Magazinrundschau - Archiv

Tygodnik Powszechny

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Magazinrundschau vom 08.03.2005 - Tygodnik Powszechny

"Zwischen Amerika und Europa wird nichts mehr so sein, wie es mal war" - schreibt der Publizist Marek Orzechowski nach George W. Bushs Europa-Tour in der polnischen Wochenzeitung Tygodnik Powszechny. Die USA würden weiterhin global dominieren, nur brauche Europa Amerikas Schutz nicht mehr, es wird langsam erwachsen: "Der Gegensatz zwischen 'altem' und 'neuem' Europa macht Sinn, nur ist ganz Europa jetzt neu", meint Orzechowski, nämlich frei, vereint und friedlich. "Europa muss nichts tun, um Länder wie die Ukraine anzuziehen und Einfluss auszuüben. Es muss einfach nur da sein. Das ist nicht der amerikanische Stil. Die USA und Europa werden immer mehr auseinander gehen ... und sich dabei ergänzen."
Stichwörter: Bush, George W.

Magazinrundschau vom 25.01.2005 - Tygodnik Powszechny

In Polen ist ein neuer Streit um den Umgang mit den Akten der kommunistischen Staatssicherheit entbrannt. Die rechten Parteien, allen voran die national-katholische "Liga der Polnischen Familien" fordern die Offenlegung der Dokumente, bis hin zur Veröffentlichung der Namen der Agenten im Internet. Im liberalen Wochenblatt Tygodnik Powszechny plädiert der Publizist Wojciech Pieciak dagegen für Zurückhaltung und illustriert die Ambivalenz der Aktenerforschung am Beispiel der DDR. "Es war einmal ein Land: Ostdeutschland. Nirgendwo sonst war die Abrechnung mit der kommunistischen Vergangenheit so sorgfältig und gleichzeitig so mild. Warum? Weil es dieses Land nicht mehr gibt." Die Arbeit der Birthler-Behörde habe gezeigt, so der Autor, dass die Akten nicht unbedingt immer die Wahrheit wiedergeben. Das eigentliche Problem bestehe jedoch darin, "dass in den Ländern Mitteleuropas beide Seiten nicht dazu bereit sind, die Wahrheit zu erforschen und Versöhnung zu finden, wie es in Südafrika der Fall war. Diese Bereitschaft fehlt besonders auf Seiten der ehemaligen inoffiziellen Mitarbeiter und der Politiker, die über ihnen standen."

"Der Osten braucht Sachen, der Westen braucht Blut". Im Düsseldorfer Schauspielhaus hatte das Stück "Nacht" Premiere, eine deutsch-polnische Koproduktion nach Andrzej Stasiuk (hier die Besprechung aus der FR). Für Piotr Gruszczynski verdeutlicht die Saga eines polnischen Autodiebs die Trivialität des Austauschs zwischen Ost und West: "Der Westen belog sich selbst, als er uns seine Kultur und Zivilisation anbot. Wir schicken gen Westen stur Pakete mit Geistigkeit, die niemand will. Tatsächlich ist der Deal einfacher: Sachen für Blut, oder genauer gesagt: im Tausch für Organe für Transplantationen, damit ein Leben inmitten der Sachen verlängert werden kann."