazifischen Nordwesten, bis er in den frühen 1950er Jahren auf die schwarze Liste gesetzt und vor das HUAC geladen wurde. Seltsamerweise war Jackins mit L. Ron Hubbard befreundet, und als Hubbard die Dianetik gründete (wie Scientology in ihren Anfangsjahren genannt wurde), war Jackins im Vorstand der Organisation. Im Jahr 1952 brach Jackins mit Hubbard, um seine eigene Version dessen, was Hubbard tat, zu starten. Die Gründungsurkunde von 'Re-evaluation Counseling' gibt die Verbindung zu Scientology sogar zu, indem sie den Zweck der Organisation wie folgt beschreibt: 'sich mit der Kunst und Wissenschaft der Dianetik zu beschäftigen, sie durchzuführen und zu lehren'. … Im Mittelpunkt von Sekten wie Scientology und 'Re-Evaluation Counseling' steht der Akt der Beichte und Selbstverleugnung vor einer Gruppe. Genau darum geht es beim 'Privilege Walk'".

Magazinrundschau vom 29.09.2020 - nonsite

Rassismus existiert, aber er ist nicht der Hauptgrund für Ungleichheit, erklären auch Walter Benn Michaels und Adolph Reed, Jr. auf nonsite.org, einer Website, die dem Emory College of Arts and Sciences in Atlanta, Georgia angeglieder ist. Soziale Ungleichheit wird ihrer Meinung nach nicht beseitigt, wenn man die Disparitäten zwischen Schwarzen und Weißen beseitigt: "Jedes Mal, wenn wir darauf bestehen, dass die grundlegende Ungleichheit die zwischen Schwarzen und Weißen ist, dann sagen wir eigentlich, dass die einzigen Ungleichheiten, um die wir uns kümmern, diejenigen sind, die durch irgendeine Form der Diskriminierung erzeugt werden - dass Ungleichheit selbst nicht das Problem ist, sondern nur die Ungleichheit, die durch Rassismus oder Sexismus usw. erzeugt wird. Was uns der Diskurs über Disparität sagt, ist, dass, wenn in einer Wirtschaft, die immer ungleicher wird, die hauptsächlich Arbeitsplätze schafft, die nicht einmal einen existenzsichernden Lohn zahlen, das Problem nicht darin besteht, wie man diese Ungleichheit verringert oder diese Arbeitsplätze besser macht, sondern wie man dafür sorgt, dass sie nicht unverhältnismäßig stark mit schwarzen und braunen Nenschen besetzt sind."

Außerdem: Michael Fried betrachtet die Fotografien, die Thomas Struth zwischen 2008 und 2015 von technologischen und wissenschaftlichen Objekten gemacht hat.