Magazinrundschau - Archiv

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64 Presseschau-Absätze - Seite 5 von 7

Magazinrundschau vom 14.03.2014 - Slate.fr

Vincent Glad berichtet über den neuesten Hipster-Modetrend in New York: Normcore. Darunter muss man sich vorstellen, dass sich modebewusste Youngsters in Soho exakt genauso kleiden wie Mittelklassetouristen. Erfunden wurde der Begriff von K-Hole, einer kleinen New Yorker Trendagentur, seine sprunghafte Verbreitung erfuhr er anschließend durch einen Artikel im New York Mag. "Laut K-Hole hat das Internet alles entgrenzt, und es ist nicht mehr möglich, sich in dieser Riesenarena, in der jeder Zugriff auf Information hat, abzugrenzen. Man muss im Versuch, einzigartig zu sein, immer weiter gehen. Aber in seiner jeweiligen Ecke ist keiner einzigartiger als sein Nachbar ... K-Holes Antwort darauf lautet nun: we need to go deeper. Die stärkste Abhebung besteht darin, Abhebung abzulehnen, schreibt K-Hole: "Wenn sich die Spielräume zunehmend bevölkern, wendet sich die Indie-Kultur der Mitte zu. Nachdem die Abgrenzung einmal umgesetzt ist, ist wahre Coolness zu versuchen, die Normalität zu beherrschen." Normcore ist also eine Rückkehr zur Ästhetik der Einkaufszentren in amerikanischen Vororten."

Magazinrundschau vom 07.03.2014 - Slate.fr

In einem Essay zeichnet die Filmjournalistin Ursula Michel nach, wie der blasse transsylvanische Vampir der old school im Lauf der Kinogeschichte zum amerikanischen Rockstar mutierte. Sie zeigt diese Verwandlung anhand zahlreicher Filmszenen, aus Polanskis "Tanz der Vampire" über Neil Jordans "Interview mit einem Vampir" bis zu "Buffy", "Twilight" und Jim Jarmuschs "Only lovers left alive". "Männlich, jung, amerikanisch mit Rockattitüde: so könnte das Phantombild des Vampirs im 21. Jahrhundert aussehen. Den alten rumänischen Grafen - halb Mensch, halb Fledermaus - in der Versenkung verschwinden lassend, ist der moderne Blutsauger ein Hochglanzmodell, geheimnisvoll, aber nicht furchteinflößend, sexy, aber nicht zu sehr, Vampir, aber kein Mörder. Eine Halbtonmodulation, die versucht, die ursprüngliche Animalität zu tilgen zugunsten einer kulturellen Künstlichkeit, auch was das Outfit angeht. Die subersive Kraft dieses Geschöpfs zu erhalten, indem man seine (soziale, physische) Radikalisierung vermeidet, es in der Rockkultur anzusiedeln, ohne es zu einem Außenseiterrebellen zu machen: Genau darin besteht die ganze Schwierigkeit der Modernisierung des Mythos."

Magazinrundschau vom 26.11.2013 - Slate.fr

Louise Tourret stellt Olivier Peyons Dokumentarfilm "Comment j'ai détesté les maths" (Ich verabscheue Mathe) über Macht und Elend der Mathematik vor. Einerseits ist es populär, mit mathematischer Ignoranz zu kokettieren: "Wie es Cédric Villlani (der 2010 mit der Fields-Mdeaille ausgezeichnet wurde) sagt: 'Es gibt soviele Leute, die behaupten, sie seien die letzten in Mathe gewesen, dass man sich fragt, wie es so viele letzte geben kann." Andererseits beschwört der Film angesichts der Finanzkrise die Verantwortung der Mathematiker: "Früher konnte man Mathe in aller Ruhe verabscheuen. Heute müssen wir verstehen, welche Risiken damit verbunden sind."
Stichwörter: Mathematik, Mathematiker

Magazinrundschau vom 30.07.2013 - Slate.fr

Es gibt keinen Konflikt, der ein helleres Licht auf die miese soziale Stimmung in Frankreich wirft als der um die Taxis. In Frankreich bekommt man keines, es gibt viel zu wenige. Jean-Marc Proust wirbt um Verständnis für die verhassten Taxifahrer, ohne die skandalöse Lage fürs Publikum zu beschönigen: Die Taxifahrer wehren sich gegen neue Zulassungen, weil sie selbst für ihre Lizenz 250.000 Euro zahlten und das Geld am Ende ihrer Karriere für die Altersversorgung brauchen. Wird das System geöffnet, haben sie verloren. "Im Grunde sind die Taxifahrer Franzosen wie alle anderen: Sie verteidigen eine Lage, die der Allgemeinheit schadet, aber ihren eigenen Komfort absichert. Vielleicht sind sie sogar noch mehr Franzosen als die anderen, denn sie müssen sich ihr 'Privileg' buchstäblich kaufen, zu einem sehr hohen Preis."
Stichwörter: Geld

Magazinrundschau vom 09.07.2013 - Slate.fr

Neben den Geheimdienstgeschichten, die die französischen Medien nicht so sehr interessieren, ist auch auf die wirklich wichtigen Themen im amerikanisch-französischen Verhältnis hinzuweisen. So haben amerikanische Behörden eine Ladung Mimolette-Käse wegen Mikroorganismen auf der Kruste (die diesen Käse erst "machen") konfisziert, berichtet Lucie de la Héronnière: "Der Befall überschreite die Grenzwerte, und diese Organismen könnten Allergien auslösen, so die Behörden. Einige Dutzend Käseliebhaber haben in New York gegen diese Blockade demonstriert. Gekleidet in orange (die Farbe dieses Käses) verteilten sie Käsewürfel. Seitdem ist der Import des 'alten Mimolette' durch die Food and Drug Administration verboten. Begründung: Dieses Produkt 'scheint unsauber und Faulungsprozessen ausgesetzt zu sein. Es ist für den Verzehr nicht geeignet'." Die Widerstandsbewegung gegen den Bann hat inzwischen eine eigene Facebookseite "Save the mimolette".




Das Licht ist der Schlüssel zum skandinavischen Design, lehrt Elodie Palasse-Leroux in einer "Lektion über das skandinavische Design in sechs Kapiteln": "Sie tun die ganze Zeit nichts anderes, als das Licht zu zähmen - das so selten ist und jenseits des Polarkreises im Winter sogar ganz fehlt. Also verbreitet man das natürliche Licht, fängt es ein oder ahmt es nach: Möbel mit Vitrinentüren, gefärbtes oder mundgeblasenes Glas, Spiele mit Transparenz und Schleiern, Abwesenheit von Gardinen, Kerzen..." Das Bild zeigt die berühmten Flaschenvasen, die Tapio Wirkkala für Venini in Murano entworfen hat.

Magazinrundschau vom 25.06.2013 - Slate.fr

Mit einem Hauch zu wenig kritischer Distanz, aber dafür ziemlich kenntnisreich und ausführlich analysiert die franko-iranische Journalistin Bahar Makooi die ersten Äußerungen des designierten neuen iranischen Präsidenten Hassan Rohani. Bei der Frauenfrage gelingt es ihr nicht so recht, Optimismus zu verbreiten: "Heute befinden sich einige Hauptrepräsentantinnen des Feminismus, die sich auf Seiten der Grünen Bewegung engagiert und für die Gleichheit der Geschlechter eingesetzt hatten, im Evin-Gefängnis. Ihre Haftentlassung wäre ein Zeichen der Entspannung. Insgesamt mag man bei diesem Thema eine größere Flexibilität erwarten, vielleicht einen Mentalitätswandel, aber ganz gewiss keine kurzfristige Revolution."

Über Israel und die Palästinenser-Frage schreibt Makooi nicht. Aber auch hierzu hat sich Rohani schon geäußert, wie Perlentaucher-Autor Matthias Küntzel auf seinem Blog beobachtet: "Natürlich werde der Iran auch weiterhin 'die palästinensische Sache aus vollem Herzen unterstützten'. Eine Lösung der Palästina-Krise sei aber nur dann möglich, 'wenn die Rechte des palästinensischen Volkes vollständig wiederhergestellt und dessen nationale Aspirationen verwirklicht' seien. 'Full restauration of the rights of the Palestinian people' klingt natürlich freundlicher als 'wipe Israel from the map'. Gemeint ist aber das Gleiche."

Magazinrundschau vom 30.04.2013 - Slate.fr

Hysterische Stimmung macht Eric Dupin angesichts der Krise in Frankreich aus und zitiert drei historische Vrgleiche, die zur Zeit Konkjunktur haben: Befinden wir uns vor einem neuen 68, in den dreißiger Jahren oder gar vor der Französischen Revolution? Zur letzten Parallele schreibt er: "Natürlich kann man einige gemeinsame Punkte zwischen 1789 und 2013 finden. Die öffentliche Veschuldung war schon damals ein großes Thema. Aber noch mehr verbinden uns der Zorn der Bevölkerung und die Entfremdung zwischen Regierten und Regierenden mit dieser weit zurückliegenden Epoche. Allerdings braucht es mehr für eine Revolution. Welches wäre denn heute die aufsteigende, dem Bürgertum zu vergleichende Klasse, die in der Lage wäre, die dekadente Elite zu verdrängen?"

"Für Wikipedia sind Frauen keine Schriftsteller wie die anderen" überschreibt Charlotte Pudlowski ihren Bericht über eine Entwicklung auf der Plattform, Autorinnen aus der Kategorie "amerikanische Schriftsteller" zu verbannen und sie in sie in eine "Untergruppe amerikanische Schriftsteller weiblichen Geschlechts" zu packen. Angeblich aus Platzgründen. Das sei nicht nur äußerst albern: "Sind Nicole Krauss, Siri Hustvedt, Jennifer Egan oder Toni Morisson etwa weniger amerikanisch, weil sie keinen Penis haben? Dieser Ausschluss von Frauen aus der Kategorie 'amerikanische Schriftsteller' hat ganz praktische Konsequenzen. Denn sucht man bei Google nach amerikanischen Autoren, ist es eben diese angeblich allgemeine, in Wahrheit jedoch höchst männliche Liste, die als erstes angezeigt wird."

Magazinrundschau vom 16.04.2013 - Slate.fr

Emile Van Bever untersucht in einem interessanten Artikel offizielle nordkoreanische Fotos mit Hilfe einer Analysesoftware, die Photoshop-Manipulationen rekonstruiert. Unter anderem geht es um Fotos mit Luftkissenbooten am Strand, die ein Manöver zu zeigen scheinen. Auf den ersten Blick könnte man glauben, dass die Fotos von der selben Stelle am Strand und aus derselben Quelle stammen: "Aber es gibt überhaupt keine Informationen der nordkoreanischen Stellen, die diese These stützen. Die Luftkissenboote haben auf den verschiedenen Fotos unterschiedliche Positionen. Auf einem der Fotos lässt sich nicht festststellen, ob sie funktionieren. Auf dem anderen könnte es sogar sein, dass sie gar nicht existieren."
Stichwörter: Photoshop

Magazinrundschau vom 02.04.2013 - Slate.fr

Jacques Benillouche schreibt einen interesanten Hintergrundartikel über den Krieg verschiedener Mafiabanden in Israel, der immer mal wieder zu Attentaten und Toten führt: Vor allem hat "die massive Einwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion sehr viele russische Mafiosi ins Land gezogen, die Israel als idealen Platz entdeckt haben um Geld zu waschen, denn das Bankensystem ist offen für neue Einwanderer, die zudem von Steuern befreit sind. Das organisierte Verbrechen russischer Provenienz hat sich also eine Nische in einem bereits stark bevölkerten Biotop gesucht, in dem einheimische Israelis mit Juden aus Nordafrika konkurrierten, die zwischen 1955 und 62 aus Tunesien und Marokko eingewandert sind. So kam es zu Bandenkriegen und zur Entthronung von Mafiabossen durch Neuankömmlinge."

Magazinrundschau vom 25.03.2013 - Slate.fr



Nirgends sind die Buchcover nüchterner als in Frankreich, wo die Buchreihen viel wiedererkennbarer sind als die einzelnen Titel. Aber warum?, fragt Charlotte Pudlowski in einem längeren Essay für Slate.fr und findet heraus, dass es paradoxer Weise an einer "sehr frankreichtypischen Sakralisierung der Literatur liegt, die ins 18. und mehr noch 19. Jahrhundert zurückgeht. 'So lautet die These des berühmten Literaturwissenschaftlers Paul Bénichou', erklärt Antoin Compagnon, der selbst die 'Geburt des klassischen Schriftsteller' studiert hat. Bénichou erzählt in seinem Buch 'Le Sacre de l'écrivain, 1750-1830' die Geschichte der Emanzipation der Literatur von der Autorität der Religion, und wie sie sich sogar an deren Stelle setzt. Die Schriftsteller wurden die Helden und die Heiligen des 19. Jahrhunderts', so Compagnon. Und das sind sie geblieben."