
In Polen ist ein neuer
Streit um den Umgang mit den Akten der kommunistischen
Staatssicherheit entbrannt. Die rechten Parteien, allen voran die national-katholische "Liga der Polnischen Familien" fordern die Offenlegung der Dokumente, bis hin zur
Veröffentlichung der Namen der Agenten im Internet. Im liberalen Wochenblatt
Tygodnik Powszechny plädiert der Publizist
Wojciech Pieciak dagegen für Zurückhaltung und illustriert die Ambivalenz der Aktenerforschung am
Beispiel der DDR. "Es war einmal ein Land: Ostdeutschland. Nirgendwo sonst war die Abrechnung mit der kommunistischen Vergangenheit so sorgfältig und gleichzeitig so mild. Warum? Weil es dieses Land
nicht mehr gibt." Die Arbeit der
Birthler-Behörde habe gezeigt, so der Autor, dass die Akten nicht unbedingt immer die Wahrheit wiedergeben. Das eigentliche Problem bestehe jedoch darin, "dass in den Ländern Mitteleuropas beide Seiten nicht dazu bereit sind, die
Wahrheit zu erforschen und
Versöhnung zu finden, wie es in
Südafrika der Fall war. Diese Bereitschaft fehlt besonders auf Seiten der ehemaligen inoffiziellen Mitarbeiter und der Politiker, die über ihnen standen."
"Der Osten braucht
Sachen, der Westen braucht
Blut". Im
Düsseldorfer Schauspielhaus hatte das Stück
"Nacht" Premiere, eine deutsch-polnische Koproduktion nach
Andrzej Stasiuk (hier die
Besprechung aus der
FR). Für Piotr Gruszczynski
verdeutlicht die Saga eines
polnischen Autodiebs die Trivialität des Austauschs zwischen
Ost und West: "Der Westen belog sich selbst, als er uns seine Kultur und Zivilisation anbot. Wir schicken gen Westen stur
Pakete mit Geistigkeit, die niemand will. Tatsächlich ist der Deal einfacher: Sachen für Blut, oder genauer gesagt: im Tausch für
Organe für Transplantationen, damit ein Leben inmitten der Sachen verlängert werden kann."